ZDF-Talk

Warum man nach „Markus Lanz“ zum Vegetarier werden könnte

Eine Journalistin sprach bei „Markus Lanz“ über die Gewalt, die beim Schlachten Tieren angetan wird – für den Genuss der Menschen.

Markus Lanz: Der ZDF-Moderator im Porträt

Seine Talkshow ist ein Dauerbrenner im ZDF: Wir zeigen im Video die beruflichen Stationen von Markus Lanz, seine Leidenschaft und seine kaum bekannte Ehefrau Angela Gessmann.

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Berlin. „Jedes Mal, wenn wir in ein Stück Fleisch beißen, musste ein Tier dafür sterben“, stellte Elisabeth Raether bei „Markus Lanz“ fast nüchtern fest. „Das sollten wir uns bewusst machen“.

Zwar esse auch sie weiter noch Fleisch, gab die Journalistin und Koch-Kolumnistin der „Zeit“ zu. Aber seit sie für einen Artikel Menschen befragt habe, die Tiere von Berufswegen töten, habe sich ihre Einstellung zu Fleisch verändert: „Der Akt des Tötens ist immer gewalttätig: Das Tier will ja nicht sterben. Und es ist schwer, diese Gewalt mit Genuss zusammenbringen.“

Tatsächlich reichte das, was sie bei „Lanz“ ganz unideologisch über Schlachtungen berichtete, schon aus, um aus eingefleischten Allesessern Vegetarier zu machen: Die Tiere werden in einen geschlossenen Raum gebracht, für 20 bis 30 Sekunden mit CO2 betäubt und dann „mit einem monströsen Schnitt, bei dem das Blut in Fontänen spritzt, aufgeschnitten.“

In Deutschland werden zwei Millionen Tiere pro Tag geschlachtet

Es sind die nackten Zahlen, die schon erschrecken: 60 Kilo Fleisch pro Jahr pro Kopf essen die Deutschen. Zwei Millionen Tiere werden in Deutschland pro Tag geschlachtet, nicht mitgezählt sind Fische und Wildtiere.

Für Elisabeth Raether ist neben der aufgewendeten Gewalt die schiere Menge ein weiterer Grund, warum „niemand mehr diesen Beruf machen will“: Noch nicht einmal mehr die Tierärzte, die die Schlachtungen beaufsichtigen und im Sinne des Tierwohls verbessern sollen.

Dem konnte, wollte im Studio niemand widersprechen. Ein gemeinsames Gespräch kam dennoch nicht auf. Zu wild war der Mix an Gästen, die zum Mittwochs-Talk bei „Markus Lanz“ eingeladen waren. So geriet die Sendung eher zu einer ruhig dahinfließenden Rederei mit ausreichend Zeit, die einzelnen Themenbereiche Block für Block zu erörtern.

Empfehlen wollte der Moderator ausdrücklich alle drei Veröffentlichungen, derentwegen er seine drei Gäste eingeladen hatte. Und tatsächlich schien es so, als hätte er – und nicht seine Redaktion – vorher alles gesehen und gelesen und für interessant befunden. Markus Lanz gab sich bei jedem Thema freundlich-enthusiastisch.

Walter Kohl erklärt seine Zukunftsvision Deutschland 2030

In Bezug auf das neue Buch von Walter Kohl zum Beispiel, in dem dieser sein Wirtschaftsmodell einer ökologisch-sozialen Marktwirtschaft vorstellt. Seit einem Jahr erst CDU-Mitglied, ließ sich der gelernte Volkswirt und Sohn des früheren Bundeskanzlers Helmut Kohl allerdings nicht auf das Glatteis führen, welchen Kandidaten er lieber als nächsten Partei-Vorsitzenden sehen würde.

Stattdessen erläuterte er mit pfälzer Gelassenheit seine Zukunftsvision für Deutschland 2030: Ein privatwirtschaftlich gemanagter Deutschland-Investmentfond mit staatlich garantiertem Zinssatz von 3,5 Prozent zur Förderung technischer Innovationen und Infrastruktur. „Damit wir in zehn Jahren besser sind als die Südkoreaner und Amerikaner.“

Und damit die deutschen Sparer, die Billionen auf ihr Sparkonten horteten, eine Anlagealternative bekommen, mit der sie das Land voranbringen können, statt jährlich ein bis zwei Prozent an die Inflation zu verlieren.

Warum Markus Lanz Walter Kohls Idee skeptisch sah

Markus Lanz blieb skeptisch, offenbar hatte er das Buch doch nicht ganz zu Ende gelesen: Woher sollte das Personal kommen, das den Investmentfond managet? In welche Unternehmen soll investiert werden? Wer haftet für Fehlinvestitionen?, wollte er wissen. Und winkte, „gedanklich auf dem Sofa“ sitzend, wohl wie seine Zuschauer, endgültig ab, als die Rede auf Start-ups kam: „Da werden 100 unterstützt und nur einer kommt durch. Danke, da steige ich aus.“

„Wir sollten weg von der reaktiven Mentalität zu einer gestalterischen Mentalität“, blieb Walter Kohl unbeirrt bei seinem Vorschlag, und plädierte für „mehr Mut zu neuen Wegen.“

  • Dokumentarfilm:

Gero von Boehm berichtet von Film über Helmut Newton

Da fühlte sich Markus Lanz Gero von Boehm sichtlich mehr zugetan – ein bisschen neidisch könnte er sogar sein, gab er zu, auf dessen „reiches und gutes Leben“: Der Dokumentarfilmer hatte nicht nur unzählige Prominente eingehend befragt, und dabei Wladimir Putin zum Lachen und die jordanische Königin Rania zum Weinen gebracht.

Er war auch mit dem Fotografen Helmut Newton privat befreundet, über den er nun eine Hommage gedreht hat. Dass Helmut Newton auch Politiker-Porträts geschossen hat – zum Beispiel eines von Helmut Kohl vor deutscher Eiche – mochte weniger bekannt sein. Berühmt wurde er vor allem für Akt-Bilder von Prominenten und auch von sich selbst.

Für seinen neuen Film „The Bad and the Beautiful“ hat Gero von Boehm nun ausschließlich jene Frauen befragt, die sich von Helmut Newton seit den 70er Jahren haben nackt fotografieren lassen – von Charlotte Rampling über Claudia Schiffer bis Grace Jones. Und wie die Bilder entstanden: Meistens spontan, niemals anzüglich und immer eine Geschichte erzählend. „Eine Geschichte, die man heute allerdings nicht mehr so erzählen könnte“, bestätigte er bei den meisten Bildern: Zu provakant und gar nicht politisch korrekt.

Aber ein Chauvinist? Nein, das sei Helmut Newton nie gewesen, im Gegenteil: „Die Frauen haben sich darum gerissen, von ihm nackt fotografiert zu werden, weil sie wussten: Dieser Mann lässt mich stark aussehen.“ Lesen Sie hier ein Interview mit Gero von Boehm zu seinem Helmut-Newton-Film.

Einmal habe Newton für die „Vogue“ sogar ein Huhn fotografiert, erinnerte Gero von Boehm und schlug damit gekonnt einen Bogen zum Anfang der Sendung: Und zwar, wie die gepflegten und mit Millionen teuren Bulgari-Klunker beringten Hände einer Frau ein Brathuhn ausnehmen.

Das skandalöse Foto wurde weltberühmt und inspirierte eine Generation von Werbefotografen zur kritischen Promotion-Serien. „Newton war ein ‚naughty boy‘ („ungezogener Junge“), der sich so etwas einfach herausnahm, weil er Spaß an der Provokation hatte.“