Fernsehen

„Stralsund“-Krimi: Mörderische Selbstjustiz in der Idylle

Im „Stralsund“-Krimi „Kein Weg zurück“ macht eine Nachbarschaftsstreife Hatz auf Ausländer. Deshalb ist die Geschichte so spannend.

Karl Hidde (Alexander Held, M.) und Karim Uthman (Karim Günes, r.) durchsuchen im „Stralsund“-Krimi den Unterschlupf der Entführer.

Karl Hidde (Alexander Held, M.) und Karim Uthman (Karim Günes, r.) durchsuchen im „Stralsund“-Krimi den Unterschlupf der Entführer.

Foto: Gordon Timpen / ZDF und Gordon Timpen

Essen.  Rechtsradikalismus und Ausländerfeindlichkeit sorgen in Deutschland seit Jahren für Unruhe und Leid. Und so bekommen es auch in Fernsehkrimis, die den Anspruch haben, unsere Wirklichkeit zu spiegeln, die Ermittler mehr und mehr mit entsprechenden Verbrechen zu tun. Haben die ermittelnden Polizisten eine dunkle Hautfarbe, werden sie dabei zuweilen noch persönlich beleidigt.

So erging es Ende April in der ARD-„Tatort“-Episode „National feminin“ der Göttinger TV-Kommissarin Anais Schmitz, gespielt von der in Uganda geborenen Florence Kasumba (43). Im „Stralsund“-Film „Kein Weg zurück“ am Samstagabend um 20.15 Uhr im Zweiten ist es der Kollege mit kurdischen Wurzeln, Karim Uthman (Karim Günes, 34), der bei rassistischen Pöbeleien Haltung bewahrt.

„Stralsund“-Krimi: Eine Supermarktkassiererin wird ermordet

Die vom erfahrenen Schweizer Krimi-Regisseur Florian Froschmayer („Tatort“) nach dem Buch von Martin Eigler und Sven Poser eindrucksvoll diesig und spannend inszenierte Geschichte aus dem ansonsten so idyllischen Nordosten Mecklenburg-Vorpommerns ist eine Wiederholung. Bereits im November 2017 machten sich Kriminalkommissarin Nina Petersen (Katharina Wackernagel, „Aenne Burda“) und ihr bis auf Uthman und Karl Hidde (Alexander Held) abgespecktes Team auf die Suche nach dem Mörder einer Supermarktkassiererin.

Der Täter war nach Geschäftsschluss in den Sozialraum eingedrungen und anschließend mit den Tageseinnahmen von einigen Tausend Euro verschwunden. Während die Polizei bei den Befragungen der verstörten Zeugin Monika Lüders (Sylta Fee Wegmann) langsam aufdeckt, dass diese bei dem Überfall vergewaltigt wurde, melden sich Männer einer selbst ernannten Nachbarschaftsstreife zu Wort. Sie wollen wissen, dass der Täter ein Ausländer war.

Eine selbst ernannte Nachbarschaftsstreife und Selbstjustiz

Bald darauf baumelt der Flüchtling Yussuf Obbadi (Yasin el Harrouk) entführt, gefoltert und getötet von der Decke eines Schuppens im Hafen von Stralsund. Versehen mit dem Plakat „Wenn ihr uns nicht schützt, dann schützen wir uns selbst“.

So waren die letzten „Stralsund“-Krimis:

Petersen, Interimsleiterin der Mordkommission, wird in dem Fall übrigens nicht allein von den entsetzlichen Verbrechen gestresst. Zu allem Übel taucht in der undurchsichtigen Caroline Seibert (Therese Hämer) auch noch eine Abgesandte des Polizeipräsidiums Rostock in Stralsund auf. Sie bietet Petersen den Chefposten auf Dauer an. Doch ist Caroline Seibert wirklich zu trauen?

„Kein Weg zurück“: Samstag, 20. Juni 2020, um 20.15 Uhr, ZDF