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Darum wirkt „Schlag den Star“ aus der Zeit gefallen

Jorge González und Thomas Hayo traten bei „Schlag den Star“ vor leeren Zuschauerrängen gegeneinander an. Nicht nur das Publikum fehlte.

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Berlin. Vielleicht hätte es der Show geholfen, wenn in dem riesigen, gähnend leeren Fernsehstudio von „Schlag den Star“ Mojitos serviert worden wären. Das hatte sich zumindest Jorge González zu Beginn der Sendung gewünscht, bevor er gegen Thomas Hayo in den Ring stieg.

Denn Stimmung kam während der gesamten vier Stunden nicht so richtig auf – was aber nicht nur den fehlenden Studiogästen geschuldet war.

Dabei waren die Voraussetzungen für eine lustige Sendung mit Biss durch die Gäste eigentlich gegeben: Zwei ehemalige Kollegen, die ungleicher nicht sein könnten und kein Blatt vor den Mund nehmen. Choreograph, Stylist und Diplom-Nuklearökologe Jorge González gegen Creative Director Thomas Hayo – diese Paarung sollte der Jubiläumsshow ein bisschen Glamour verleihen.

„Schlag den Star“-Jubiläum mit Jorge González und Thomas Hayo

Das Einzige, was in der Spielshow allerdings an das eigentliche Metier der beiden Männer erinnerte, waren González schwindelerregend hohe Absätze. Und ein Spiel namens „Catwalk“, welches aber rein gar nichts mit der Präsentation von Mode zu tun hatte.

Trotzdem war die Stimmung am Anfang gut, beide Kontrahenten schworen sich mit Inbrunst auf den bevorstehenden Wettkampf ein: „Ich werde ihn atomisieren“, sagte González mit festem Blick in die Kamera und Hayo erwiderte: „Der Kubaner kann so viele Zigarren rauchen, wie er will. Ich rauche ihn heute in der Pfeife!“

Der Ex-Topmodel-Juror sollte zunächst recht behalten: Bei den ersten Spielen setzte er sich locker gegen seinen Gegner auf hohen Hacken durch. Ob beim Festkleben eines Medizinballs, beim Spielen von „Rudi Reck“ oder beim „Schwingen“, wo sich die beiden wie Tarzan an einem Seil von Plattform zu Plattform schwingen mussten: Hayo gewann.

Auch bei einem Spiel, das González allein schon vom Titel hätte gewinnen müssen, punktete der Wahl-New-Yorker Hayo. „Drei oder vier?“ war angelehnt an einen Versprecher von González. 2014 sollte der „Let’s Dance“-Juror einen Tanz bewerten und verkündete absolut überzeugt: „Drei“ – allerdings hielt er dabei die Karte mit der Nummer vier hoch.

Gebracht hat es ihm nichts: Beim Zählen von Marienkäfern, Deutschland-Flaggen oder VW-Käfern war Hayo einfach schneller.

„Schlag den Star“: Thomas Hayo hatte beim Klettern zu kämpfen

In den nächsten Runden des Star-Wettkampfs konnte González dafür aber so richtig punkten: Beim „Skee Ball“ hatte er eine ruhige Hand und beim Draußen-Spiel „Leiter-Slalom“ stellte der Deutsch-Kubaner seine Fitness unter Beweis.

Thomas Hayo hatte beim Hoch- und Runterklettern über 10 Meter Höhe seine Probleme. Hätte Heidi Klum die Performance des 51-Jährigen gesehen, sie hätte ihn wohl direkt unbarmherzig aufs Laufband geschickt. Zumal Gonzalez und Hayo im selben Alter sind.

Kneifen war bei diesem Spiel zumindest nicht drin, wie Moderator Elton anmerkte: „Sowas verlangt ihr ja von den Models auch immer, da dürft Ihr Euch nicht beschweren.“

Jorge González: Baggern ohne Ahnung zu haben

Dass es wohl nicht so schwer sein kann, einen Bagger zu bedienen, bewies González beim nächsten Spiel. Zwar verstand der Choreograph auch nach mehreren Erklärungsversuchen nicht hundertprozentig, wie er das Gefährt zum Laufen kriegen sollte. Um Ballons mit einer statt der Schaufel angebrachten Spitze zum Platzen zu bringen, reichten seine Fähigkeiten aber allemal aus.

Wie er das gemacht habe, wollte Elton wissen. „Ich habe keine Ahnung“, antwortete González, wie immer mit breitem Grinsen. Das Lachen verging ihm während der Sendung zwar nicht – aber nach dem Baggern war seine Glückssträhne am Ende: Thomas Hayo konnte besser Städte erraten, Volleyball und „Tischtennis-Squash“ spielen, Quizfragen beantworten und Entfernungen abschätzen.

Die Spiele plätscherten so vor sich hin, wirklich lustig wurde es eigentlich nie.

Matchball bei „Schlag den Star“ verhilft Thomas Hayo zum Sieg

Dass Hayo im letzten Teil der Spiele-Show noch einmal richtig abräumen konnte, kam ihm natürlich zugute – für diese Wettkämpfe gibt es bei „Schlag den Star“ mehr Punkte. Beim 13. Spiel kam es darum schon zum Matchball. Dafür wurde nochmal ein echter Klassiker gespielt: Bei „Ringing the Bull“ muss ein an einer Schnur hängender Ring auf einen Haken geschwungen werden.

Thomas Hayo zeigte hier mehr Geschick als sein Gegner – und gewann dieses „Schlag den Star“-Duell. Dass die Moderation der Show, gerade ohne Publikum, in weiten Teilen verloren wirkte, ließ die vier Stunden vor dem Fernseher leider nahezu endlos wirken.

Elton wusste nicht so recht, wie er den ständig auf cool machenden Thomas Hayo knacken sollte und anstatt González’ Humor für die Sendung zu nutzen, versuchte der Moderator die Live-Show möglichst sang- und klanglos wegzumoderieren.

„Schlag den Star“ wirkt aus der Zeit gefallen

Klar, dass das sporadische, spärliche Klatschen des Produktionspersonals keinen tosenden Applaus ersetzen kann. Klar, dass es nicht zu der klassischen Spiele-Show passt, dass bei den Spielen viel Abstand gewahrt werden und es Pausen zum Desinfizieren geben muss.

Doch weder Moderator noch Produktion schienen sich Gedanken gemacht zu haben, wie man trotzdem noch gutes Unterhaltungsfernsehen machen kann.

Das war nicht nur ein Problem dieser 50. Ausgabe von „Schlag den Star“. Es offenbarte vielmehr ein größeres, strukturelles Problem: Jetzt, wenn es kein lautes, Begeisterung vermittelndes Studiopublikum gibt, fällt einem umso mehr auf, wie sehr die unterhaltende Spiele-Show aus der Zeit gefallen ist.

Vor allem, wenn die Sendung bis auf die Spiele nichts zu bieten hat – weder interessante Gespräche zwischen Gästen und Moderator, noch ein wenig Enthusiasmus und Spaß an der Sache.

Letzte „Schlag den Star“-Ausgaben konnten nicht überzeugen

Zuletzt hatten sich Mario Basler und Frank Rosin duelliert. Basler unterstellte dem TV-Koch Schiebung. Hat Rosin Basler um Punkt betrogen?

Stimmungstechnisch überzeugen konnte auch nicht die Show mit Jens Lehmann und Wotan Wilke Möhring. Sie war vorhersehbar und unaufgeregt wie ein „Tatort“.

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