„Maischberger“

Minister Müller: Billiger Kaffee führt zu Versklavung

Entwicklungsminister Gerd Müller fand bei „Maischberger“ deutliche Worte für Discounter-Preise. Was ihn dabei so richtig wütend machte.

Entwicklungsminister Gerd Müller (CSU) war bei Sandra Maischberger zu Gast.

Entwicklungsminister Gerd Müller (CSU) war bei Sandra Maischberger zu Gast.

Foto: WDR/Max Kohr

Berlin. Weltwirtschaftsforum in Davos, Start der „Grünen Woche“ in Berlin, Machtkampf im Vatikan – diese Themen hatte sich Sandra Maischberger für ihre Ausgabe am Mittwochabend ausgesucht. Was anfangs für gute Diskussionen über den Sinn radikaler Forderungen in der Politik und die Moral von Konsumenten sorgte, führte die Zuschauer am Ende in einen Reigen von kruden Verschwörungstheorien – wegen eines Gasts.

Für Nicht- oder Andersgläubige mag die Auseinandersetzung um das Zölibat in der katholischen Kirche, das gerade zwischen altem und neuem Papst geführt wird, nur eine interessante Randerscheinung sein. Doch es hat Sprengpotential für die katholische Kirche – und zeigte bei „Maischberger“, wie fundamentalistisch die Anhänger des Zölibats auftreten.

„Maischberger die Woche“ – das waren die Gäste am Mittwochabend:

  • Gloria von Thurn und Taxis, bekennende Katholikin und Unternehmerin
  • Gerd Müller (CSU), Bundesentwicklungsminister
  • Florian Schroeder, Kabarettist
  • Anna Planken, Moderatorin beim ARD-„Morgenmagazin“
  • Christoph Schwennicke, „Cicero“-Chefredakteur

Denn Gloria von Thurn und Taxis, die als bekennende Katholikin in der Öffentlichkeit auftritt, versuchte zunächst, die Äußerungen des emeritierten Papstes zu verteidigen, weil er sich ja in diesem Fall wissenschaftlich geäußert hat. „Sie wissen ja, wie Wissenschaftler sind“, sagte sie im Hinblick auf seine Lust, sich trotz anderer Versprechen öffentlich zu äußern. Bis hierhin waren es noch harmlose Äußerungen der Katholikin.

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Der absurdeste Spruch

Doch das Problem der Debatte liege ganz woanders, führte sie aus: „Die deutsche Kirche will das Priestertum entsakramentalisieren und zerstören“, sagte Thurn und Taxis. Wohin das führe, sehe man bei der evangelischen Kirche. „Die protestantische Kirche ist doch nur noch eine politische Vereinigung mit Meditationskomponente“, echauffierte sich Thurn und Taxis ganz freudig und offenbar in bester Stammtisch-Parolen-Stimmung.

Dass diese absurd radikalen Positionen nicht überraschend kamen, hatte von Thurn und Taxis schon in der Vergangenheit gezeigt. Sie steht seit Längerem der Lebensrechtsbewegung nah, die Abtreibungen als Mord bewertet, sie ist mehrfach mit rassistischen Äußerungen aufgefallen und hatte jüngst den menschengemachten Klimawandel in Frage gestellt.

Das wiederholte sie auch bei „Maischberger“: Die Wissenschaft sei komplett uneins, was die Ursachen des Klimawandels angeht. Stattdessen wolle man mit dem Thema nur an das Geld der Deutschen: „Wir, die Deutschen, sollen mehr Steuern zahlen“, sagte Thurn und Taxis. Es gehe in der Debatte einzig darum, uns das Geld wegzunehmen.

Gerd Müller als das personifizierte schlechte Gewissen

Doch bevor sich Maischberger mit diesen kruden Verschwörungstheorien auseinandersetzen musste, ging ein anderer Gast hart mit allen Bürgern ins Gericht. Der Beginn der „Grünen Woche“ in Berlin hatte Entwicklungsminister Gerd Müller (CSU) auf den Plan gerufen. Bei „Maischberger“ kritisierte er die Egal-Haltung der Konsumenten: „Mit jedem Einkauf von billigem Kaffee oder Bananen fördern Sie die Versklavung der Menschen auf Plantagen“, rief Müller den Gästen ins Gewissen.

Denn auf Plantagen arbeiten weltweit allein 70 Millionen Kinder (was von Thurn und Taxis übrigens später nicht als prinzipiell schlecht ansehen wollte). Die Löhne seien dort aber fast nie so hoch, dass es zum Überleben reicht. Die Ursache: Dumpingpreise in Deutschland setzen die Erzeuger anderswo unter Druck.

Er sieht die Konsumenten in Verantwortung: „Die Deutschen wollen Billigpreise und geben nur acht Prozent ihres Einkommens für Lebensmittel aus“, kritisierte Müller. Das sei europaweit fast Schlusslicht.

Die treffendste Nachfrage

Doch Maischberger hakte gut nach: „Was sollen denn Hartz 4-Empfänger machen? Müssten Dumpingpreise der Discounter nicht einfach verboten werden?“, wollte Maischberger wissen. Sie traf den wunden Punkt eines zahnlosen Tigers.

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Müller hat in seiner Position als Entwicklungsminister nicht einmal genug Einfluss auf den Rest der Bundesregierung. Bisher ist ihm eine wirksame Gesetzesinitiative nicht gelungen. Da wollte er selbst nicht einmal widersprechen.

Das Fazit

Weil eingangs die drei Kommentatoren eine gute Debatte und verschiedene Ansichten anlässlich des Weltwirtschaftsforums präsentierten und anschließend Gerd Müller als personifiziertes schlechtes Gewissen unbequeme Wahrheiten präsentieren konnte, wäre „Maischberger“ eine gute Sendung geworden. Doch Thurn und Taxis schoss den Vogel ab.

Selbst Sandra Maischberger konnte sich am Ende nicht einen bewussten Versprecher nehmen lassen und bedankte sich für „Einblicke in die katholische Verschwörungswelt – Verzeihung, ich meinte: vatikanische Wirklichkeit“. Überraschen hätte Maischberger indes nicht wirken müssen. Das hätte sie bei einem solchen Gast vorher wissen können.

Hier geht es zur aktuellen Ausgabe von „Maischberger die Woche“ in der ARD-Mediathek.