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Der Kölner „Tatort“: Eltern im Kriegszustand

Im neuen Kölner „Tatort“ müssen die Kommissare rund um ein Jugendamt ermitteln. Und erhalten Einblicke in traurige Verhältnisse.

Schenk (Dietmar Bär, l.) und Stefan Krömer (Gerdy Zint).

Schenk (Dietmar Bär, l.) und Stefan Krömer (Gerdy Zint).

Foto: © WDR/Martin Valentin Menke, / WDR/Martin Valentin Menke

Bei den Kölner „Tatort“-Kommissaren geht es am Ende ja immer um die Wurst. Zuletzt stehen Max Ballauf (Klaus J. Behrendt) und Alfred Schenk (Dietmar Bär) vor ihrer Wurstbraterei und verzehren eine Wurst, was der Hamburger Kollege Til Schweiger ja schon mal ziemlich fies kommentiert hat. Aber nun das: In ihrem jüngsten Fall verdrücken sie die Wurst gleich zu Beginn, nachdem sie frühmorgens einen Tatort aufsuchen mussten. Und der Wurstbrater lässt nicht mehr anschreiben, sondern will Bares. Am Ende stehen die beiden wieder vor der Bude, aber die ist geschlossen. Nein, das hat nichts mit der derzeitigen Corona-Krise zu tun und wurde auch nicht im Nachhinein dazugedreht. Aber das markiert doch, dass dies ein außergewöhnlicher Fall wird, der den Herren Ermittlern ziemlich auf den Magen schlägt.

Manche Väter fahren schnell aus der Haut

Die Mitarbeiterin eines Jugendamtes ist erschlagen worden. Sie hat säumige Unterhaltszahlungspflichtige kontrolliert und war dabei offenbar sehr rigid. In Deutschland, erfährt man in diesem Krimi, zahlt nur jeder Vierte das komplette Unterhaltsgeld für seine Kinder, den Rest schießt der Bund vor – und bleibt meist auf den Auslagen sitzen. Was den Steuerzahler pro Jahr zwei Milliarden Euro kostet. Ballauf und Schenk machen auch bald Bekanntschaft mit mehreren Vätern, die schnell aus der Haut fahren.

Da ist ein Dachdecker (Gerdy Zint), der einen teuren Sportwagen fährt, aber seine Ex und seine Tochter nicht unterstützt. Oder ein verzweifelter Familienvater (Peter Schneider), dessen Ex-Frau ihm die Kinder wegnehmen will und dabei vor keinem Mittel zurückschreckt. Da ist auch noch eine junge Mutter (Yeliz Simsek), die angibt, den Vater ihrer Tochter nicht zu kennen, und doch mit einem jungen Mann zusammen wohnt, der sofort türmt, wenn die Polizei vor der Tür steht. Auch wenn die nur ein paar Fragen hat. Ganz klar werden hier Leistungen erschlichen und Ämter betrogen.

Paare schreien sich auch vor ihren Kindern an

Was die Kommissare mal wieder entzweit. Ballauf versteht da keinen Spaß, Schenk dagegen hat Verständnis und will ein Auge zudrücken. Denn immer wieder stoßen die Kommissare auf ziemlich prekäre Verhältnisse, wo getrennte Paare sich gegenseitig anschreien, demütigen und Rache schwören. Und das ganz offen, nicht nur vor den Kriminalisten, sondern auch, da bricht einem als Zuschauer fast das Herz, vor den betroffenen Kindern. Ein „Tatort“, der zu Herzen geht. Der mal nicht in abgehobenen elitären Kreisen spielt, sondern von Menschen handelt, die mit Hartz IV und Sozialleistungen nur notdürftig über die Runden kommen. Worüber die Gesellschaft gern wegschaut.

In dieser „Tatort“-Folge sind aber nicht nur die Eltern im Kriegszustand verdächtig, sondern zunehmend auch die Angestellten des Jugendamts, die teils überfordert, teils ausgebrannt, aber auch sehr nervös wirken. Allzu hilfsbereit arbeiten sie den Ermittlern zu. Oder wollen sie etwas vertuschen? Prekäre Verhältnisse auch hier. Am Ende stehen die Kommissare vor dem geschlossenen Wurststand und können das Elend, in das sie da Einblick nehmen mussten, kaum glauben: „Und alle haben sich mal so geliebt.“