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„Tatort Münster“: Das sind die realen historischen Bezüge

Der neue „Tatort: Es lebe der König!“ spielt mit schaurigen Versatzstücken der Münster-Geschichte. Das sind die wahren Hintergründe.

Tatort - Das sind fünf spannende Fakten

"Tatort": Das sind fünf spannende Fakten

Das sind 5 spannende "Tatort"-Fakten

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Berlin. Prof. Boerne ist ein bisschen netter jetzt. Und er fährt ein neues Auto: Eine schöne silberne Corvette C3 (von Chevrolet), Baujahr 1978, wie aus „Fast Furious Five“ geklaut. Mehr Verweise auf seine unterirdischen Erfahrungen im „Tatort: Limbus“, wo der eitle Professor vor knappen drei Wochen durch einen Autounfall in der Vorhölle landete, gibt es nicht.

Dafür begibt sich der neue Münster-„Tatort: Es lebe der König!“ auf eine Art Zeitreise ins Mittelalter, als im Burggraben eines nahen Wasserschlosses ein toter Ritter in voller Rüstung gefunden wird: „Siegfried, vielleicht?“, ulkt Wagner-Fan Boerne (Jan Josef Liefers), während Frank Thiel (Axel Prahl) eher auf „Ritter der Erdnuss“ tippt (statt „Ritter der Kokosnuss“ von Monty Python).

„Tatort“: Münster-Folge taucht tief in die Geschichte ab

Auf jeden Fall bietet der mysteriöse Rittertod den beiden Ermittlern jede Menge Gelegenheit, sich gegenseitig mit passenden Theater- und Filmzitaten zu übertrumpfen. Und liefert sogar den Stoff für ein atemloses Rededuell, wer von beiden mehr über die lokale Geschichte weiß: Es geht um das Täuferreich von Münster, mit Jan van Leiden, Bernd Krechting und Bernd Knipperdolling als absoluten Bösewichten.

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Alle drei historischen Gestalten gehörten im 16. Jahrhundert der Bewegung der Chiliasten an, die aus den Niederlanden kam und als „Wiedertäufer“ bezeichnet wurde, weil sie u.a. die Kindstaufe und den Papst als Autorität ablehnte. Statt an den Bibeltext, glaubten sie an eine mystische Lehre vom inneren Licht und hielten sich für unfehlbar, weil Gott angeblich direkt zu ihnen sprach.

So auch Johann Bockelson alias Jan van Leiden, der 1534 in Münster zum Führer der Wiedertäufer aufstieg. Der ehemalige Bordellbesitzer propagierte die Vielweiberei, hatte selber 17 Frauen, und führte sein „tausendjähriges Reich Sion“ als apokalyptischer Schreckensherrscher, in dem er zu Beispiel Todesurteile gerne selbst vollstreckte.

„Tatort: Der König ist tot!“ ist erste Produktion nach Frühjahrs-Lockdown

Erst nach monatelanger Belagerung, konnten die bischöflichen Truppen im Juni 1535 die Stadt zurückerobern und die Anführer gefangen nehmen. Jan van Leiden, Bernd Krechting und Bernd Knipperdolling wurden am 22. Januar 1536 hingerichtet. Ihre Leichen steckte man in drei eiserne Käfige und zog sie bis unter die Spitze der Lambertikirche. Dort hängen die Käfige noch heute – als Nachbildung und als Wahrzeichen der Stadt.

500 Jahre später soll diese schaurige Geschichte als „Wiedertäufer. Experience“ auf der „Radtke-Burg“ aufgeführt werden – soweit das Drehbuch. Und obwohl der Besitzer und „König der Schausteller“ kurz vor der Premiere tot im Burgraben liegt. The show must go on.

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Dabei liegt das idyllische Ambiente in Wirklichkeit gar nicht nahe Münster, sondern 130 Kilometer weiter in südwestlicher Richtung: Gedreht wurde im Rhein-Kreis Neuss, nahe Grevenbroich, auf dem Hülchrather Schloss, das in seiner mittelalterlichen Bausubstanz größtenteils erhalten geblieben ist.

„Der König ist tot!“ ist übrigens die erste „Tatort“-Produktion, die direkt nach dem Frühjahr-Lockdown entstanden ist. Das merkt man dem Film wenig an, außer vielleicht, dass erstaunlich viele Szenen outdoor spielen.

Episodenrollen durchgehend mit „Tatort“-erfahren Schauspielern besetzt

Benjamin Hessler, Autor von Erfolgsserien wie „Mord mit Aussicht“ oder „4 Blocks“, musste für sein Drehbuch lediglich die Schlussszene überarbeiten, heißt es, corona-konform durfte die nicht mehr als Massenszene gedreht werden. Nach „Spieglein, Spieglein“ (2018) ist „Es lebe der König!“ sein zweiter „Tatort“ aus Münster, wo der gebürtige Bochumer auch längere Zeit studiert hat.

Regie führte diesmal Buket Alakus („Eine Braut kommt selten allein“, „Einmal Hans mit scharfer Soße“). Es ist das „Tatort“-Debüt der türkischstämmigen Filmemacherin, die lange Zeit in Hamburg lebte, jetzt in Berlin.

Alle anderen gehören quasi zur „Familie“: Neben den ständigen Mitspielern im Boerne-Thiel-Team – Christine Urspruch, Mechthild Großmann und Claus Dieter Clausnitzer als Vater Thiel – wurden auch die Episodenrollen durchgehend mit „Tatort“-erfahren Schauspielern besetzt: Marek Harloff ebenso wie Mai Duong Kieu, zum Beispiel.

Dazu gehört aber ebenso Justine Hauer (als Clarissa von Lüdecke), die bis 2016 als Sekretärin Annika Beck, genannt „Beckchen“, im Konstanzer „Tatort“-Ermittlungsteam mit Blum Perlmann zu sehen war. Und Sandra Borgmann, diesmal die Königstochter, spricht regelmäßig in den vom NDR produzierten Folgen des „Radio-Tatorts“ die Kriminalhauptkommissarin Bettina Breuer.