ARD-Komödie

„Eltern mit Hindernissen“: Eine späte Geburt sorgt für Zoff

In der ARD-Komödie sorgt eine späte Geburt für reichlich Klamottenzoff – erst bei den Eltern, dann auch mit dem Amt.

Glückliche Eltern sehen anders aus: Katja (Nicolette Krebitz) und Philip (Hary Prinz) müssen um ihren Nachwuchs kämpfen.

Glückliche Eltern sehen anders aus: Katja (Nicolette Krebitz) und Philip (Hary Prinz) müssen um ihren Nachwuchs kämpfen.

Foto: ARD/MDR / MDR/Ariane Krampe-Filmproduktion

„Sie sind ideal, ich wüsste keine Bessere“, schwärmt die Schulleiterin von ihrer potenziellen Nachfolgerin, die in der Turnhalle ihre Schüler antreibt. Dann aber doch ein skeptischer Blick: Ob das auch nicht zu viel für sie ist...? Kein Problem, verneint die Lehrerin Katja Wiedemann (Nicolette Krebitz). Erst jetzt sieht man, dass sie hochschwanger ist. Aber: Ist doch schon das dritte Mal...

Die Fernsehkomödie „Eltern mit Hindernissen“, die heute in der ARD ausgestrahlt wird, beginnt wie so viele Fernsehkomödien: mit ziemlich veralteten und eigentlich ärgerlichen Rollenbildern und -klischees, die man doch in diesem Jahrtausend für längst überwunden glauben sollte. Eigentlich soll diesmal zwar alles andersrum laufen: Die Frau macht den Job, während der Mann – Lehrer wie sie und auch noch an derselben Schule – Elternzeit nimmt.

Rollenbilder und -klischees mit Lust auf die Spitze getrieben

Aber dann kommt es zu einer Sturzgeburt, die Mutter soll sich schonen. Und der Direktoriumsposten wird ausgerechnet ihrem Mann Philipp Esch (Hary Prinz) angetragen. Zwar erst mal nur ersatzweise. Aber eben mit Betonung auf „erst mal“. Fortan leidet Katja nicht nur unter Babygeplärr, nicht nur unter postnatalem Stress. Sondern auch noch daran, dass sie wieder auf Haus und Herd reduziert werden soll. Während die Karriere ein anderer macht. Ein Mann natürlich. Und dann auch noch der eigene.

Kennt man schon, hat man schon gesehen. War so ähnlich etwa der Ausgangspunkt in Detlev Bucks Komödie „Wuff“, die auch nicht wirklich gelungen ist. Und ist es nicht reichlich ärgerlich, wenn die Mama nach einer Woche Krankenhaus heimkehrt und das große Haus sich in der kurzen Zeit zu einem einzigem Chaos voller Schmutzwäsche, Spülberge und Müllsäcke entwickelt hat? Sind Männer und Teenager heute wirklich noch so unselbstständig, dass die Frau im Haus allen hinterherkochen, -putzen und -waschen muss?

Doch gerade, wenn man als Zuschauer darüber seufzen will, im Hauptabendprogramm den immergleichen Plots ausgeliefert zu werden, wird dem Ganzen die Krone aufgesetzt: Bei einem Spaziergang mit dem Kinderwagen kriegen die Eltern sich in die Wolle, die Diskussion, wer eigentlich schuld an allem sei, eskaliert just vor einer Babyklappe. Und für eine Sekunde wird das Neugeborene in die Klappe gelegt. Nur so zur Abschreckung. Aber dann schließt sich die Klappe automatisch.

Zugegeben, ist natürlich alles krude an den Haaren herbeigezogen. Aber das ist genau der Moment, in dem „Eltern mit Hindernissen“ sich von einer x-beliebigen Fernsehposse zu einer überdrehten Farce entwickelt. Denn man ist ja hier in Deutschland, da geht alles seinen geordneten Gang. Da kann man noch so schnell und vehement erklären, dass das mit der Klappe doch nur ein „Spaß“ war. Erst mal müssen die beiden nachweisen, dass sie wirklich die leiblichen Eltern sind. Dann müssen Formulare ausgefüllt werden. Und dann muss das Jugendamt klären, ob ein Baby zu derartigen Rabeneltern überhaupt zurückgebracht werden sollte.

„Eltern mit Hindernissen“ ist bereits die dritte Patchworkfamilien-Komödie, die Sophia Krapoth für die ARD geschrieben hat: nach „Familie mit Hindernissen“ (2017) und „Trennung mit Hindernissen“ (2018). Bei der ersten führte noch Grimme-Preisträger Oliver Schmitz Regie, bei den Nachfolgern Anna-Katharina Maier. Immer ging es dabei um dasselbe leicht neurotische Paar, das schon kaputte Ehen hinter sich und es doch noch mal versucht hat.

Man muss die Vorgänger nicht kennen. Aber es erhöht den Reiz. Denn immer arbeiten die Filme nach demselben Prinzip: Dass ständig ein weiterer ungebetener Gast vor der Tür steht und für noch mehr Chaos sorgt. Der Opa, der vor seiner Ex flieht, die Ex-Schwiegermutter, dann noch eine Ex-Affäre und schließlich Opas Ex. Ganz schön viele Exen. Den einen oder die andere kennt man bereits aus den vorigen Filmen. Und sie alle reden sich um Kopf und Kragen. Und natürlich stets vor der Dame vom Amt. Der beste Rat, vor der Babyklappe wie vor der Beamtin: Einfach mal die Klappe halten.

Klar, das sind alles nur Stereotype. Aber hier jagt nicht nur ein Klischee das nächste, die Klischees werden so aufgetürmt, dass es immer amüsanter wird. Zumal alle Schauspieler bis in die Nebenrollen – allen voran Sophie Rois als Schuldirektorin – ihre Figuren auf die Spitze treiben. Selbst wer glaubt, dass man aus all diesem Dilemma-Stau am Ende nicht überzeugend rauskommen kann, wird angenehm überrascht.

Mi., 03.06.20, 20.15 Uhr, ARD