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„Maybrit Illner“: Warum Corona der AfD nicht hilft

„Wer profitiert von Angst und Spaltung?“, wollte Maybrit Illner von ihren Gästen wissen. Es wurde eine verkappte Sendung über die AfD.

Skandale und Gäste-Rankings: Diese fünf Dinge muss man über Polit-Talkshows wissen

Ob "Anne Will", "Hart aber Fair", “Maybrit Illner“ oder “Maischberger“: Polit-Talkshows prägen unsere politischen Debatten. Fünf Dinge, die man über dieseTalkshows wissen muss.

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Berlin.  Bei „Maybrit Illner“ wurde die Corona-Krise politisch gedeutet: „Rechts, links, quer – wer profitiert von Angst und Spaltung?“, lautete der Titel der Sendung am Donnerstagabend. Eine zumindest für das rechte Spektrum berechtigte Frage, wenn man sich die fast schon verzweifelten Versuche der AfD vor Augen führt, an die Proteste gegen die Corona-Maßnahmen anzudocken.

„Maybrit Illner“ – Das waren die Gäste

  • Herbert Reul (CDU): Innenminister in NRW
  • Tino Chrupalla (AfD): Bundesvorsitzender
  • Sahra Wagenknecht (Linke): Volkswirtin
  • Georg Mascolo: Journalist
  • Matthias Jung: Forschungsgruppe Wahlen

Corona ist für die AfD ein schwieriges Thema

Ein klarer politischer Profiteur, das wurde in der Debatte deutlich, lässt sich bisher nicht erkennen. „Das Corona-Thema ist für die AfD nicht ganz geeignet“, erklärte Matthias Jung von der Forschungsgruppe Wahlen.

Das mag auch damit zu tun haben, dass der Protest relativ vielfältig ist. Herbert Reul warnte allerdings davor, dass bei den Demonstrationen zunehmend Rechtsextreme das Ruder übernehmen würden . „Diesen Teil müssen wir ernst nehmen“, sagte der Innenminister von NRW.

Wagenknecht kritisiert die Corona-Politik

Sahra Wagenknecht sieht durch diesen Teil – und auch durch die AfD – die ihrer Ansicht nach berechtigte Kritik an der Corona-Politik diskreditiert. „Wer ist verantwortlich dafür, dass so viele wütend sind?“, fragte die frühere Fraktionschefin der Linkspartei. Die AfD sei es nicht.

Dann folgte eine Systemkritik, wie man sie von Wagenknecht kennt. „Wir haben keine Corona-Diktatur, aber wir haben auch keine Demokratie“, behauptete sie. Die finanziellen Hilfen seien so organisiert, dass nur die Großen etwas bekämen. Auch sei das Infektionsschutzgesetz , auf dem viele der Maßnahmen fußen, zu vage gehalten.

Tino Chrupalla wird von Maybrit Illner gestellt

AfD-Chef Tino Chrupalla stimmte mit Wagenknecht überein, wendete deren linke Perspektive aber in eine wirtschaftliche. Die Maßnahmen würden viele Unternehmer, etwa Gastronomen treffen, kritisierte der AfD-Chef.

Gut war, dass Chrupalla von der Gastgeberin und Georg Mascolo gestellt wurde. Denn wie sähe eine andere Vorgehensweise aus? Illner wies Chrupalla auf dessen eigenen Wahlkreis Görlitz hin – einen Hotspot, in dem mittlerweile die Intensivbetten knapp sind. Und Mascolo erinnerte daran, dass ein Eingreifen, so schmerzhaft es für manche gesellschaftliche Gruppen ist, praktisch alternativlos ist: „Wer hat in der Welt eigentlich eine andere Strategie als das, was wir hier versuchen?“, fragte der Journalist.

Richtig in die Bredouille geriet Chrupalla, als es um den Machtkampf in der AfD ging. Er stehe für keine Seite, sondern halte alles zusammen, gab der Parteichef zu Protokoll. Ein Zugeständnis an die weit rechten Teile, mit denen sich Chrupallas Co-Vorsitzender Jörg Meuthen mit einer Brandrede auf dem Parteitag in Kalkar angelegt hat.

Diesen Teil verharmloste Chrupalla. In der AfD gebe es keinen Platz für Extremisten, behauptete er. Als Reul ihn auf die etwa 7.000 Mitglieder des extrem rechten Flügels hinwies, die trotz dessen Auflösung noch in der Partei sind, blaffte Chrupalla: „Nennen Sie mir doch die Namen!“ – „Björn Höcke wäre schon mal bekannt“, erwiderte Mascolo trocken.

Das Fazit

Die Antwort auf die Leitfrage blieb die Runde weitgehend schuldig. Dafür wurde deutlich, wie groß die Misere der AfD ist. Vor dem Hintergrund der laufenden Prüfung durch den Verfassungsschutz ist aus dem schwelenden Richtungsstreit ein offener Kampf geworden. Die Corona-Krise spielt dabei nur indirekt eine Rolle: Der rettende Strohhalm ist sie für die Partei trotz der zunehmenden Proteste bisher nicht.

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