ZDF-Talk

Lanz wird emotional: Warum das dem Nahost-Talk schadete

Markus Lanz wollte mit seinen Gästen über die Folgen der jüngsten Ereignisse im Irak diskutieren. Leider verzettelte er sich dabei.

Von Felix Müller
Moderator Markus Lanz wurde bei der Diskussion über die Nahost-Krise sehr emotional.

Moderator Markus Lanz wurde bei der Diskussion über die Nahost-Krise sehr emotional.

Foto: ZDF

Berlin. Es war ein Abend nach großen Ereignissen. Eine knappe Woche, nachdem der iranische Divisionskommandeur Ghassem Soleimani auf Geheiß von US-Präsident Donald Trump in Bagdad getötet worden war, hatte der Iran in der Nacht zu Mittwoch Raketen auf US-Stützpunkte im Irak abgefeuert.

Obwohl Trump am Mittwochnachmittag bereits angekündigt hatte, hierauf nur mit verschärften Sanktionen reagieren zu wollen, stellten sich der Runde bei Markus Lanz doch dringende Fragen: Was bedeuten die Ereignisse nun für Deutschland? Welche Rolle hat das Land im Prozess der erwünschten Stabilisierung der krisengeplagten Region zu spielen? Und welche Auswege gibt es überhaupt?

„Markus Lanz“ zum Thema Iran-Eskalation: Die Angst um gute Rüstungsgeschäfte

Nahost-Experte Michael Lüders bemühte sich zunächst um die Vogelperspektive. Es sei schwierig, so Lüders, die Welt im Nahen Osten in Gut und Böse einzuteilen. Er machte auf den Umstand aufmerksam, dass Soleimani mit der Mission nach Bagdad gereist war, mit Hilfe des Irak zwischen dem Iran und Saudi-Arabien zu vermitteln – eine friedliche Mission also, die Washington, um die guten Beziehungen zu Saudi-Arabien fürchtend, gleichwohl mit Argwohn verfolgen musste.

Denn der Schulterschluss zwischen diesen Nationen sei aus amerikanischer Sicht nicht gut fürs Geschäft, lieferten doch die USA zehn Prozent ihrer Rüstungsexporte an die Saudis. Man müsse auch sehen, so Lüders, dass der Iran das letzte in der Region verbliebene Land mit großer Affinität zu Russland und China sei – noch so ein Stachel im Fleisch der Amerikaner.

Am Ende war aus der Vogelperspektive klare Kritik an den USA geworden: „In Sachen Rücksichtslosigkeit sind unsere amerikanischen Freunde gut aufgestellt“, sagte Lüders, der sich von den Europäern auch „mehr Tacheles“ in Richtung Washington wünschte.

US-Experte sieht bei Deutschen „moralische Überheblichkeit“

Der amerikanische Politologe und Publizist Andrew Denisson bildete hier einen passenden Counterpart. Er blickte zurück auf die zivilisatorischen Errungenschaften, die Deutschland der US-Politik nach dem Zweiten Weltkrieg verdankt: Freiheit, Demokratie, soziale Sicherheit und Wohlstand. Angesichts dessen konnte er sich eine Spitze gegen manche „moralische Überheblichkeit“ der Deutschen nicht verkneifen. Die Tötung Soleimanis sei vollkommen richtig gewesen: „Man kann nicht mit Don Corleone verhandeln“.

Linken-Politiker Gregor Gysi, ebenfalls auf dem Podium, warf ein, man könne Rechtsbrüche nicht auf dem Weg des Rechtsbruchs bestrafen. Und der vierte Gast der Runde, Pfarrerin Margot Käßmann, verwies auf die Alternativlosigkeit internationaler Diplomatie.

Markus Lanz hielt verblüffend lange Monologe

Aus diesen heterogenen Weltbildern hätte sich manch erhellender Funke schlagen lassen können. Es kam nur leider nicht dazu, weil Moderator Markus Lanz in hochemotionalen und mitunter frappierend langen Monologen immer wieder den Kurs der Diskussion änderte – und dabei auch vollständig irrelevante Informationen einstreute wie diejenige, er habe Gregor Gysi einmal in Tel Aviv am Flughafen getroffen.

So wurde die Frage nach Trumps folgenreichem Ausstieg aus dem Nuklearabkommen mit dem Iran nicht ausreichend vertieft, weil alles andere ja unbedingt auch vorkommen musste: Erdogan und Libyen, die Hamas und die Hisbollah, der Stellvertreterkrieg im Jemen, die besondere Bedrohungslage Israels und vieles andere mehr.

So wurden der Vorgeschichte des Anschlags auf Soleimani, die gezielten Nadelstiche des Iran gegen die USA in den vergangenen Monaten, nur ein paar Sekunden gewidmet. Und gänzlich unterbelichtet blieb die spannende Frage nach den Zukunftsperspektiven.

Lanz’ Moderation: Stichworte allein genügen nicht

Man kann die Nahost-Problematik aber nicht in Stichworten, Anekdoten und Gedankensprüngen abhandeln – es sei denn, man will sein Publikum frustrieren. Die Aufgabe des Moderators wäre es gewesen, die ausufernde Diskussion mit viel klareren und viel kürzeren Fragen zu fokussieren.

Das gelang ihm an diesem Abend leider nicht. Gregor Gysis launige Erinnerungen an die Politik und Margot Käßmanns Auskünfte zu ihrem neuen Buch über Freundschaften mochten da nur bedingt versöhnlich stimmen.

Markus Lanz: So liefen andere Sendungen

Zuletzt hatte Markus Lanz mit Ex-Bundespräsident Christian Wullf gesprochen. Der hatte erklärt: „Ich habe alle verloren.“ Als der Moderator im Dezember den umstrittenen Ex-Verfassungsschutz-Chef zu Gast hatte, wurde Lanz anschließend für seine deutlichen Worte gegen Maaßen gefeiert.