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„Maybrit Illner“: So konservativ ist Friedrich Merz

Bei „Maybrit Illner“ ging es um das Rennen um den CDU-Vorsitz. Eine Politikwissenschaftlerin sah Friedrich Merz im Vorteil. Zu Recht?

ZDF-Sendung "Maybrit Illner". Die Gäste (von links): Sabine Kropp, Tilman Kuban, Tobias Hans, Maybrit Illner, Norbert Walter-Borjans, Katja Kipping, Robin Alexander

ZDF-Sendung "Maybrit Illner". Die Gäste (von links): Sabine Kropp, Tilman Kuban, Tobias Hans, Maybrit Illner, Norbert Walter-Borjans, Katja Kipping, Robin Alexander

Foto: ZDF/Svea Pietschmann

Berlin. Vordergründig sucht die CDU nun den Nachfolger für Annegret Kramp-Karrenbauer. Die Auswahl: Armin Laschet, Friedrich Merz, Jens Spahn. Tatsächlich geht um den großen Richtungsstreit in der Partei. Weiter so mit Angela Merkels Ansatz der Sozialdemokratisierung der Union – oder zurück nach rechts? So lautet die eigentliche Gretchenfrage. Das Thema beschäftigte am Donnerstagabend Maybrit Illner.

„Wer kann Kanzler außer Merkel?“, lautete die Leitfrage. Die Gäste:

  • Tobias Hans, Mitglied CDU-Präsidium, Ministerpräsident Saarland
  • Tilman Kuban, Bundesvorsitzender Junge Union
  • Norbert Walter-Borjans, SPD-Parteivorsitzender
  • Katja Kipping, Parteivorsitzende der Linken
  • Robin Alexander, stellvertretender Chefredakteur „Die Welt“
  • Sabine Kropp, Politikwissenschaftlerin und Professorin an der Freien Universität Berlin

Maybrit Illner: Ist Friedrich Merz der beste Kandidat?

Die Krux an der Kandidatenfrage bei der CDU ist, dass es nicht den einen natürlichen Nachfolger für AKK gibt. Das wurde auch in der Diskussion schnell deutlich. Armin Laschet? Stünde für den Mittelweg, führte der „Welt“-Journalist Robin Alexander aus. Schließlich stünde er Merkel nahe, habe sich aber gleichzeitig auch abgegrenzt. Jens Spahn dagegen gelte im politischen Berlin als Favorit, weil ihm große strategische Fähigkeiten nachgesagt werden.

Mit Friedrich Merz beschäftigte sich die Runde ausführlicher. Der frühere Fraktionschef sei bei der CDU-Basis beliebt, gab Alexander weiter zu bedenken. Bei den Wählern insgesamt aber könnte er dagegen anecken, befand die Politikwissenschaftlerin Kropp. Und Kipping gestand ein, dass Merz für ihre Partei im Wahlkampf ein gutes Feindbild abgeben würde.

AfD: Nähert sich eine CDU unter Friedrich Merz den Rechten an?

Mit einer konkreten Prognose hielt sich die Runde ob der vielschichtigen Gemengelage zurück. Nur Kropp war sich sicher, dass Merz das Rennen machen wird. Das wäre durchaus erstaunlich, schließlich ist er eigentlich lange aus der Politik raus. Über große politische Erfahrung verfügt er nicht. Andererseits ist der Wunsch nach einem stramm-konservativen Kurs in Teilen der Partei groß.

Friedrich Merz im Porträt
Friedrich Merz im Porträt

Doch würde Merz den überhaupt so umfassend einlösen? Jedenfalls nicht in dem Sinne, dass Merz mit der AfD paktiert, meinte Robin Alexander. Merz wolle zwar einen anderen Kurs für die CDU, habe sich aber immer für eine klare Abgrenzung ausgesprochen. Eine nicht so wirklich beruhigende Analyse: Ist tatsächlich etwas gewonnen, wenn man die AfD außen vor lässt, aber gleichzeitig selbst ein Stück wie sie wird, fragte später treffend SPD-Chef Walter-Borjans.

Illner: Das war das schwachste Argument des Abends

Das schwächste Argument des Abend kam von Tobias Hans, als es um den Ausschluss einer Zusammenarbeit mit der Linkspartei durch die CDU ging. Die Menschen müssten sich weiterhin auf diese Abgrenzung verlassen können, rechtfertigte der CDU-Ministerpräsident des Saarlands die Haltung.

Hintergrund: Das Phänomen Friedrich Merz – Ist er der Richtige?

Eine erstaunlich einfältige Position, wenn man bedenkt, dass sich die CDU mit der Wahl Thomas Kemmerichs selbst in die jetzige Lage gebracht hat. Nur weil man den lupenreinen Demokraten Bodo Ramelow verhindern wollte, stimmte man mit der AfD – und löste damit am Ende den Abgang von Kramp-Karrenbauer aus.

Das Fazit bei „Maybritt Illner“

Diese Ausgabe von „Maybrit Illner“ machte noch einmal deutlich, wie sehr die Kandidatenwahl mit dem Richtungsstreit in der CDU verbunden ist. Hier geht es nicht nur um Köpfe, sondern auch um die Frage, inwieweit das Erbe von Angela Merkel Bestand haben wird.

Das könnte für die CDU ein lähmender Prozess werden. Oder die drei Kandidaten finden rasch eine Lösung, die postentechnisch alle befriedigt. „Jetzt ist die Zeit der Deals gekommen“, fasste Robin Alexander das Geschacher hinter den Kulissen treffend zusammen.

Zur Ausgabe von „Maybrit Illner“ in der ZDF-Mediathek