Talkshow

„Lanz“: Was Reiner Haseloff an Merkels Corona-Papier nervte

Markus Lanz war am Dienstag der Star seiner eigenen Sendung. Es ging um den „Lockdown Light“ und die Kommunikation des Kanzleramtes.

Markus Lanz: Der ZDF-Moderator im Porträt

Seine Talkshow ist ein Dauerbrenner im ZDF: Wir zeigen im Video die beruflichen Stationen von Markus Lanz, seine Leidenschaft und seine kaum bekannte Ehefrau Angela Gessmann.

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Berlin.  Markus Lanz war am Dienstagabend in Höchstform. Immer wieder hakte der Moderator bei Sachsen-Anhalts Ministerpräsident Reiner Haseloff (CDU) zur Debatte der Ministerpräsidentinnen und -präsidenten mit der Kanzlerin nach und konnte den erfahrenen Politiker so mehrfach in Bedrängnis bringen.

Als Haseloff die Diskussion um die Corona-Maßnahmen der Bundesregierung zu Beginn der Sendung noch als „Routineveranstaltung“ abtat, ließ Markus Lanz nicht locker. Und so blieb Haseloff nichts anderes übrig, als die Veröffentlichung des Vorschlags aus dem Kanzleramt gegen 23.45 Uhr am Sonntagabend zu kommentieren. Mehr zur Talkshow: ZDF zeigt am Donnerstag Lanz-Interview mit Barack Obama

„Mich hat nur genervt, dass das Papier des Bundeskanzleramtes so spät gekommen ist. Da lag ich schon im Bett und habe geschlafen“, erzählte Haseloff. Lanz machte daraus eine generelle Debatte über die politische Kommunikation der Kanzlerin, die den ersten Teil der Sendung bestimmte.

Rosenfeld und Lanz nehmen Haseloff in die Zange

Unterstützung erfuhr der Moderator dabei von „Welt“-Chefredakteurin Dagmar Rosenfeld , die Haseloff zusammen mit Lanz immer wieder in die Zange nahm. Die Vorschläge der Bundesregierung hätten jeden Ministerpräsidenten überrascht, sagte Rosenfeld.

„Markus Lanz“ – Das waren die Gäste:

  • Reiner Haseloff (CDU): Ministerpräsident Sachsen-Anhalt
  • Dagmar Rosenfeld: Chefredakteurin „Welt“
  • Prof. Helga Rübsamen-Schaeff: Virologin
  • Prof. Markus Rex: Polarforscher

Lanz fragte insbesondere nach Haseloffs Meinung dazu, dass Quellen aus dem Kanzleramt die Vorschläge der Bundesregierung am späten Sonntagabend an die Presse durchsteckte.

„Markus Lanz“: Politische Kommunikation über SMS

Auch bei der Sitzung am Montag, die eigentlich hinter verschlossenen virtuellen Türen stattfinden sollten, wurden die Pläne von Bund und Ländern schnell an die Presse gegeben – per SMS. Ob Haseloff dafür sei, dass alle Teilnehmenden der Besprechung vorher ihre Handys abgeben müssen, wollte Lanz wissen.

„Handys sind egal, wenn man kulturvoll miteinander umgeht“, antwortete der Ministerpräsident Sachsen-Anhalts. Auf Rosenfelds Nachfrage, ob denn bereits „kulturvoll“ miteinander umgegangen werde, wich Haseloff aus. Er selbst habe zumindest keine SMS aus einer solchen Sitzung geschickt, erklärte der erfahrene Politiker.

Haseloff zum „Lockdown Light“: Kommunen müssen reagieren können

Es war eine launige Diskussion bei Markus Lanz, was vor allem an der ausgesprochen wachen „Welt“-Chefredakteurin Dagmar Rosenfeld und dem leidenschaftlichen Reiner Haseloff lag. Rosenfeld kritisierte die Kommunikation des „Lockdown Light“ , dessen Länge von der Bundesregierung zunächst bis Ende November terminiert war. Dieses Ziel sei schnell verworfen worden, kritisierte Rosenfeld.

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Haseloff fiel ihr ins Wort und betonte die unterschiedlichen Voraussetzungen in den Bundesländern sowie die wichtige Rolle des Föderalismus , der eine rechtliche Grundlage für Kommunen schaffen müsse, auf die unterschiedlichen Infektionszahlen zu reagieren. Wenn sich die Menschen nicht solidarisch zeigten, könnten auch Schulschließungen nicht ausgeschlossen werden.

Corona-Warn-App: Updates könnten Gesundheitsämter entlasten

Diese Aussage wiederum brachte Frau Rosenfeld auf den Plan, die kritisierte, dass Schulschließungen eigentlich kategorisch ausgeschlossen worden seien. „Wir müssen adäquat handeln“, entgegnete Haseloff. Vor allem ginge es darum, die Kontakte zu reduzieren. „Wenn wir die Schulen offen halten sollen, müssen wir die Wirtschaft anfassen.“ Lesen Sie auch: Lehrer beklagen „Salami-Lockdown“ – was bedeutet das?

Dagmar Rosenfeld kritisierte indes, dass die Politik den Sommer verschlafen habe. „Die Corona-App ist auf dem Stand von April“, monierte die Journalistin. Sie pochte vor allem auf digitale Lösungen, um die Gesundheitsämter zu entlasten. „Warum haben wir den Sommer nicht genutzt?“, fragte Rosenfeld.

Rübsamen-Schaeff: Impfstoff muss mehr leisten als natürliche Infektion

Die Antwort gab Prof. Helga Rübsamen-Schaeff, eine angesehene Virologin: „Weil es uns im Sommer so gut gegangen ist.“ Niemand habe voraussehen können, dass die zweite Welle so stark werde. Auch Politiker hätten keine „Kristallkugel“, weshalb sie die Kritik an der Politik nicht ganz nachvollziehen könne.

Rübsamen-Schaeff ordnete anschließend noch die Hoffnung auf einen wirksamen Impfstoff ein, der „im Prinzip mehr leisten“ müsse als die natürliche Infektion. Wichtig sei vor allem, die „Entwicklung antiviraler Medikamente“ voranzutreiben, die nicht nur vor einer Infektion, sondern vor einer Erkrankung an Covid-19 schützen – vergleichbar mit Aids-Medikamenten.

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Das Ende gehört der Arktis und dem Klimawandel

Zum Schluss folgte dann noch eines von Markus Lanz’ Herzensthemen – die Arktis . Dazu hatte die Redaktion Prof. Markus Rex eingeladen, der 2020 die größte Polarexpedition aller Zeiten leitete. Zusammen schwelgten Rex und Lanz in romantischen Erinnerungen an die Zeit im ewigen Eis – der Moderator war 2011 mit einer Expedition zum Südpol gestartet.

In Erinnerung bleiben wird von dieser „Lanz“-Folge vor allem die starke Leistung von Markus Lanz und Dagmar Rosenfeld, die unnachgiebig Antworten aus Reiner Haseloff hervorzerrten. Und natürlich die beeindruckenden Bilder aus der Arktis, die einmal mehr zeigten, wie wichtig der Schutz dieses Ökosystems für unseren Planeten ist.

„Markus Lanz“ – Weiteres zur Sendung: