Fernsehen

Sophie von Kessel und Charly Hübner spielen Katz und Maus

„Das Verhör in der Nacht“ macht aus Daniel Kehlmanns Theaterstück ein TV-Duell zweier Stars. Leider überzeugt das nicht durchgehend.

Sie belauern und umkreisen sich:  Die Professorin Judith (Sophie von Kessel) und der Polizist Thomas (Charly Hübner).

Sie belauern und umkreisen sich: Die Professorin Judith (Sophie von Kessel) und der Polizist Thomas (Charly Hübner).

Foto: ZDF/Sandra Hoever

Es ist Heiligabend. Die Professorin nimmt ihre Geschenktüten und bestellt ein Taxi, um bei ihren Eltern zu feiern. Statt des Wagens wartet draußen allerdings ein Mann auf sie, der sie bittet, mit ihm zurück auf ihr Zimmer zu gehen. Er ist vom Staatsschutz, er habe da ein paar Fragen. „Ist das ein Verhör?“, fragt die Professorin. Nein, keineswegs, meint der Polizist. Die drei Männer, die sich im Hotelflur vor dem Zimmer postieren, lassen allerdings anderes vermuten.

Das ist die Ausgangsbasis des Fernsehfilms „Das Verhör in der Nacht“, den die ARD am heutigen Montag ausstrahlt. ER basiert auf Daniel Kehlmanns Theaterstück „Heilig Abend“, das der Bestsellerautor nun selbst fürs Drehbuch nivelliert hat. Wobei die Änderungen geringfügig sind: die Anfahrt zum Hotel, die wenigen Momente auf dem Flur. Wie das Bühnenstück konzentriert sich auch die Verfilmung kammerspielartig ganz auf das eine Zimmer und die beiden Menschen, die sich ein Dialogduell liefern.

„Das Verhör in der Nacht“: jetzt schon in der Mediathek

Lange wird der Zuschauer im Unklaren gelassen, was der Polizist eigentlich will. Es geht, so schält sich nach und nach heraus, um einen angekündigten Terroranschlag, der ausgerechnet in der Weihnachtsnacht geplant ist. Die Philosophieprofessorin hat immer wieder über strukturelle Gewalt doziert. Hat sie dem Täter damit ideologische Argumente geliefert? Oder noch mehr?

Daniel Kehlmann auf Schirachs Gleisen

Lange weiß der Zuschauer auch nicht, wie er die Frau, die da verhört wird, einschätzen soll. Hat sie wirklich keine Ahnung, was man von ihr will? Ist sie ein Bauernopfer, das willkürlich und mutwillig unter Druck gesetzt wird? Oder ist sie gar nicht so unschuldig, wie sie tut?

„Das Verhör in der Nacht“ ist ein klassisches Katz-und-Maus-Spiel und lebt ganz von der Spannung zwischen den Hauptfiguren, die fast ausschließlich zu zwein agieren. Mit dem Drama, das im Februar 2017 in Wien uraufgeführt wurde, nur anderthalb Monate nach dem Anschlag auf den Weihnachtsmarkt am Berliner Breitscheidplatz, und jetzt in der Adventszeit gesendet wird, fährt Erfolgsautor Kehlmann quasi auf den Gleisen, die man von Ferdinand von Schirach gewohnt ist.

Wo es um die Rechtslage bei Reizthemen geht, hier um Recht und Unrecht, Gewalt von Attentätern gegen strukturelle Gewalt – und den Streitfall, ob der Staat Bürger unter Druck setzen darf, um Bürger und Staat zu schützen. Ein Schirach freilich weiß aus einem solchen Dilemma mehr Dramatik herauszulocken. Und selbst Regisseur Matti Geschonneck, sonst ein Spezialist für atmosphärische Buchverfilmungen und starkes Schauspielerkino, kann das Theatralisch-Künstliche der Vorlage nicht vergessen machen, betont es vielmehr.

Ein ungleiches Duell

Sophie von Kessel, die diese Rolle schon in München auf der Bühne spielte, ist stark und prägnant und lässt den aasigen Polizisten immer so kühl auflaufen, wie er sie provoziert. Charly Hüber aber, sonst stets präsent und eindringlich etwa in seinen „Polizeiruf“-Folgen oder kürzlich in Geschonnecks Bestselleradaption „Unterleuten“ , wirkt hier leider falsch, aufgesetzt und etwas fehlbesetzt. Damit gerät jedoch das ganze Duell in Schieflage. Das ist schade. Gerade bei einem solch wichtigen Thema.

„Das Verhör in der Nacht“: ZDF, 30. November, 20.15 Uhr