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RBB-Serie „Warten auf’n Bus“ ist ein echter Geheimtipp

In „Warten auf’n Bus“ warten, tanzen und reden zwei Männer in Brandenburg an einer Bushaltestelle. Warum die Serie ein Geheimtipp ist.

Johannes (Ronald Zehrfeld, r.) und Ralf (Felix Kramer, l.) tanzend vor der Bushaltestelle.

Johannes (Ronald Zehrfeld, r.) und Ralf (Felix Kramer, l.) tanzend vor der Bushaltestelle.

Foto: ARD Foto / rbb/Frédéric Batier

Berlin. Natürlich ist die Assoziation zu „Warten auf Godot“ unvermeidlich, und das nicht nur wegen des Titels. Schauplatz von „Warten auf’n Bus“ ist das Wartehäuschen einer Bushaltestelle irgendwo in Brandenburg. Dieser Ort ist quasi das Wohnzimmer zweier Männer Ende 40, die etwas abgerissen wirken, aber der Schein trügt: Von Becketts traurigen Antihelden sind Hannes und Ralle (Ronald Zehrfeld, Felix Kramer) weit entfernt. Wenn überhaupt, sind die beiden Seelenverwandte von Olli Dittrichs Dittsche.

Ähnlich wie die Monologe des Imbissbudenphilosophen können die Plaudereien, in deren Verlauf Hannes (Frühinvalide) und Ralle (langzeitarbeitslos) regelmäßig vom Hölzchen aufs Stöckchen kommen, durchaus Tiefgang annehmen; selbst wenn Hannes seine Beiträge gern mit Weisheiten aus Abreiß­kalendern, Schlagertexten und Kinofilmen durchsetzt. Ralles Ausführungen sind dagegen gespickt mit Wikipedia-Wissen, weshalb sich die beiden perfekt ergänzen: Dichtung und Wahrheit.

„Warten auf’n Bus“: Serie könnte ein Geheimtipp werden

Schöpfer des Duos ist der vielfach ausgezeichnete Dramatiker und Hörspielautor Oliver Bukowski, dessen Drehbücher echten Seltenheitswert haben; aus seiner Feder stammt zum Beispiel die Kleine-Leute-Komödie „Bis zum Horizont und weiter“ (1999, mit Wolfgang Stumph). Heiter im Sinne von lustig sind die acht in sich abgeschlossenen Folgen à 30 Minuten allerdings eher nicht.

Anders als bei „Warten auf Godot“ offenbart der Titel der RBB-Serie eben nicht die ganze Sinnlosigkeit des Seins. Die erste Folge legt zwar zunächst die Frage nahe, ob hier überhaupt noch ein Bus fährt, zumal Hannes und Ralle ohnehin nicht einsteigen würden, aber dann kommt er tatsächlich. Am Steuer sitzt die Frau ihrer Träume: Kathrin nutzt die Endhaltestelle regelmäßig für eine Zigarettenpause. Jördis Triebel versieht die Busfahrerin mit einer reizvollen Mischung aus Unergründlichkeit und Überlegenheit.

Dass sich die Serie zu einem Geheimtipp wie die gleich zweimal mit dem Grimme-Preis ausgezeichnete NDR-Serie „Der Tatortreiniger“ entwickeln könnte, hat vor allem mit Bukowskis Vorarbeit zu tun. Regelmäßig verblüffen seine Helden mit Erzählungen, die so absurd klingen, dass sie nur wahr sein können.

Grandiose Hauptdarsteller und ein wenig Ostalgie

Mögen die Freunde auch mal in Rührseligkeit und Selbstmitleid verfallen oder für einen kurzen Moment aggressiv werden: Die Regie bleibt immer entspannt. Dirk Kummer hat schon mit „Zuckersand“ (2018, Grimme-Preis) eine melancholische Tragikomödie über eine tiefe ostdeutsche Freundschaft gedreht; darin ging es allerdings um zwei Zehnjährige in der DDR.

Der Vorspann schwelgt ein bisschen in grobkörniger Ostalgie, der Abspann in heruntergekommener Wartehäuschenromantik, aber ansonsten dreht sich alles um die beiden Hauptdarsteller. Kramer, grandios in der deutschen Netflix-Serie „Dogs of Berlin“, und Zehrfeld, eigentlich immer grandios, ergänzen einander perfekt und lassen die Dialoge auch dank ihres ausgeprägten Dialekts auf famose Weise lebensecht klingen. Dass Bukowski, Kummer, Zehrfeld und Kramer ostdeutsche Wurzeln haben, versteht sich ohnehin von selbst. Die Serie steht bereits komplett in der RBB-Mediathek.

  • „Warten auf’n Bus“, ab Mittwoch, 15. April, 18 Uhr, RBB