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„Dunja Hayali“: Jens Spahn findet Pflege-Debatte zu negativ

Eine Pflegerin kritisierte den Gesundheitsminister bei „Dunja Hayali“ scharf. Der reagierte mit Ausreden und einer eigenen Beschwerde.

Dunja Hayali: Fünf Dinge, die man über die Moderatorin wissen muss

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Berlin. Mehr Zeit, mehr Geld. Auf diese einfache Formel lässt sich die Lösung des „Pflegedesasters“, wie Dunja Hayali die Arbeitsbedingungen in Pflege- und Altenheimen am Donnerstagabend in ihrem Talk bezeichnete, bringen. Doch ist es so einfach?

Die Sommerpause hat begonnen. Nun macht Dunja Hayali die Urlaubsvertretung für Maybrit Illner – und besuchte in der ersten Folge ihrer Sommerstaffel dafür ein Pflegeheim, das noch immer mit den Folgen der Corona-Pandemie zu kämpfen hat. Sie erlebte eine Menge menschlicher Schicksale.

Im Anschluss diskutierte Hayali mit ihren Gästen über ihre Begegnungen mit Pflegerinnen und Familienangehörigen. Bundesgesundheitsminister Jens Spahn (CDU) war diese Diskussion allerdings viel zu vereinfacht und vor allem: viel zu negativ.

Dunja Hayali – Mit ihr diskutierten:

  • Jens Spahn (CDU), Bundesgesundheitsminister
  • Branka Ivanisevic, Pflegefachkraft
  • Helmut Wallrafen, Geschäftsführer der Sozial-Holding der Stadt Mönchengladbach
  • Andrea Kaiser, Moderatorin
  • Joe Kaeser, Vorstandsvorsitzender von Siemens

Dunja Hayali: Pflegerin übt scharfe Kritik am Gesundheitsminister

Es reichte Jens Spahn irgendwann. Was seine Sitznachbarin Branka Ivanisevic da alles an Kritik äußerte, war ihm einfach zu einseitig. „In dieser Jahrhundert-Pandemie waren Ausnahmen angesagt“, sagte Spahn zwischendurch noch ganz behutsam, nachdem die Pflegerin von den gegenwärtigen Nöten ihres Jobs berichtete.

„Die Missstände haben wir aber nicht erst seit Corona“, fuhr Ivanisevic fort. Jetzt sei das offensichtlich und besonders dramatisch geworden – doch in diesem Zustand verharre die Altenpflege schon seit Jahren und Jahrzehnten. Es gebe zu wenig Zeit, um sich intensiv und innig um die Bewohner und die Bewohnerinnen zu kümmern. Spahn zwar nicht zustimmend, blickte aber immerhin noch mit Verständnis hinüber.

Doch als Ivanisevic erklärte, ihrer Tochter den Pflegejob niemals als Arbeit empfehlen zu wollen, war es vorbei mit Spahns Ruhe. „Wie soll sich denn durch solche Aussagen der Ruf dieser Arbeit verbessern“, echauffierte sich der Gesundheitsminister. Noch Minuten später verstand er offenbar nicht, warum in der Debatte nur die negativen Aspekte angesprochen würden.

Dunja Hayali: Spahn mit Ausrede zum Corona-Pflegebonus

Dabei hatte Spahn selbst nur wenige Momente später einen Teil der Antwort gegeben: Dass die Bezahlung noch immer zu mies sei, wollte er gar nicht abstreiten. Und dass mehr Personal wünschenswert sei ebenso wenig. Problem gelöst? Nicht ganz.

Denn da ist ja ganz aktuell noch die Debatte um den Bonus für Pflegekräfte wegen der Corona-Pandemie. Nicht alle, die in den vergangenen Monaten Systemrelevantes geleistet haben, werden mit dem Bonus bedacht. Dunja Hayali hakte deshalb beim Gesundheitsminister nach.

„Am Ende muss es auch finanziert werden“, antworte Spahn in einem Nebensatz, während er versuchte, die komplizierten Beschäftigungsverhältnisse im deutschen Gesundheitssystem als Vorwand vorzuschieben. Angesichts des 130 Milliarden Euro-Investitionsprogramm der Bundesregierung ist dieser Satz natürlich ein Witz – es geht bei dieser Prämie um insgesamt höchstens drei Milliarden Euro.

Dunja Hayali: Andrea Kaiser fordert Wertschätzung für Pflegekräfte

„Menschen, denen wir unser Leben anvertrauen, verdienen einfach mehr – sowohl Wertschätzung als auch Gehalt“, fasste es die Moderatorin Andrea Kaiser, deren Vater im Pflegeheim lebt, am Ende mit Unverständnis über Spahns Worte zusammen.

Da war der Talk bis dahin eine lebendige Diskussion, auch weil Spahn ja an anderen Stellen, durchaus zu Recht, auf manchen Fortschritt hinwies, ohne die Probleme auszuklammern. Und es wurde ja ernsthaft von den Gästen um die besseren Lösungen gerungen. Es hätte so weitergehen können.

Stattdessen widmete sich Dunja Hayali dann einem anderen Gast, bei dem schon bei der Ankündigung nicht ganz klar wurde, warum er eigentlich in der Sendung war.

Dunja Hayali – Verwirrung über Auftritt von Siemens-Chef

Siemens-Chef Joe Kaeser ist ein mächtiger Mann. Noch ist er Chef von rund 380.000 Mitarbeitern und Mitarbeiterinnen. Im nächsten Jahr gibt er seinen Posten auf, nachdem er 40 Jahre im Unternehmen war. Bei Dunja Hayali bekam Kaeser die Gelegenheit, die Betrachtung seines Lebenswerks in die gewünschte Bahn zu bringen. Interessant war das allerdings nicht.

Höchstens, als Kaeser ein wenig über eigene Erfahrungen mit Bestechungsangeboten berichtete. Der Fall Wirecard hat gezeigt, dass illegale Praktiken in den großen deutschen Unternehmen präsent sind. „Auch in unserem Unternehmen gibt es noch solche Leute, aber wir geben alles, dass wir diese schwarzen Schafe ausfindig machen“, sagte Kaeser.

So war es das etwas abstruse Ende einer ersten Sendung, die über weite Strecken ziemlich gut funktionierte. Für die kommenden Folgen in den nächsten fünf Wochen macht das Hoffnung. Vor allem angesichts der teils ermüdenden Talks von Illner, Maischberger und Co. in den vergangenen Wochen ist Hayali eine willkommene Abwechslung – und kein bloßer Lückenfüller in der Sommerpause.

Dunja Hayali – Mehr zum Thema

Dunja Hayali ist eine der bekanntesten Politik-Journalistinnen Deutschlands. Das ist nicht immer einfach für die ZDF-Moderatorin. Dunja Hayali: Im Internet ist es für Frauen besonders derbe. Für ihre Arbeit hat Hayali bereits mehrere Auszeichnungen bekommen. So bewegt bedankte sie sich für das Bundesverdienstkreuz. In der Vergangenheit wurde Hayali allerdings auch für ihre Nebentätigkeiten kritisiert. Dafür präsentierte sie eine Lösung: Nach heftiger Kritik – Hayali will Nebenjobs strenger prüfen.