TV-Tipp

ARD-Film „Anna und ihr Untermieter“ ist ein großer Spaß

„Anna und ihr Untermieter“ lebt nicht nur von einem klugen Drehbuch. Katerina Jacob und Ernst Stötzner machen die Komödie zu einem Hit.

Von Wolfgang Platzeck
Warum zahlen wir den Rundfunkbeitrag?

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Essen. Gegensätze ziehen sich nicht automatisch an, aber im Ernstfall ergänzen sie sich prächtig. Diesem bewährten Komödienkonzept folgt schon die populäre, in Bayern angesiedelte ARD-Reihe „Zimmer mit Stall“. Nun bekommen die Sympathieträger Aglaia Szyszkowitz und Friedrich von Thun Konkurrenz aus dem gleichen Haus. In „Anna und ihr Untermieter“ spielen Katerina Jacob und Ernst Stötzner die ungleichen Charaktere, die in Köln aufeinander treffen und gerade an ihrer Unterschiedlichkeit wachsen.

Arbeitslos, aber dafür mehr Zeit für den Garten

„Aller Anfang ist schwer“ (Freitag, 9. Oktober, 20.15 Uhr) beginnt mit einem Abschied: Ein Präsentkorb „für elf treue Jahre“, das war’s. Anna Welsendorf steht mit Anfang 60 plötzlich ohne Job da. Doch das ist für die temperamentvolle Frau kein Grund, zu verzweifeln.

„Dem Unvollkommenen zuzustimmen, erleichtert das Leben“, lautet ihre grundpositive Devise. Nun hat sie eben mehr Zeit für den Garten, für ihre Enkelin und nicht zuletzt für ihre ehrenamtliche Tätigkeit bei der Telefonseelsorge.

Vom Ordnungsamt ins Kinderzimmer

Um besser über die Runden zu kommen, inseriert Anna das ehemalige Kinderzimmer ihrer alleinerziehenden Tochter Karin (Katharina Schothauer) zur Untermiete. Auf die Anzeige meldet sich Werner Kurtz. Der ist ehemaliger Leiter des Ordnungsamtes Köln-Süd und alles andere als eine rheinische Frohnatur: ein auf Distanz bedachter Erbsenzähler, ein emotionsloser, pessimistisch veranlagter Technokrat von äußerst bestimmendem Wesen.

Der Unterschied zur empathischen, lebensbejahenden Anna, die ein offenes Wort ebenfalls nicht scheut und sich keineswegs die Butter vom Brot nehmen lässt, könnte nicht größer sein. Schon bei diesem ersten Zusammenprall zweier Welten, der in einem Arrangement auf Probe mündet, kommt der Zuschauer angesichts der köstlichen Wortgefechte (Autor: Martin Rauhaus) aus dem Schmunzeln nicht heraus.

Regisseur kommt den Darstellern in wichtigen Momentan ganz nah

Regisseur Ralf Huettner verstärkt zudem die Qualitäten des klugen Drehbuchs, indem er in wichtigen Momenten den Protagonisten ganz nahe kommt. Katerina Jacob spielt richtig stark auf. Anna, der die Telefonseelsorge-Gespräche mit einer verzweifelten, offenbar Suizid-gefährdeten Studentin nicht aus dem Kopf gehen, will der jungen Frau unbedingt helfen. Doch die Anrufe sind nicht von ungefähr anonymisiert. Wie soll sie die Studentin ausfindig machen?

Der einzige, der ihr dabei helfen könnte, ist der hyperkorrekte Untermieter mit seinen alten Beziehungen zum Amt. Nicht immer subtil, aber äußerst charmant von Anna bearbeitet, folgt Kurtz widerstrebend dem, was man in Westfalen gern den „linksrheinischen Weg“ nennt. Und siehe: Der gefühlt schlechte Einfluss, den sie auf ihn ausübt, beginnt ihm zu gefallen.

Wie Ernst Stötzner durch minimale Veränderungen des Gesichtsausdrucks, durch ein kleines Stirnrunzeln etwa oder ein kurzes Aufleuchten der Augen, den langsamen Wandel vom pedantischen Miesepeter in ein sozialbegabtes Wesen anzeigt, das ist einfach grandios. Keine Frage: Die ausgemachte Probezeit haben Hausherrin und Untermieter mit Bravour bestanden.

• Freitag, 9. Oktober, 20.15 Uhr, Das Erste: „Anna und ihr Untermieter: Aller Anfang ist schwer“