ARD-Talk

„Hart aber fair“: Corona bringt Eltern an Belastungsgrenze

Erste Geschäfte sind geöffnet, doch die Situation bleibt fragil. Bei „Hart aber fair“ wird klar: vor allem Familien sind betroffen.

Corona-Beschränkungen: Das ändert sich in Deutschland

Nach wochenlangem Stillstand des öffentlichen Lebens dürfen sich die Bundesbürger ab Montag auf erste vorsichtige Lockerungen der Corona-Auflagen einstellen. Viele der bisher geltenden Regeln werden aber verlängert.

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Berlin. Karl Lauterbach hätte gewartet. Noch drei zusätzliche Wochen „Shutdown“. Um die Corona-Infektionszahlen weiter zu senken, das Virus beherrschbar zu machen. Damit die Gesundheitsämter jede neue Ansteckung nachverfolgen können. „Wir sind zu früh von der Bremse gegangen“, sagte der SPD-Politiker am Montagabend bei „Hart aber fair“.

Es war Tag eins der Lockerungen. Die ersten Geschäfte öffnen wieder, eine neue, fragile Normalität kehrt in Deutschland ein – ein Leben mit dem Virus. Auch wenn Lauterbach mit der vorsichtigen Öffnung am liebsten noch etwas gewartet hätte: Schon heute sind viele Menschen am Limit. Vor allem Familien, die seit Wochen Arbeit im Homeoffice und Kinderbetreuung gleichzeitig unter einen Hut bringen müssen. Kitas werden auch auf absehbare Zeit nicht öffnen, Schulen keinen gewohnten Unterricht anbieten können.

„Hart aber fair“: Beruf und Erziehung funktionieren nicht zusammen

„Freiheit nur in kleinen Schritten: Wie schädlich ist die Dauer-Quarantäne?“, fragte Frank Plasberg daher. Bezeichnenderweise diskutierten vier Männer und nur eine Frau das Thema. Barbara Vorsamer, Journalistin bei der „Süddeutschen Zeitung“, selbst Mutter zweier Kinder, berichtete der Runde, wie Beruf und Erziehung gleichzeitig funktionieren – nämlich gar nicht. Von der Politik erwartete sie Antworten.

Doch damit taten sich die Vertreter in Plasbergs TV-Studio schwer. Der saarländische Ministerpräsident Tobias Hans (CDU) verwies, ebenso wie Karl Lauterbach, vor allem auf medizinische Notwendigkeiten. Auch Kinder können das Virus übertragen. Von Kitas aus werde es so schnell in die Familien getragen. „Das ist das, was wir verhindern wollen“, sagte Hans. Doch auch ihm sei klar, dass viele Eltern an der Belastungsgrenze angekommen sind. „Wir können das nicht auf alle Ewigkeit halten“, sagte der CDU-Politiker.

Lauterbach: Kein Impfstoff mehr in diesem Jahr

Hans sprach davon, dass es etwa im Schulbereich mehr digitale Lernmöglichkeiten geben müsste. Doch was genau das heißt, wie sie funktionieren, sagte er nicht. Und das Grundproblem bleibt bestehen: Das Virus breitet sich weiter aus. Es sieht nicht so aus, dass in einigen Monaten die alte Normalität zurückkehrt – und damit die Rückkehr in einen geordneten Unterricht oder Betreuungsmöglichkeiten. „Ich kenne keinen ernstzunehmenden Virologen, der glaubt, dass es in diesem Jahr noch eine Impfung gibt“, sagte SPD-Gesundheitsexperte Lauterbach.

Daher auch sein Vorschlag, den „Lockdown“ zu verlängern, um die Infektionszahlen noch weiter zu drücken. „Als einziges europäisches Land hätten wir es schaffen können“, sagte Lauterbach. Widerspruch kam lediglich von Ifo-Chef Clemens Fuest. „Wir wissen gar nicht, wie viele Menschen infiziert sind“, sagte der VWL-Professor. Am Ende sei es eine politische Abwägung.

Merkel: Wir sind noch lange nicht über den Berg
Merkel- Wir sind noch lange nicht über den Berg

Bundesliga schon ab Mai? „Es wäre der falsche Weg“

Klar ist: Deutschland befindet sich erst am Anfang der Pandemie. Auch Bundeskanzlerin Merkel hatte bereits vor zu großer Euphorie gewarnt. Ein neuer „Shutdown“ ist also noch immer vorstellbar.

Und ausgerechnet an dem Tag, an dem die ersten kleineren Geschäfte wieder öffnen, keimt auch anderswo Hoffnung – in der Bundesliga. Da, wo die Millionensummen fließen. Schon Anfang Mai könnte, wenn auch vor leeren Rängen, wieder gespielt werden. Eine Vorstellung, die nicht allen in Plasbergs Runde gefiel.

„Es wäre der falsche Weg“, sagte der Hauptgeschäftsführer des Paritätischen Wohlfahrtsverbands, Ulrich Schneider. Wenn die Politik eine Ausnahme zulasse, kämen schon bald die nächsten Forderungen. Saarlands Regierungschef Hans hingegen sah es pragmatisch: Millionen Menschen in Deutschland seien sportbegeistert. Wenn es ein vernünftiges Schutzkonzept gebe, spreche nichts gegen Geisterspiele.

SPD-Politiker Lauterbach erteilte hingegen eine Absage: „Der Körperkontakt ist da, das Infektionsrisiko eher hoch“. Die Spieler müssten ständig auf Corona getestet werden. Und genau die Tests fehlten dann an anderer Stelle. „Es gibt medizinisch sehr viel Gründe dagegen, aber keinen dafür“, sagte Lauterbach.

Anders sieht es hingegen beim Thema Masken aus. Die ersten Bundesländer haben bereits eine Maskenpflicht für den öffentlichen Nahverkehr und die Geschäfte eingeführt, weitere dürften folgen. „Das Virus wird auch beim Sprechen übertragen. Davor schützt die Maske“, sagte Lauterbach.

Schon bald könnte also der Mundschutz in Deutschland zum Alltag gehören. Für alle.