Corona-Krise

Lauterbach bei Lanz: 99 Prozent hatten das Virus noch nicht

Markus Lanz und seine Gäste diskutieren, wie lange der Corona-Shutdown noch anhalten wird – und welche Regeln danach kommen könnten.

Markus Lanz: Das waren die spannendsten Momente 2019

Im Jahr 2019 gab es viele emotionale Momente, über die in den Medien berichtet wurde.

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Berlin. „Die Zahlen, die wir bisher haben, sind nicht schlecht, aber auch nicht überwältigend“, macht Karl Lauterbach gleich zu Beginn des Talks bei Markus Lanz klar. Aus der Sicht des SPD-Politikers und Epidemiologen kann es derzeit keine Entwarnung geben – auch wenn die aktuellen Fallzahlen der Coronavirus-Infektionen langsam einen positiven Trend aufweisen.

Lauterbach warnt bei „Markus Lanz“ vor einem „Todeskuss“ des Coronavirus im Herbst, wenn man in den kommenden Wochen zu schnell zum normalen Alltag übergehen würde: „Wenn man jetzt bei den Maßnahmen vom Gas runterginge, hätte man gar nichts gewonnen. Denn etwa 99 Prozent der Menschen in Deutschland haben das Virus wahrscheinlich noch nicht gehabt.“

Lauterbach ist der Ansicht, dass Deutschland noch nicht über den Berg sei, was das Coronavirus angeht. Gleichzeitig hinterfragt er aber, wie lange das öffentliche Leben auf ein absolutes Minimum reduziert bleiben könne: „Ich kann mir schlichtweg nicht vorstellen, dass wir diesen strengen Lockdown länger aufrechterhalten werden.“ Der Gesundheitspolitiker glaubt, dass es bereits nach Ostern erste Maßnahmenlockerungen geben könnte.

Markus Lanz – das waren die Gäste

  • Carsten Linnemann, Vorsitzende der Mittelstands- und Wirtschaftsunion der CDU/CSU
  • Karl Lauterbach, SPD-Gesundheitsexperte und Epidemiologe
  • Dr. Stefanie Holm, Internistin
  • Johannes Hano, Journalist und New-York-Korrespondent des ZDF
  • Marcus von Riesen, Hotelier

Lauterbach bei Lanz: Masken, Corona-App und Massentests „kriegsentscheidend“

Dass kleine Läden öffnen können, Schulunterricht wieder stattfindet und in Kitas die Betreuung erneut gewährleistet werden kann, bedeute aber, dass man sich an andere Regelungen und Mittel gewöhnen müsste, erklärt Lauterbach: Das Tragen von Masken, die Benutzung von Corona-Apps und massenhaftes Testen würden dann „kriegsentscheidend“ sein.

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Und diese Vorsichtsmaßnahmen müssten deutlich länger durchgehalten werden als die derzeitigen Ausgangsbeschränkungen. Aktuell geht man davon aus, dass die Forschung nach einem Impfstoff und dessen Produktion rund ein Jahr dauern könnten – wenn alles glatt geht.

Lauterbach bei „Markus Lanz“ : Diskussion um Corona-Impfstoffe zu optimistisch

„Mir ist die Diskussion um Impfstoffe viel zu optimistisch“, so der Bundestagsabgeordnete. Für zahlreiche dem Coronavirus ähnliche Krankheiten wäre bis heute kein Impfstoff gefunden worden. „Man muss den Menschen jetzt mal reinen Wein einschenken: Wir hoffen, dass wir im nächsten Jahr einen Impfstoff finden, aber gesetzt ist das nicht.“ Das könnte länger andauernde Einschränkungen im öffentlichen Leben und vor allem in der Wirtschaft bedeuten.

Carsten Linnemann, Vorsitzender der Mittelstands- und Wirtschaftsunion der CDU/CSU, sind Lauterbachs Äußerungen viel zu pessimistisch. „Die Menschen brauchen doch gerade jetzt eine Perspektive“, so der CDU-Politiker. Lauterbach fühlt sich falsch verstanden: Er gehöre nicht zu denjenigen, die die notwendige Debatte über eine Exit-Strategie nicht führen wollen. Alle aktuellen Entwicklungen zum Coronavirus in unserem Newsblog.

Ärztin bei Lanz: „Menschen haben eine irrationale Angst vor Corona“

Ihm sei es aber ebenso wichtig, transparent zu sein, so Lauterbach: „Es hängt so viel davon ab, ob wir mit kleinen Eingriffen, wie Masken oder der App, das Virusgeschehen in der Bevölkerung so niedrig halten zu können wie nötig.“ Deshalb ließe sich auch keine genaue Prognose abgeben, die Ladeninhaber nachts besser schlafen lässt.

Was die Zuschauer aber vielleicht beruhigen könnte, ist eine Feststellung der Ärztin Stefanie Holm: „Viele Menschen haben eine irrationale Angst vor der Krankheit.“ Wenn man ein gesunder 35-Jähriger sei, brauche man sich keine Sorgen um sich selbst machen, sondern höchstens darum, seine Mutter nicht anzustecken.

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