ZDF-Reihe

So läuft der Dreh des „Spreewaldkrimis“ im Dorf Leipe

„An manchen Ecken dürfen wir nicht mehr drehen“: Zu Besuch am Set des 13. Spreewaldkrimis im Dörfchen Leipe.

Kommissar Krüger (Christian Redl,l.) und Polizeioberkommissar Fichte (Thorsten Merten) ermitteln im neuen Spreewaldkrimi „Tödliche Fastnacht“.

Kommissar Krüger (Christian Redl,l.) und Polizeioberkommissar Fichte (Thorsten Merten) ermitteln im neuen Spreewaldkrimi „Tödliche Fastnacht“.

Foto: ZDF

Leipe.  Es ist Fastnacht im Spreewald. Mit Masken und in Kostümen verkleidet ziehen Dorfbewohner, begleitet von Musik, durch die Straßen, schlagen mit ihren Ruten an die Türen. Das „Zampern“ soll die bösen Geister des Winters vertreiben. Als Dank erhalten die „Heischegänger“ Eier, Speck und Geld. Zum Abschluss der Zampertour werden Eier und Speck gebraten und in geselliger Runde verspeist. Doch dieses Mal hat es wohl nicht geklappt mit dem Vertreiben des Bösen: Am Morgen nach der großen Fastnachtsparty wird einer der Zamperer, ein junger Blogger, auf einem Acker gefunden – nackt, tot. Kommissar Krüger (Christian Redl) und Polizeioberkommissar Fichte (Thorsten Merten) müssen ermitteln im kalten Spreewald.

Gerade laufen die Dreharbeiten für den 13. ZDF-„Spreewaldkrimi“ rund um Lübbenau und Burg. Doch dem Produzenten Wolfgang Esser ist es längst nicht kalt genug. „Wir hatten so gehofft, dass die Fließe vereist sein würden“, erzählt er. „Das hätte perfekt zum Inhalt des Films gepasst, in dem es auch um Vereisung, um gesellschaftliche Kälte geht.“ Zu gern hätte Esser den Kommissar Krüger mal über ein Fließ gehen lassen. Doch daran ist bei den derzeitigen Plus-Graden kein Gedanke. Schauspieler Christian Redl trägt’s mit Fassung. „Zur Not kann ich auch übers Wasser gehen“, versucht er den Produzenten aufzuheitern. Der hat sich im Grunde schon damit abgefunden, dass es nichts wird mit dem Bild, das ihm da vorschwebte. „Eigentlich hat der Spreewald ja immer gut mitgespielt“, sagt Esser. Er ist froh, dass Sturm „Sabine“ glimpflich verlief. Anders als vor drei Jahren, als kurz vor Drehbeginn zum Spreewaldkrimi „Xavier“ heftig gewütet und den Drehplan völlig durcheinandergewirbelt hatte. „Diesmal waren wir vorbereitet, haben die Innendrehs vorgezogen“, so Esser.

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Für eine Kahnfahrt-Sequenz sind drei Begleitkähne nötig

Einen weiteren stürmischen Tag hätte das Filmteam allerdings nicht mehr gut überbrücken können. Denn so viele Innenmotive gibt es im neuen Spreewaldkrimi nicht. Schließlich spielt wie bei allen Folgen der ZDF-Reihe auch diesmal wieder der Spreewald die Hauptrolle. Allerdings werde es immer schwieriger, geeignete Drehorte zu finden, berichtet Produktionsleiter Hartmut Damberg. Der Spreewald steht als Biosphärenreservat unter besonderem Schutz. „Wir drehen unter allerlei Auflagen, was den Umwelt-, Tier- und Pflanzenschutz anbetrifft, und mit großer Achtsamkeit“, betont Esser. „Dennoch dürfen wir heute in manchen Ecken des Spreewaldes nicht mehr drehen, in denen das noch vor fünf Jahren möglich war“, fügt Damberg hinzu. Die Untere Naturschutzbehörde prüfe intensiv und sei „sehr kritisch“, was Drehgenehmigungen angehe. „Immer mehr Bereiche werden als Kernzone des Biosphärenreservates eingestuft“, erläutert der Produktionsleiter, „und die sind für uns tabu“. Einstellungen auf Fließen inmitten von Hochwald könne man daher nicht mehr aufnehmen. „Das ist insofern schade, als wir ja die Highlights des Spreewaldes zeigen wollen“, bedauert Damberg und kann sich einen Seitenhieb nicht verkneifen: „Jeden Biber betreuen die Behörden mit schützender Hand. Dabei sind die Spreewälder gar nicht glücklich darüber, dass der Nager immer mehr Bäume fällt.“

Keine leichte Aufgabe also auch für Kerstin Dressler, die als Locationscout quasi mit dem Drehbuch in der Hand die Dreh-Orte aussucht. „Kerstin kennt sich hier super aus und weiß auch ganz genau, an welchem Fließ wir im Laufe der Jahre schon mal gedreht haben“, sagt Damberg. Findet Dressler einmal partout nicht das passende Umfeld für eine Szene, kommt es vor, dass Drehbuchautor Thomas Kirchner eine Passage umschreiben muss. Acht bis zwölf Wochen Vorlauf hat die Mannschaft um den Produktionsleiter, bevor dann das Filmteam im Spreewald anrückt. Ein Landschaftskrimi stelle ein Filmteam vor viel größere Herausforderungen als ein Dreh unter Studiobedingungen oder in der Stadt, erklärt Produzent Esser. „Manchmal müssen wir Kabel über Hunderte von Metern über die Fließe ziehen.“ Deswegen seien auch 24 Drehtage vor Ort veranschlagt, das sei viel und für Fernsehproduktionen eher ungewöhnlich.

Aber allein um eine Kahnfahrt-Sequenz aufzuzeichnen, seien drei Begleitkähne notwendig. Manchmal dauere es stundenlang, bis das Team fünf Sekunden im Kasten habe. „Das ist hier immer wie eine kleine Expedition“, sagt Esser und lacht. Eine Expedition mit rund 40 Teilnehmern, die dieses Mal vornehmlich im Dörfchen Leipe bei Burg ihre Zelte aufgeschlagen hat. „Leipe ist unser Fastnachtsdorf“, berichtet Esser. Aber nicht nur. Laut Drehbuch sollte die Handlung auch noch in einem zweiten, einsamen Dorf spielen. „Das haben wir auf einem einzeln gelegenen Hof kon-struiert, ebenfalls in Leipe – am anderen Ortsausgang“, verrät Esser. Sonst wäre der Dreh allzu aufwändig gewesen. Wobei kurzfristige Straßensperrungen üblicherweise ganz unkompliziert seien. Ob es nun die Straßenverkehrsbehörde sei oder die kommunalen Verwaltungen: „Da reicht oft ein Anruf, um Dinge zu klären“, sagt Damberg. „Da muss man nicht wie in Berlin meterweise Papier bewegen.“ Was wohl auch der Tatsache geschuldet ist, dass der Spreewaldkrimi seit Jahren mit einem festen Team gedreht wird. „Die kennen uns in den Ämtern. Und wir wissen inzwischen, was geht und was nicht.“