ZDF-Talkshow

Markus Lanz: Wie Mohrings Auftritt die CDU weiter demontiert

Thüringens CDU-Vorsitzender Mike Mohring wollte sich bei Markus Lanz erklären, redet sich in der ZDF-Talkshow aber um Kopf und Kragen.

Lieberknecht zur Krise in Thüringen: "Ich bin raus"

Die frühere Ministerpräsidentin Christine Lieberknecht (CDU) steht in Thüringen nicht mehr als Übergangsministerpräsidentin zu Verfügung. "Ich bin aus der Debatte raus." Sie habe nur für den Vorschlag ihres Nachfolgers Bodo Ramelow (Linke) zur Verfügung gestanden. Der Widerspruch mit der CDU, die keine schnellen Neuwahlen wolle, lasse sich nicht auflösen.

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Berlin. 
  • Markus Lanz hat sich am Mittwochabend mit der Thüringen-Wahl auseinandergesetzt
  • Mit Mike Mohring war bei Lanz einer der Politiker zu Gast, der für das politische Chaos in Thüringen verantwortlich gemacht wird
  • Der scheidende CDU-Landeschef wollte den Auftritt bei Lanz dazu nutzen, seine Partei in ein besseres Licht zu setzen
  • Doch das ging nach hinten los: Statt Befreiungsschlag demontierte Mohring seine Partei noch weiter – Markus Lanz hatte leichtes Spiel
  • Auch in den sozialen Netzwerken wird Mike Mohring für seine Aussagen kritisiert

Noch ist Mike Mohring Vorsitzender der CDU in Thüringen. Seine Parteifreunde hat er um einen Abgang mit Würde gebeten – der geordnet in den nächsten Wochen stattfinden soll. Bis dahin gilt aber: Wenn man glaubt, die Thüringer CDU könnte sich seit der Wahl Thomas Kemmerichs nicht noch weiter reinreiten, hat man falsch gedacht.

Mohring und dem Rest seiner Landtagsfraktion gelingt es seit zwei Wochen, kontinuierlich negative Schlagzeilen zu produzieren. Zuletzt lehnte die CDU das Friedensangebot Bodo Ramelows ab, die ehemalige CDU-Ministerpräsidentin Christine Lieberknecht übergangsweise zur Ministerpräsidentin zu machen und nach 70 Tagen Neuwahlen abzuhalten.

Markus Lanz: Mike Mohring macht das CDU-Debakel noch schlimmer

Der Besuch des Thüringer Parteichefs bei Markus Lanz ist also ein Versuch, sich irgendwie zu erklären und den Abwärtstrend der CDU, der sich mittlerweile auch in den aktuellen Umfragewerten widerspiegelt, aufzuhalten. Nach dem Auftritt Mohrings in der Talkshow muss man leider feststellen: Die Mission ist krachend gescheitert.

Markus Lanz: Das waren die spannendsten Momente 2019
Markus Lanz- Das waren die spannendsten Momente 2019

Markus Lanz am 19. Februar – das die Gäste:

  • Mike Mohring, Thüringer CDU-Chef und Fraktionsvorsitzender im Thüringischen Landtag
  • Cerstin Gammelin, Redakteurin der „Süddeutsche Zeitung“
  • Walter Kohl, Unternehmer und Sohn Helmut Kohls
  • Aminata Touré, Grünen-Politikerin und Vizepräsidentin des Schleswig-Holsteinischen Landtags

Mohring bei Markus Lanz zur Regierungskrise in Thüringen

Dabei lässt der Moderator ihm am Anfang sogar noch ziemlich viel Freiraum für Erklärungen, schließlich habe Mohring Lanz schon vor der Sendung verraten, er wolle den vielen Schlagzeilen ein Ende bereiten. „Fakt ist, dass Thüringen in einem schlechten Licht da steht“, meint Mohring. Doch dazu hätten viele beigetragen – nicht nur er und die CDU-Landtagsfraktion.

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Hört man Mohring jedoch weiter zu, wie er sich um Kopf und Kragen redet, entsteht dagegen der Eindruck, dass er sich nicht wirklich verantwortlich fühlt. Es tut ihm zwar leid, für Thüringen. Aber er habe mit seiner Partei zumindest alle möglichen Szenarien vor dem 5. Februar durchgespielt.

Die Schuld trägt laut Mohring vor allem eine andere Partei: „Die FDP ist auf den Bluff von Herrn Höcke reingefallen.“ Lanz kann es sich nicht verkneifen, Mohring daran zu erinnern, dass die CDU diesen Bluff überhaupt erst möglich gemacht hat.

Thüringens CDU-Chef gibt bei Lanz auch Rot-Rot-Grün Schuld

„Ich hatte nicht in der Hand, dass die FDP keinen Kandidaten aufstellt. Deshalb habe ich Annegret Kramp-Karrenbauer gebeten, bei Christian Lindner darauf hinzuwirken, dass die FDP auch keinen Kandidaten aufstellt“, erzählt Mohring.

Eine einfache Argumentation: Er kann gar nicht schuld sein, weil er vor dem Debakel gewarnt hatte. Für die Journalistin Cerstin Gammelin macht er es sich damit zu leicht: „Mir kommen fast die Tränen, wenn Sie jetzt sagen, dass das Land schlecht dasteht. Dabei liegt das ja genauso in ihrer Verantwortung“, stellt sie fest.

Mohring gibt aber nicht nur FDP und AfD, sondern absurderweise auch Rot-Rot-Grün Schuld an der Thüringer Krise: „Rot-Rot-Grün hatte zu dem geplanten Wahltermin keine Mehrheit. Es ist deren Risiko gewesen“, sagt er zu Beginn der Sendung. Mohring hätte sich eine Verschiebung des Termins gewünscht, um weiter über andere Regierungsmöglichkeiten zu diskutieren.

ZDF-Talk: Mohring konnte sich in der Fraktion nicht durchsetzen

Zumindest in einer Sache gibt Mohring zu, einen Fehler gemacht zu haben: „Ich hatte offensichtlich nicht die Kraft, meine Mannschaft von einem anderen Stimmverhalten zu überzeugen.“ Daraus zieht er mit seinem Rückzug als Fraktions- und Landeschef der CDU Anfang März nun die Konsequenzen.

Zuvor möchte er aber einen neuen Kompromiss mit Linken, Sozialdemokraten und Grünen finden, um die Regierungskrise zu beenden. Doch nun wo der wohlwollende Versuch gescheitert ist, eine Übergangsregierung unter der früheren Christine Lieberknecht zu bilden und dann den Weg für baldige Neuwahlen freizumachen, wird mit Rot-Rot-Grün wohl nicht mehr so leicht zu verhandeln sein.

CDU vermeidet Neuwahlen aus taktischen Gründen

Die CDU will die Suppe, die sie selbst mit angerührt hat, auf keinen Fall auslöffeln – indem sie Neuwahlen, so scheint es, unbedingt verhindern will. Grünen-Politikerin Aminata Touré findet das Verhalten der CDU inkonsequent: „Der Eindruck steht schon im Raum, dass Sie als CDU-Fraktion wegen ihrer Umfragewerte ein Problem mit Neuwahlen haben.“

Touré denkt, dass die Situation in Thüringen weit über die Landesgrenzen des Freistaats hinaus wirkt: „Das wirft ein katastrophales Licht auf die Politik und den Parlamentarismus insgesamt, das merken wir selbst in Schleswig-Holstein.“ Dass Mohring sich vor TV-Publikum windet und die Schuld vor allem anderen Beteiligten gibt, trägt wahrscheinlich auch nichts zur Wiederherstellung von Vertrauen bei.

Auch wenn der CDU-Politiker in großen Tönen über Verantwortung spricht, so flüchtet er sich vor allem in lahme Ausreden. Mohrings Auftritt bei Lanz hat seiner Partei kaum aus der Patsche geholfen – sondern sie wohl noch mehr demontiert.

Mike Mohring wird für Lanz-Auftritt kritisiert

Auch in den sozialen Netzwerken sorgt der Auftritt von Mike Mohring für Diskussionen. Der CDU-Landeschef wird für seine Aussagen von vielen kritisiert.

Hier eine Auswahl von Kommentaren:

  • „Mike #Mohring sagt gerade bei Markus #Lanz, dass man gelogen hat - Faktisch gibt er zu, dass man sehenden Auges mit der #AfD gemeinsame Sache gemacht hat & nun alles blockiert aus machttaktischen Gründen! Das ist doch nicht zu fassen!“
  • „Mit welcher unglaublichen Inkompetenz hat man in diesem Land eigentlich zu kämpfen?“
  • „Keine 3 Minuten spricht #Mohring bei #Lanz und schon soll wieder Ramelow & Rot-Rot-Grün schuld an dem Chaos sein, dass CDU gemeinsam mit FDP und rechtsradikaler AfD angerichtet haben.“

Regierungskrise in Thüringen – mehr zum Thema:

FDP-Chef Christian Lindner spricht im Interview mit unserer Redaktion über das Wahl-Desaster von Thüringen, die schlechten Umfrageergebnisse und die Führungskrise in der CDU. Der Vorschlag des linken Ex-Ministerpräsidenten Bodo Ramelow, seine CDU-Vorgängerin Christine Lieberknecht bis zu raschen Neuwahlen zur Übergangsregentin zu wählen, wirkte überraschend, ziemlich clever – und kühl, ja skrupellos kalkuliert. Ein Kommentar. Mike Mohring zieht sich als Vorsitzender der CDU in Thüringen zurück. Er wolle einer Neuaufstellung der Partei nicht im Wege stehen.

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