TV-Tipp

Saarland-Krimiserie „In Wahrheit“: Aus Mangel an Beweisen

In Jagdfieber aus der Saarland-Krimireihe mit Christina Hecke geht es um einen ungeklärten Mord. Eine Folge mit unerwarteter Wendung.

Wer war es? Judith Mohn (Christina Hecke) und Markus Zerner (Rudolf Kowalski) ermitteln.

Wer war es? Judith Mohn (Christina Hecke) und Markus Zerner (Rudolf Kowalski) ermitteln.

Foto: Network Movie / © ZDF/Network Movie

Berlin. Es ist ein Alptraum: Finster entschlossen stapft ein Mann durchs Feld auf ein Haus zu, legt sein Jagdgewehr an und schießt; zwanzigmal. Später stellt sich heraus, dass infolge der Schießerei eine Frau gestorben ist; offenbar ein furchtbares Versehen. Der Mann sieht ohnehin nicht wie der klassische Krimimörder aus.

Tatsächlich entpuppt sich Wolfgang Abeck (Joachim Król) mehr und mehr als tragische Figur: Vor drei Jahren hat seine Tochter mit zwei Männern einen ausgelassenen Abend verbracht. Es ging um Sex, Drogen und sehr viel Alkohol. Als die Männer am nächsten Morgen erwachten, war Nadine Abeck nicht mehr ansprechbar. Seither lag sie im Koma; kürzlich ist sie gestorben.

Saarland-Krimi im TV: Ein Ultimatum von 72 Stunden

Vater Wolfgang will, dass der Fall noch mal aufgerollt wird. Juristisch scheint das aussichtslos. Die beiden Männer, André Collmann (David Rott) und Robert Haffner (Tristan Seith), standen damals zwar wegen unterlassener Hilfeleistung vor Gericht, konnten sich aber angeblich an nichts erinnern und sind aus Mangel an Beweisen freigesprochen worden.

Damit Judith Mohn (Christina Hecke) trotzdem ermittelt, hat Abeck seiner Forderung Nachdruck verliehen: erst mit der Schießerei, bei der auf denkbar unglückliche Weise Collmanns Frau gestorben ist, dann mit der Entführung von Haffner. Er setzt der Kommissarin aus Saarlouis ein Ultimatum von 72 Stunden, dann wird er den Mann erschießen; zu verlieren hat er ohnehin nichts mehr.

„In Wahrheit“ – Ein gelassener Thriller

Das klingt nach einem packenden Thriller-Stoff, aber Thomas Roth erzählt die Geschichte trotz vereinzelter spannender Szenen vergleichsweise gelassen, was auch dem Duktus der drei bisherigen Episoden der saarländischen ZDF/Arte-Reihe „In Wahrheit“ entspricht. Seine Filme leben vor allem von der Atmosphäre, der Arbeit mit den Schauspielern, einer stets sorgfältigen Bildgestaltung und gern auch von besonderen Geschichten.

Das ist bei „Jagdfieber“ nicht anders: Die Handlung – das Drehbuch schrieb Roth gemeinsam mit Fabian Thaesler – nimmt eine unerwartete Wendung, als Mohn klar wird, dass mindestens noch eine weitere Person an dem nächtlichen Gelage beteiligt war.

Geschickt sorgt Roth dafür, dass die Sympathien unmerklich wechseln: Witwer Collmann, anfangs Opfer, erscheint zunehmend als potenzieller Täter. Abeck wiederum, immerhin ein Mörder (wenn auch nicht im juristischen Sinn), wandelt sich vom Täter zum Getriebenen, was auch enorm mit dem vielschichtigen Spiel von Joachim Król zu tun hat; Abecks väterliche Verzweiflung lässt sich jedenfalls jederzeit gut nachvollziehen.

Eine Jugendliebe führt zur richtigen Fährte

Wichtig für die Handlung ist auch Jean-Yves Berteloot, obgleich der französische Weinhändler Jérôme Lambert zunächst bloß wie ein Wiedergänger aus Mohns Vergangenheit wirkt. Die beiden haben sich einst nicht im Guten getrennt, aber jetzt verdankt die Polizistin ihrer Jugendliebe den entscheidenden Hinweis.

Und während alte Rechnungen im Krimi sonst meist eine Bedrohung darstellen, sorgt Lambert mit der Begleichung seiner Schuld für einen derart versöhnlichen Schluss, dass einer Weiterbeschäftigung Berteloots nichts im Wege steht. Es wird ohnehin Zeit, dass das Privatleben der Kommissarin etwas Schwung bekommt.

• Arte, Freitag, 24. April, 20.15 Uhr

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