TV-Serie

Serienstart auf Arte: Lohnt sich „Die Frau aus dem Meer“?

Arte zeigt jetzt die Mystery-Serie „Die Frau aus dem Meer“, deren Opfer mit Salz auf den Lippen sterben. Lohnt sich das Einschalten?

„Die Frau aus dem Meer“: Théa (Laetitia Casta, r.) ist die Titelfigur der französischen Mysterie-Serie. Hauptfigur ist die 19-jährige Chloé (Noée Abita).

„Die Frau aus dem Meer“: Théa (Laetitia Casta, r.) ist die Titelfigur der französischen Mysterie-Serie. Hauptfigur ist die 19-jährige Chloé (Noée Abita).

Foto: Handout / © Image et Compagnie

Essen. Die Meerjungfrau tut sich im medialen Schattenreich schwer gegen die Horden von Vampiren und Zombies, Zauberern und Drachen: zu nett, zu harmlos, zu viel Arielle und Hans Christian Andersen. Dabei kann sie als männermordende Sirene auch ganz anders – siehe die neue Mystery-Serie „Die Frau aus dem Meer“ mit Korsikas dunkler Steilküste als schaurig-schöner Kulisse.

Ausgezeichnet als beste französischsprachige Fernsehserie

Als beste französischsprachige Fernsehserie wurde der Sechsteiler 2019 ausgezeichnet, allerdings bei einem der recht zahlreichen französischen Serien-Festivals. Jeweils drei 45-minütige Folgen strahlt Arte an diesem und dem nächsten Donnerstag (9. und 16. Januar) hintereinander aus, und sie beginnen nicht zu Unrecht mit einem in Blutrot getauchten Vorspann.

Die geheimnisvolle Titelfigur mit dem esoterisch klingenden Namen Théa spielt Laetitia Casta, hierzulande aufgefallen als Dorfschöne Falbala in der Real-Verfilmung von Asterix und Obelix und als Verkörperung von Brigitte Bardot. Théa verspeist Männer des Nachts und isst zum Frühstück neben ihren Leichen einen Apfel.

Noée Abita spielt die starke Hauptfigur der Serie

Zurück bleibt nur Salz auf den Lippen ihrer allerdings durchgehend nicht unschuldigen Opfer. Hauptfigur ist jedoch nicht sie, sondern Chloé, im Film wie im wahren Leben 19 Jahre alt. Ihre Darstellerin Noée Abita ist mit einer starken Präsenz gesegnet, tiefgründig und traurig, im Film ganz das Gegenteil ihrer lebenslustigen ordinär blondierten Freundin Sabine (Alba Gaia Bellugi).

Chloe wurde 15 Jahre vor den Ereignissen in einer Meeresgrotte gefunden. Und es sollte doch mit dem Seeteufel zugehen, wenn sie nicht die Tochter einer Meerjungfrau und eines Land-Manns wäre?

Zumindest scheint sie ebenfalls den Todeskuss zu beherrschen, da helfen dem bösen Buben Boris (Sergi Lopez) auch seine K.o.-Tropfen nicht. Erst fällt er ins Koma, von den Toten auferstanden bringt er sich um – c’est la vie, wenn man sich mit starken Frauen einlässt.

Serie braucht zwei Folgen, um in Fahrt zu kommen

„Die Frau aus dem Meer” braucht zwei Folgen, um in Fahrt zu kommen. Visuell ist das szenenweise durchaus experimentell, der Film-Sex ist auch nicht schlecht, und die große französische Mittelmeerinsel spielt angemessen düster im Hintergrund mit.

Das Sujet gleitet auch nicht ab ins Lächerliche und kommt ohne Meerjungfrauen mit Fischschwänzen oder sonstigen Hokuspokus aus, vermischt geschickt den Mystery-Rahmen mit einer Krimi-Handlung um einen Umweltskandal und der bornierten Intoleranz gegenüber allen Andersartigen.

Am besten ist „Die Frau aus dem Meer” in ihren melancholischen Momenten. An internationale Spitzenproduktionen wie „Top of The Lake” reicht sie nicht heran, aber eine gute Serie ist es allemal. Mit Grauen denkt man daran, was in Deutschland Privatsender oder der Gebühren-Funk höchstwahrscheinlich aus der Meerjungfrauen-Idee gemacht hätten, wahlweise unter dem Titel „Die Nixen von Norderney” oder „Der nasse Tod”.

  • Sendetermine: Donnerstag, 9. Januar 2020, 21:10 Uhr (Folgen 1-3) und Donnerstag, 16. Januar 2020, 21:05 Uhr (Folgen 4-6)

Serien und Streaming – Mehr zum Thema

Alle sechs Folgen von „Die Frau aus dem Meer“ finden sich auch in der ARTE Mediathek. Solche Mediatheken können eine Alternative zu Streaming-Diensten wie Netflix, Maxdome & Co sein. Die hat die Stiftung Warentest kürzlich getestet. Obwohl dort auch gefeierte Serien wie „Game of Thrones“ laufen, die bei den Emmys den eigenen Rekord eingestellt hatte, empfanden die Tester das Angebot insgesamt eher als enttäuschend.