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„Hart aber fair“: Eine Diskussion mit „Trump light“

Frank Plasberg widmete sich bei „Hart aber fair“ der US-Wahl. In der Runde: ein Republikaner, der Dampf abließ wie sein Präsident.

Frank Plasberg widmete sich bei „Hart aber fair“ der US-Wahl.

Frank Plasberg widmete sich bei „Hart aber fair“ der US-Wahl.

Foto: Dirk Borm / WDR

Berlin. Donald Trump gegen Joe Biden: Die USA stehen vor einer großen Richtungsentscheidung. Wo geht es hin? Diese Frage beschäftigte am Montagabend auch „Hart aber fair“.

„Hart aber fair“ – Das waren die Gäste

Die Gästeliste war deshalb interessant, weil auch US-Amerikaner zu Wort kamen:

  • Candice Kerestan (US-Staatsbürgerin; Vorsitzende „Democrats Abroad Germany“)
  • George Weinberg (US-Staatsbürger; Aufsichtsratsmitglied Republicans Overseas Germany)
  • Matthew Karnitschnig (US-amerikanischer Journalist)
  • Norbert Röttgen (CDU; Bundestagsabgeordneter und Vorsitzender des Auswärtigen Ausschusses)
  • Christiane Lemke (Politologin)
  • Ingo Zamperoni (ARD-Moderator und Journalist)

Eine amerikanische Debatte

Und tatsächlich wurde es eine relativ amerikanische, das heißt polarisierte, Debatte. Auf der einen Seite etwa Candice Kerestan, die die Vorzüge von Biden hervorhob: „Er wird die Nation wieder zusammenbringen“, prognostizierte die Demokratin mit Blick auf ihre Kandidaten. Danach sehnten sie viele im Land.

Auf der anderen Seite Weinberg, der mit harten Bandagen für Trump stritt. „Ich habe überhaupt keine Zweifel, dass Trump wiedergewählt wird“, gab sich der Republikaner siegesgewiss.

Was dann über die Sendezeit verstreut von Weinberg folgte, war Trump light: Joe Biden? Hat sich in seinem Keller versteckt, statt Wahlkampf zu machen. Die drohenden Klagen gegen Trump? Guckt doch mal auf Hunter Biden, den Sohn des demokratischen Spitzenkandidaten! Das Programm der Demokraten? „Das ist Sozialismus!“ Übergriffe von Trump-Wählern? Schaut euch lieber mal die „Antifa“ an!

Chaos und Verwirrung sind das Ziel

Das klang tatsächlich wie US-Wahlkampf – und war etwas ermüdend. Zugleich machte es noch mal exemplarisch deutlich, wie der Ansatz von Donald Trump funktioniert: Immer voll drauf, wobei nicht der Sieg mit dem besseren Argument, sondern Chaos und Verwirrung das Ziel sind.

Nur gut, dass auch Matthew Karnitschnig in der Runde saß. Gemeinsam mit Zamperoni und Lehmke erklärte er in den ruhigeren Phasen der Diskussion die amerikanische Seele – und auch Weinbergs aggressiven Stil. „Es geht ziemlich rau zu“, beschrieb der „Politico“-Journalist die US-Politik. Das sei in den USA normal, hierzulande aber gewöhnungsbedürftig.

Droht ein Bürgerkrieg?

Doch auch abseits davon hatte Karnitschnig einige interessante Punkte beizutragen. „Man muss ihm zugutehalten, dass er viele von seinen Versprechen eingehalten hat“, sagte er mit Blick auf Trump. So habe er etwa Steuern gesenkt und konservative Richter berufen. „Das ist für viele Wähler ein Kernargument, ihn wiederzuwählen.“

Den düsteren Szenarien, wonach Trump im Falle einer Niederlage einfach in seinem Büro sitzen bleiben könnte, erteilte der Journalist eine Absage. „Sobald deutlich ist, dass er verloren hat, werden die anderen Republikaner ihn fallen lassen“, prognostizierte er. Auch glaubt Karnitschnig nicht, dass Trumps Anhänger in diesem Fall zur Gewalt greifen würden. „Ich kenne niemanden, der für Trump in den Krieg ziehen würde.“ Das klang beruhigend. Doch was, wenn es doch knapp wird?

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Das Fazit

Es ist eigentlich keine Überraschung mehr, und doch war es erstaunlich, den US-Stil im Kleinen in einer deutschen Variante zu erleben. Anhand von Weinberg zeigte sich: Es gibt bei den Republikanern nicht nur Duckmäusertum, sondern auch Menschen, die diesen Präsidenten wirklich und mit Elan tragen.

Allerdings ist das Bild der USA, das Donald Trump weltweit befeuert hat, wohl etwas einseitig. „Wenn man hier Nachrichten guckt, hat man den Eindruck, dass das Land aus Waffennarren und radikalen Christen besteht“, sagte Karnitschnig irgendwann. Dem sei aber nicht so. Man kann nur hoffen, dass die Vernünftigen weise entscheiden werden.

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