TV-Show

„Gottschalk holt’s nach“ (ARD) liefert Fremdschäm-Momente

„2020 – Gottschalk holt’s nach“: In einem ungewöhnlichen Jahresrückblick wollte der Moderator das Corona-Jahr wett machen. Ohne Erfolg.

Von Alexandra Karg
Thomas Gottschalk wollte Dinge nachholen.

Thomas Gottschalk wollte Dinge nachholen.

Foto: Stefan Gregorowius / dpa

Berlin. 
  • Olympia, Europameisterschaft, Konzerte und mehr: Wegen der Corona-Pandemie sind 2020 unzählige Veranstaltungen ausgefallen
  • Diesen Events widmete sich Thomas Gottschalk in der ARD-Show "2020 - Gottschalk holt's nach"
  • Doch von einem begeistertem Publikum und großen Show-Effekte war auch dabei nichts zu sehen
  • Stattdessen lieferte der Moderator viele Momente, in denen man sich als Zuschauer für alle Beteiligten schämte

Konzerte, Hochzeiten und Sport-Wettbewerbe – die Corona-Pandemie hat in diesem Jahr 2020 so vieles verhindert. Großveranstaltungen? Feiern? Pustekuchen. Stattdessen war das Jahr von Lockdown, Maske tragen und Abstandhalten geprägt. Deutschlands Showmaster-Legende Thomas Gottschalk wollte das nicht hinnehmen: Er hatte sich vorgenommen, in seinem ungewöhnlichen Jahresrückblick einen Teil von dem nachzuholen, was in 2020 nicht stattfinden konnte.

Das glückte dem 70-jährigen Moderator allerdings nur bedingt: Von begeistertem Publikum und großen Show-Effekte war auch bei „2020 – Gottschalk holt’s nach“ in der ARD keine Spur. Statt einer aufregenden Abendshow war die Sendung eine typische Show in Corona-Zeiten: inklusive Abstand halten, Begegnungen per Video-Übertragung und Applaus vom Band. Im Schnelldurchlauf klapperte Thomas Gottschalk all die Bereiche unseres gesellschaftlichen Lebens ab, die in diesem Jahr so gut wie lahmgelegt waren.

Thomas Gottschalk holt Peter Maffay, Toni Garrn und Johann Lafer

Obwohl Thomas Gottschalk sich Promis wie Model Toni Garrn, Promi-Koch Johann Lafer und Musiker Peter Maffay auf die Couch holte, kam auch seine Show in der ARD etwas lahm daher. Mehr als ein Trostpflaster für verpasste Gelegenheiten und Momente war es nicht.

Die herausragenden Momente bei „2020 Gottschalk holt’s nach“:

Alexander Klaws und Thomas Gottschalk als Winnetou und Old Shatterhand

Die Karl-May-Festspiele in Bad Segeberg sind nur eine der Großveranstaltungen, die in 2020 ausfallen mussten. Neben Schauspieler Alexander Klaws, der dort den Winnetou spielen sollte, war darüber besonders die Sophia Greis traurig. Als echter Wild-West-Fan wollte sie die Festspiele in diesem Jahr besuchen. Gemeinsam mit Klaws überraschte Gottschalk die 13-Jährige zu Hause – verkleidet als Winnetou und Old Shatterhand.

Als die beiden unter dem Titel „Der Schatz im Westerwald“ in langsamem Tempo auf Pferden über grüne Wiesen ritten, sorgte dies für einen ersten Fremdschäm-Moment während der ARD-Show. Bereits als die beiden schließlich mit ihrer neuen Blutsschwester im Studio saßen, bei Fake-Lagerfeuer und Fake-Applaus, könnte der Traum von der großen Show-Stimmung für viele Zuschauer an diesem Abend geplatzt sein.

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Thomas Gottschalk macht Liebe in Zeiten von Corona nicht möglich

Auch für viele Liebende kam im Corona-Jahr alles anders als geplant. Karsten Tychsen (89) und Inga Rasmussen (85) mussten im Frühjahr eine schwere Trennung ihrer späten Liebe erfahren, weil die Grenze zwischen ihren Wohnorten in Deutschland und Dänemark geschlossen war. Thomas Gottschalk überraschte die beiden mit einem Candlelight-Dinner von Star-Koch Johann Lafer und machte den 89-jährigen Karsten Tychsen damit ganz „glücklich und froh“.

Ähnlich herzergreifend, aber weniger erheiternd kam es für ein anderes Paar: Maxi und Ahmed. Sie wollten 2020 mit einer Hochzeit ein gemeinsames Leben in Deutschland beginnen. Stattdessen platzte die Hochzeit, Ahmed blieb in Saudi-Arabien. Dieses traurige Schicksal konnte auch ein Überraschungs-Auftritt von Sänger Wincent Weiss nicht retten. Seine gesungenen Worte „Weil’s so verdammt leicht ist, wenn du dabei bist“ wirkten in Anbetracht der enttäuschten Braut eher wie ein schwaches Trostpflaster.

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Thomas Gottschalk veranstaltet Jodel-Wettbewerb

Als Gottschalk schließlich noch den 75. Jodelwettbewerb aus dem Harz in einer auffällig abgespeckten Version der Sendung „Let’s Dance“ nachholte, eröffnete er damit die Kategorie der Ereignisse, die 2020 keinesfalls hat vermissen lassen. Dies lag zu einem geringeren Teil am Jodeln, zu einem größeren Teil jedoch an den Fragen und Wertungen des Moderators. Nicht zuletzt, als dieser die Performance eines jungen Mädchens mit den Worten „optisch einwandfrei“ bewertete, bevor er eine andere Teilnehmerin in typischer Gottschalk-Manier fragte, was denn die Jungs in ihrem Alter bloß von ihrem Hobby hielten, werden nicht wenige Zuschauerinnen nach Luft geschnappt haben.

Dies konnte auch ein sehr sympathischer Auftritt von Bundesgesundheitsminister Jens Spahn und von Model Toni Garrn nicht retten, ebenso wenig wie ein passables und kurzes Video-Konzert von Robbie Williams.

„2020 – Gottschalk holt’s nach“ verhielt sich zu einer klassischen TV-Show ein bisschen wie eine Geburtstagsfeier mit Freunden per Zoom zu einer echten Party – man zieht es in Corona-Zeiten durch, weil es anders nicht möglich ist. Die Sehnsucht nach Nähe, Emotionen und echtem Erleben aber bleibt.

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