Interview

Warum Kinder für Florian Stetter eine große Inspiration sind

Florian Stetter spielt in „Kranke Geschäfte“ einen Stasi-Offizier im Zwiespalt. Mit uns hat er über den Tod und das Glück gesprochen.

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Essen. In dem Thrillerdrama „Kranke Geschäfte“ (ZDF, 28. September, 20:15 Uhr) spielt Florian Stetter einen Stasi-Oberleutnant, der angesichts der Krankheit seiner Tochter seine Prinzipien vergessen und seine wahren Emotionen entdecken muss. Doch privat ist der 43-Jährige ganz an der Gefühlswelt seiner beiden Kinder dran – nicht zuletzt weil die Befindlichkeit seiner Kindheit ihn nie ganz verlassen hat.

Eine der entscheidenden Fragen von „Kranke Geschäfte“ ist: Was ist man alles bereit, für das Wohl seines Kindes zu tun? War das auch das Thema, was Sie an der Geschichte gereizt hat?

Florian Stetter: Das war schon wichtig. Meiner Figur bricht durch die Krankheit seiner Tochter alles weg. Am Ende landet er bei sich und begreift, was für ihn wirklich wichtig ist, gesteht sich ein, dass in ihm eine Empfindsamkeit steckt, weil er seine Tochter liebt. Er beschreitet den Weg zu einer inneren Liebe.

Kann man diese Liebe nachvollziehen, wenn man keine Kinder hat, oder spürt man sie erst so richtig, wenn Kinder kommen?

Stetter: Das nimmt man erst 100 Prozent wahr, wenn man das Wunder der Geburt erlebt. Wie ich mit meinen Kindern verbunden bin, das ist das Tiefste, was es gibt. Da gibt es gar keine Ratio mehr.

Aber wie ist es, wenn Sie eine Figur wie in „Kranke Geschäfte“ spielen, bei der dieses Gefühl zuerst nicht so ausgeprägt ist?

Stetter: Es war total spannend, weil ich hier einen großen Entwicklungsbogen spannen konnte. Gemeinsam mit Regisseur Urs Egger habe ich dann analysiert, an welchen Punkten diese innere Haltung zu bröckeln beginnt. Es war herrlich, daran zu arbeiten.

Leider gab es in dieser Zusammenarbeit ein tragisches Schlusskapitel, da Urs Egger kurz nach Drehende verstarb. Wie gehen Sie mit einem Thema wie Tod um?

Stetter: Als ich groß geworden bin, wurde nicht groß über den Tod gesprochen. Aber ich finde es wichtig, sich damit zu beschäftigen. Das eröffnet die Chance, ein erfülltes Leben zu führen. Man muss jetzt leben, und sollte sich nicht zuhause verstecken, in der Angst, dass einem der Himmel auf den Kopf fällt. Dafür habe ich in den letzten Jahren ein neues Bewusstsein entwickelt. Es geht mir darum, meinen Tag sinnvoll und glückbringend zu gestalten und sich möglichst wenig zu grämen.

Was brauchen Sie für Ihr Glück?

Stetter: Nicht viel. Das habe ich auch in den letzten Monaten gemerkt. Es braucht liebenswerte Menschen um einen herum. Ich bin viel in der Natur unterwegs, ich war mit meinen Kindern in der Coronazeit oft auf dem Land, wo ich eine ganz besondere Ruhe und Schönheit gefunden habe. Ich kann auf Konsum verzichten und freue mich an kleineren, viel entscheidenderen Dingen: einer Wiese, einem See, Bäumen, auf denen ich mit meinem Sohn klettern kann.

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Aber Sie haben nicht immer so empfunden?

Stetter: Das war ein Prozess. Früher habe ich mehr gegrübelt und bin meinen Ängsten nachgehangen. Doch wenn ich jetzt zu viel in meinem Kopf bin, dann versuche ich aus dem Fenster zu schauen. Vielleicht sitzt da ein Vogel auf meinem Balkon, über den ich mich freuen kann. Da hilft mir auch Meditation. Das mache ich seit drei Jahren regelmäßig und ich merke, wie ich dadurch in eine Erdung komme und mich auch selbst anders wahrnehme und in mir ruhen kann. Die größte Ruhe ist in mir selbst.

Sie sprachen von Ihren Kindern. Welche Wirkung haben die auf Sie?

Stetter: Kinder inspirieren mich total. Sie leben ja völlig im Moment. Sie grämen sich nicht über das, was früher war, und halten sich nicht damit auf, was künftig sein wird, sondern heben den Schatz der Gegenwart. Wenn ich mal wegen irgendwas ausflippe, dann erinnern sie mich, dass es nicht so schlimm ist. Wir können zusammen kochen und gehen raus. Und dann merke ich, wie viel Bock ich habe mit meinem Sohn auf irgendwelche Bäume zu klettern oder über Wiesen zu tollen oder mit dem Fahrrad rumzupesen.

Wie waren Sie selbst als Kind?

Stetter: Ich habe mir schon immer meine Freiheit gesucht. Schon früh bin ich mit meinen Freunden über die Felder gejagt, wir haben uns Unterschlüpfe gebaut. Ich wollte in die Natur und einfach machen, ganz angstfrei. Und meine Eltern haben das unterstützt. Wenn irgendwas für mich begrenzt wird, kriege ich schnell Atemnot.