Der Sonntags-Krimi

Das neue Paar im „Tatort“: Zickenkrieg in Zürich

Im „Tatort“ startet ein neues Schweizer Team. Es ist ein Frauen-Duo. Aber wieso fällt Drehbuchautoren dazu immer nur Stutenbiss ein?

Tessa Ott (Carol Schuler, r.) und Isabelle Grandjean (Anna Pieri Zuercher).

Tessa Ott (Carol Schuler, r.) und Isabelle Grandjean (Anna Pieri Zuercher).

Foto: ARD/SRF

Er hatte es nie leicht, der „Tatort“ aus der Schweiz. Während die deutsche Krimireihe von Anfang an, seit 1971, auch einen Ableger in Wien hatte, klinkte sich das Schweizer Fernsehen erst 1990 ein. Zunächst in Bern, wo sich erst im dritten Anlauf ein Kommissars-Duo durchsetzen konnte. Ab 2002 hielt sich die Schweiz dann neun Jahre ganz aus dem „Tatort“ raus, bis Kommissar Flückiger von 2011 bis 2019 in Luzern übernahm, wobei er auch immer ein wenig unglücklich wirkte. Außerdem leistete in den 10er-Jahren ein eidgenössischer Kommissar noch im Konstanzer „Tatort“ immer mal wieder Nachbarschaftshilfe.

Nun aber, im Jubiläumsjahr - der „Tatort“ feiert Ende November sein 50-Jähriges – geht der Schweizer Partner in die Offensive. Mit einem ganz jungen und ganz weiblichen Duo, und das auch in der größten und hippsten Stadt des Landes: Zürich.

Zwei, die sich noch finden müssen

Ein rein weibliches Ermittlerduo, das gibt es nur in Dresden, seit Kurzem auch bei den Kolleginnen Odenthal und Lindholm, und ist in Zeiten, da alle von der Frauenquoten sprechen, längst überfällig. Schade nur, dass den Drehbuchautoren da, bis auf Dresden, immer nur Zickenkrieg einfällt. So ist das auch beim ersten Fall aus Zürich: Die Neue, Profilerin Tessa Ott (Carol Schuler), muss gleich am ersten Tag an einen Tatort. Und wird von der Kollegin Isabelle Grandjean (Anna Pieri Zuercher) schroff abgewiesen. Grandjean, aus der Französischen Schweiz kommend, hat sich ihre Lorbeeren am Internationalen Strafgerichtshof in Den Haag erwerben müssen. Obwohl selbst noch recht jung, hält sie die Neue für völlig unerfahren. Und glaubt, diese sei nur über Vitamin B an ihren Posten gekommen. Weil sie in Zürich alle wichtigen Menschen kennt.

„Tatort: Züri brännt“: der Trailer zur Folge

Die beiden müssen sich indes zusammenraufen. Denn noch am selben Abend, als Polizeichef Peter Herzog (Roland Koch) seinen Hut nehmen will, erhält er auf seiner Abschiedsfeier ein Paket, aus dem ein Totenkopf rollt. Dessen DNA passt zu zwei Frauen, die beide vor 40 Jahren verschwunden sind. Eine Hausbesetzerin und eine Polizistin.

Der Fall führt 40 Jahre zurück

Die neue Profilerin verblüfft alle mit ihrer Feststellung, dass es sich um dieselbe Person handelt: Offensichtlich hatte die Polizistin 1980 undercover in der Besetzerszene von Zürich ermittelt. Und ist dabei womöglich auf eine Erkenntnis gestoßen, für die sie hat sterben müssen. Aber wo kommt der Totenschädel nun her? Und warum wurde er ausgerechnet dem scheidenden Polizeichef geschickt?

Roland Koch hat zuvor schon in den Konstanzer „Tatorten“ als Kommissar Lüthi mitgewirkt – und scheidet jetzt gleich wieder aus. Als neue Ermittlerinnen stellen sich hier die Baseler Theaterschauspielerin Anna Pieri Zuercher vor, deren Nachname dabei wohl auch nicht von Nachteil war, und Carol Schuler, die einst am Schauspielhaus Zürich begann, dann aber mit Herbert Fritsch an der Berliner Volksbühne reüssierte und mit ihm an die Schaubühne wechselte.

Der neue „Tatort“ wirkt etwas alt

Ihr erster gemeinsamer Fall führt sie beiden so unterschiedlichen Frauen indes weit zurück in eine Vergangenheit, die sie beide nicht miterlebt haben: die Zeit der Jugendkrawalle am Opernhaus vor 40 Jahren, als Zürich brannte, wie es auch im Titel „Züri brännt“ heißt. Die Verdächtigen sind deshalb nun alle im Rentenalter.

Und nicht nur dass lässt diesen „Tatort“ etwas alt erscheinen. Die Folge wurde wie üblich in Schwyzerdütsch gedreht und dann nachsynchronisiert. Das lässt die Dialoge leider künstlich wirken. Das Eis zwischen beiden wirkt so noch kälter. Mal sehen, wie sich dieses Schweizer Duo einspielt.

„Tatort: Züri brännt“ ARD, Sonntag, 20.15 Uhr