Fernsehen

Ex-Rennfahrer Nico Rosberg weint bei „Die Höhle der Löwen“

Die neue Ausgabe von „Die Höhle der Löwen“ war sehr emotional. Formel-1-Weltmeister Nico Rosberg brach nach einem Pitch in Tränen aus.

Die Höhle der Löwen: Neue Jury 2020

Die siebte Staffel "Die Höhle der Löwen" auf VOX ist gestartet. Immer Montags um 20:15 Uhr suchen Investoren nach den besten und kreativsten Ideen von Start-Up-Unternehmen. Dieses Jahr ersetzt Nico Rosberg ein langjähriges Jury-Mitglied.

Beschreibung anzeigen

Berlin. Die Marke Tempo hat es in Deutschland geschafft, zum Synonym für das Papiertaschentuch an sich zu werden. Das ist das wohl anschaulichste Beispiel, um zu verdeutlichen, wie wichtig ein guter Produktname gerade im Marketingbereich ist.

In der 4. Folge von Staffel 8 von „Die Höhle der Löwen“ auf VOX ging es dementsprechend viel um kreative Benennungen, zu komplizierte Markenlogos und die genau richtige Bezeichnung für die genau richtige Idee. Doch im Endeffekt hilft ein knackiger Name eben wenig, wenn das Gesamtpaket nicht stimmt.

Das musste auch das smarte Jungunternehmer-Duo Ludwig Petersen (21) und Paul Bäumler (22) aus München erkennen – obwohl sie Nico Rosberg mit ihrer App Letsact sogar zu Tränen rührten und einen deutlichen inneren Kampf in ihm auslösten.

„Die Höhle der Löwen“: Nicht ganz wie Tinder – mit Letsact die Welt im Kleinen retten

Dabei kann der Name ihrer Vermittler-App mit Letsact („Let’s act“ ist englisch und bedeutet soviel wie „Lass uns handeln“; Anm. d. Red.) kaum treffender sein. Ihr Produkt bündelt unterschiedlichste soziale Organisationen und bietet Menschen, die sich engagieren wollen, einen Überblick über die breiten Möglichkeiten des Ehrenamts.

Immerhin will sich laut den Gründern jeder dritte Deutsche gemeinnützig für die Gesellschaft einbringen. „Das ist gar nicht so einfach“, wie Dagmar Wöhrl, die schon jahrzehntelang in diesem Bereich aktiv ist, wusste.

Mit Letsact kann der Nutzer jedenfalls unkompliziert soziale Projekte finden und sich mit ihnen in Verbindung setzen. Die Plattform vermittelt zwischen Volunteers und Non-Profit-Organisationen und soll es so einfacher machen, im Kleinen und Großen Gutes zu tun. „Man hat uns mit Tinder verglichen“, sagte Bäumler verschmitzt, „obwohl wir keine Bekanntschaften anbahnen – zumindest nicht vordergründig.“

Lesen Sie auch: „Die Höhle der Löwen“ 2020 – Das ist die neue Jury

Doch genau hier will die Löwen-Jury nicht mitgehen. Denn passen Ehrenamt und Unternehmertum überhaupt zusammen? Die geforderten 300.0000 Investmentkapital für nur zehn Prozent Anteile waren allen Löwen deutlich zu hoch.

Nico Rosberg: Jurymitglied kämpft mit den Tränen

Hinzu kam die moralische Komponente. Denn obwohl Petersen und Bäumler durchweg gut ankamen, war ihr Weg, Geld darüber zu verdienen, für die Vereine und Organisationen mithilfe der App Marketing zu betreiben und für sie die Ehrenamtlichen zu koordinieren, den Löwen einfach nicht geheuer. „Eine Doppelmoral“, wie Georg Kofler fand. „Das muss ohne Profit und von Herzen kommen“, pflichtete ihm Dagmar Wöhrl bei.

Bis zum Schluss kämpfte derweil Nico Rosberg mit sich, nicht doch noch zu investieren – fand er die Idee der beiden Jungunternehmer doch eigentlich spitze: „Das ist sehr relevant für mich.“ Gleichwohl wäre auch er am Ende nur dabei gewesen, würde sich Letsact auf Nonprofit ausrichten – was die Gründer Petersen und Bäumler mit Verweis auf die Qualität ihres Produktes aber ablehnten.

„Ich glaube, Nico Rosberg hätte schon gerne investiert und ärgert sich jetzt“, resümierte Petersen nach dem Scheitern ihres Angebots selbstbewusst. Und damit könnte er Recht behalten. Nachdem es mit dem Deal nichts wurde, musste der Ex-Rennfahrer mit den aufgewühlten Gefühlen jedenfalls erst einmal die Show unterbrechen und den Raum verlassen. „Das hat ihn wohl ganz schön mitgenommen“, staunte Ralf Dümmel.

Sport: Breakletics bringt Rosberg und Kofler zum Schwitzen

Eine weitere App machte Rosberg an diesem Abend zu schaffen, allerdings auf gänzlich andere Art und Weise. Gemeinsam mit Georg Kofler hieß es für ihn: ran an den Speck und mit der App Hit The Beat von Breakletics aus Berlin Breakdance-Fitnessübungen machen.

Zuvor hatten die Gründer und passionierten Breakdancer Peter Sowinksi und Samim Quraischi (gemeinsam in einem Team Deutscher Meister 2011) mit sportlich-akrobatischen Auftritten überzeugen können und die Jury zum Staunen gebracht. Sogar der knallharte Carsten Maschmeyer wurde bei cooler Musik dadurch zum Mitwippen verleitet.

Mehr zum Thema „Höhle der Löwen“:

Unternehmerisch konnten die beiden Sportler jedoch wenig glänzen. Zwar stößt ihre vom Breakdance inspirierte Trainingseinheiten-App und ihre selbst zertifizierten Trainer-Lizenzen laut den Löwen auf einen potenziell großen Markt an Sportbegeisterten (wie scheinbar Nico Rosbergs Frau).

Dieser Markt ist aber mindestens ebenso stark umkämpft. 350.000 Euro für zehn Prozent des Unternehmens waren den Löwen daher einfach viel zu viel. „Hier muss man schon etwas ganz Neues liefern“, kommentierte Georg Kofler die Lage lange vor dem No-Deal. „Niederlagen machen einen stärker“, trösteten sich derweil die Fitness-Gründer.

Fernsehen: Bei Klangquadrat ist die Verzweiflung größer als der Stolz

Ein einziges Team war an diesem Abend mit seiner auf den ersten Blick sehr speziellen App erfolgreich – musste dafür aber ganz schön die Zähne zusammenbeißen und über seinen Schatten springen.

Die Gründer und nach eigener Aussage Rock’n’Roller Adrian Rennertz und Sebastian Oberlin kamen mit Klangquadrat in die Show. Hinter dem kryptischen Namen verbergen sich kleine Holzquadrate, die über das Smartphone Sounds abspielen, wie z.B. Klassische Musik oder Tiergeräusche. Dieses Gedächtnisspiel für die Ohren soll musikalische sowie Allgemeinbildung mit Spaß verbinden.

„Ich finde die Idee des akustischen Lernens genial“, kommentierte die studierte Musikerin Judith Williams das Produkt. Investieren wollte sie aber nicht, dazu war ihr und den anderen Löwen der Business-Plan der musikalischen Gründer nicht durchdacht und verinnerlicht genug. „Ihr seid keine richtigen Unternehmer“, erkannte Carsten Maschmeyer schnell. „Ihr müsst doch eure Zahlen kennen“, staunte auch Dagmar Wöhrl nicht schlecht.

Nils Glagau verlangt 33,3 Prozent der Anteile

Am Ende biss der von den wohlriechenden Holzquadraten begeisterte Nils Glagau zwar für die geforderten 150.000 Euro an, verlangte hierfür aber satte 33.3 Prozent statt der gebotenen zehn Prozent Anteil. Als ebenbürtiger Partner wollte er bei Klangquadrat voll einsteigen. „Da hast du auch ganz schön viel Arbeit vor dir“, warnte ihn indes Judith Williams.

Ein Gegenangebot der Gründer von 25 Prozent lehnte Glagau aus diesem Grund entscheiden ab, sodass Oberlin und Rennertz den harten Bedingungen schließlich doch zustimmten. „Ich habe mein eigenes Interesse hinter die Chance für das Spiel gestellt“, versicherte sich Oberlin nach dem Deal selbst.

Oder die Verzweiflung vor den Stolz. So zumindest ließ sich Rennertz angefressener Blick deuten. Verständlich, immerhin gehört nun ein Drittel seiner Marke Nils Glagau. „In Zukunft muss das Produkt Klang hoch drei heißen“, scherzten die Mit-Löwen daher währenddessen wenig taktvoll gegenüber dem erfolgreichen Investor. Womit wir wieder bei passenden Namen wären.

Kaugummi: Forest Gum bleibt sich trotz Löwen-Kämpfen lieber selbst treu

Kau, Forest, kau. Kaum ein Produkt begeisterte in dieser Episode so wie der Forest Gum – vom Namen und vom Gehalt her. Gründer Thomas Krämer aus Köln entwickelte mit ihm einen biologisch abbaubaren Kaugummi aus rein pflanzlichen Zutaten – komplett plastikfrei, zuckerfrei, frei von künstlichen Aromen und zudem nachhaltig im zentralamerikanischen Regenwald mit Vertragsbauern produziert.

„Wenn man auf herkömmlichen Kaugummi kaut, kaut man im Grunde auf Plastik“, erklärte Krämer den Löwen. Mit weniger Plastik und mehr Natur wolle er diese Riesenumweltsünde aus der Welt schaffen – immerhin geben Kommunen rund 900 Millionen Euro im Jahr aus, um Gehwege von der klebrigen Süßigkeit zu reinigen.

Auch interessant: Cathy Hummels drehte für TV-Sendung in Thailand

Das hinterließ Eindruck bei der Jury – nicht zuletzt wegen des angenehmen Minzgeschmacks. Carsten Maschmeyer war zwar schnell raus, weil Krämer weder seinen Produktionspartner noch dessen Herkunftsland preisgeben wollte: „Ist da was Verbotenes bei?“

Carsten Maschmeyer: „Der überschätzt sich“

Die anderen hielt das Geheimnis des Hintermannes aber nicht ab, in einen regelrechten Bietwettbewerb zu treten. 300.000 Euro verlangte Krämer für nur zehn Prozent Firmenanteile. Georg Kofler, Ralf Dümmel und Nils Glagau wollten ihm die gerne geben – allerdings für 23 Prozent Beteiligung. Dagmar Wöhrl dumpte runter auf 20 Prozent, doch auch das war dem Gründer mit dem mysteriösen Partner zu viel Fremdbestimmung. Darauf senkte Wöhrl mit sichtlichen Bauchschmerzen sogar auf 15 Prozent.

Krämer wollte sich laut eigener Aussage aber lieber treu bleiben und lehnte auch dieses großzügige Angebot sturköpfig ab. Zu groß war das – sicher nicht gänzlich unbegründete – Vertrauen in die eigene Marke: „Ich habe hier sehr viel Herzblut reingesteckt.“ „Der überschätzt sich“, meinte hingegen der nach wie vor skeptische Carsten Maschmeyer leicht abfällig.

FH2OCUS (FlowKiss) wird nach Doppel-Duell zum großen Gewinner des Abends

Zu einem weiteren, erbitterten Kampf in der Löwenhöhle kam es beim koffeinhaltigen Wasser FH2OCUS – dem wohl größten Gewinner des Abends. „FH2OCUS ist erfrischend wie ein Energy-Drink, macht wach wie ein großer Kaffee und ist natürlich wie Wasser“, beschrieben die miteinander verlobten Gründer Sonja Wüpping und Jan Oostendorp ihr Produkt und erinnerten dabei möglicherweise unfreiwillig an die berühmte Deutschländer-Werbung.

Auf dem Markt hätten sie zudem quasi keine Konkurrenten und FH2OCUS sei mit 20 Milliliter Koffein auf 100 Milliliter Getränk sowie dem guten Zitronengeschmack einzigartig. „Lasst uns den Monstern und roten Bullen der Branche den Kampf ansagen und ihnen die Flügel stutzen“, so Wüpping unzweideutig selbstbewusst. „Der Markt der Energy-Drinks ist ein Haifischbecken voller weißer Haie“, warnte Kofler darauf.

Doch tatsächlich fanden alle Löwen außer ihm die Marke interessant – nicht nur für die üblichen Verdächtigen. „Ich glaube, der Markt ist viel, viel größer“, sah Ralf Dümmel in seine Glaskugel, „ich würde voll auf die versprochenen Null Kalorien, Null künstliche Geschmacksstoffe und Null Zucker setzen.“ Über die freuen sich sicher auch jeder Sportler und insbesondere jedes Model.

„Höhle der Löwen“: Maschmeyer und Dümmel locken mit einer Millionen Euro

Darauf kam es zu einem dramatischen Doppelduell zwischen den Teams Maschmeyer-Dümmel und Glagau-Wöhrl. Beide Gruppierungen boten die 90.000 Euro für 25 Prozent ohne zu murren. Ausschlaggebend war dann aber wohl das zusätzliche Werbebudget von einer Millionen Euro obendrauf, mit dem Dümmel und Maschmeyer lockten. Das überzeugte das verlobte Unternehmer-Pärchen wenig überraschend.

Lesen Sie auch: „FameMaker“ – So lief die Premiere der neuen Stefan-Raab-Show

„Wir wollen uns auch mit Ihnen verloben“, flötete Maschmeyer anschließend glücklich. Einzig der komplizierte Name und das noch komplizierte Logo konnten von Anfang an nicht so richtig überzeugen. „Seid ihr bereit, deswegen mit euch reden zu lassen?“, fragte Carsten Maschmeyer schon sehr früh sehr vorsichtig.

Das waren sie. Die schon bald verheirateten Gründer haben sich den Namenstipp der Löwen nämlich direkt zu Herzen genommen. Nach der Sendung haben sie FH2OCUS in FlowKiss umbenannt. Es bleibt jedoch abzuwarten, ob sich diese Bezeichnung analog zu Tempo noch im allgemeinen Sprachgebrauch für koffeinhaltiges Wasser durchsetzen wird. Wir bleiben gespannt.