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Mord in rechter Szene: So wird der neue Furtwängler-„Tatort“

Im „Tatort“ wird eine Studentin ermordet. Sie war ein Star der rechten Szene und verliebt in einen linken Mediziner. Wer ist der Täter?

Das sind die beliebtesten Tatort-Kommissare

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Essen. Vor der Uni Göttingen demonstrieren Antifa-Gruppierungen, während sich in einem Hörsaal Professor Noll (Stephan Bissmeier) bei einem Podiumsgespräch zunehmend ereifert. Anlass: Die Berufung von Kollegin Sophie Behrens (Jenny Schily) zur Richterin am Bundesverfassungsgericht. Diese Frau sei wegen ihrer antifeministischen, rechtskonservativen Haltung eine Gefahr für die Demokratie in Deutschland.

Den Farbbeutel-Anschlag eines jungen Mannes, der Behrens‘ sachliche Erwiderung unterbinden will, kann Marie Jäger (Emilia Schüle) gerade noch verhindern. Am nächsten Morgen wird die Leiche der Jura-Studentin im Stadtwald gefunden.

Charlotte Lindholm (Maria Furtwängler) und Anaïs Schmitz (Florence Kasumba) ahnen gleich: „Das wird ein Scheißtag“. Denn Marie Jäger war mit ihrem erfolgreichen Video-Blog „National feminin“ ein Star der rechten Szene und attraktives Aushängeschild der „Jungen Bewegung“.

Tatort „National feminin“: Mord an einer rechten Studentin und Bloggerin

Der Versuch, Maries drei WG-Mitbewohner zu befragen, scheitert grandios, nicht nur wegen Anaïs‘ Hautfarbe. Dafür beginnt in den sozialen Netzwerken ein unkontrollierbarer Shitstorm gegen die Polizei, gegen den Staat, gegen die Demokratie überhaupt.

Wurde Marie Opfer eines unbekannten Stalkers, gegen den sie unlängst Anzeige erstattet hatte? War die Tat politisch motiviert? Gehört der Mörder zu Maries Freundeskreis mit Felix Raue (Samuel Schneider) als Chefideologen? Und wie passt die Professorin ins Bild, deren Assistentin Marie war?

Die bestens vernetzte Richterin, die in gleichgeschlechtlicher Ehe lebt, hat trotz ihrer Abkehr von den Dogmen der 68er stets dem ungefilterten Meinungsaustausch, dem freien Kräftespiel von Argument und Gegenargument das Wort geredet.

Gegen Rassismus und Anfeindungen: In der Ruhe liegt die Kraft

In der Welt, mit der es Lindholm und Schmitz im neuen Tatort (Buch: Florian Oeller; Regie: Franziska Buch) zu tun haben, findet genau dieser unbelastete Austausch nicht statt. Die Mauern ideologischer Verblendung sind unüberwindbar. Charlotte wird angesichts der rassistischen Aktionen und Anfeindungen der Neuen Rechten immer emotionaler und aggressiver (was ihr eine blutige Nase einbringt). Ganz anders reagiert Anaïs.

Ob sie im Verhörraum von Maries Mitbewohnern übel angepöbelt wird oder ob Professor Noll ihr gegenüber irgendwann seine scheinliberale Maske fallen lässt – die offenen Anfeindungen sind eine Herausforderung, der sie Kraft der Autorität begegnet, die ihre Position ihr verleiht. Charlottes neue Kollegin hat dazugelernt – und genießt die Erkenntnis, dass in der Ruhe viel mehr Macht liegt.

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Etwas mehr Seelenruhe hätte auch ihre sich so unnahbar gebende Kollegin gern. Charlotte wird immer noch zum schmachtenden Teenager, sobald Anaïs‘ Polizisten-Ehemann Nick (Daniel Donskoy) in der Nähe ist. Also oft.

Auch Marie, stellt sich heraus, hat diese Schmetterlinge im Bauch verspürt. Ausgerechnet die Ikone der Jungen Bewegung hatte sich in einen linken Medizinstudenten verliebt und wollte das blinde Gegeneinander durch ein mutiges Miteinander tauschen.

• ARD, Sonntag, 26. April, 20.15 Uhr

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