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Harald Schmidt: „Ich nehme den Rechtsruck nicht wahr“

Entertainer Harald Schmidt spielt im aktuellen Rosamunde-Pilcher-Film mit. Wie er dazu gekommen ist, erzählt Schmidt im Interview.

Blendet alles Negative aus: Harald Schmidt, hier im Herbst bei seinem Bühnenprogramm „Echt Schmidt“.

Blendet alles Negative aus: Harald Schmidt, hier im Herbst bei seinem Bühnenprogramm „Echt Schmidt“.

Foto: dpa Picture-Alliance / Christoph Schmidt / picture alliance/dpa

München. „Ich lese nichts gegen. Das ist ja öde.“ Harald Schmidt will seinem Interviewer vertrauen – anders als andere Kollegen aus der Showbranche, die ihre Texte vor Veröffentlichung überprüfen: „Das ist der Mob, mit dem wir uns hier nicht vergleichen wollen.“

Teil dieser Ironie ist freilich, dass sich der 62-Jährige gleichzeitig in eher seichte Gewässer begibt. Der Grund für das Gespräch ist nämlich sein Gastspiel als Journalist in der Rosamunde-Pilcher-Verfilmung „Der magische Bus“, die am 1. Dezember um 20.15 Uhr im ZDF läuft.

Was für eine Herausforderung ist es für Sie, in einem Pilcher-Projekt zu spielen?

Harald Schmidt: Sie müssen das Genre ernst nehmen. Und Dreharbeiten sind Dreharbeiten, ob Sie jetzt in einer sozialkritischen Schmonzette in der Lausitz herumsitzen, den Paten machen oder die heile Welt mit ihren Konflikten verfilmen: Sie müssen den Text können und auf die Markierungen achten.

Das ist schon Ihr zweiter Pilcher-Einsatz. Wie erklärt sich Ihr Hang zu solchen Rollen?

Schmidt: Zum einen ist Cornwall eine extremst fantastische Umgebung, und die Produktion ist sehr gut organisiert – äußerst professionell, hochangenehme Kollegen.

Brauchen Sie das selbst auch: Herzkino und Eskapismus?

Schmidt: Eskapismus ist mein Dauerzustand. Da schaue auch ganz gerne mal in solche Filme rein.

Wie schaffen Sie sich eigentlich diesen Weltflucht-Zustand?

Schmidt: Indem ich alles ausblende, was negativ ist. Denn ich sage: Da kann man eh nichts dran ändern. Das mediale Dauerfeuer versuche ich weitgehend zu ignorieren.

Und was außer Herzkino beschert Ihnen noch das Gefühl von heiler Welt und Wohlbehagen?

Schmidt: Ich finde das zum Beispiel, wenn ich „Tagesschau“ oder den „Tagesthemen“-Kommentar sehe. Da sage ich: „Guck mal, das ist auch noch letztes Jahrhundert. Die alte Bundesrepu­blik funktioniert noch prima.“

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Aber ganz so positiv sind ja die Nachrichten selbst dort nicht.

Schmidt: In zwei Tagen interessiert doch keines dieser Themen jemand mehr. Was hat man nicht schon alles an Weltuntergangsszenarien erlebt, und trotzdem geht die Sonne auf.

Und es gibt wirklich keine Themen in der Weltpolitik, die Sie beunruhigen könnten?

Schmidt: Nicht dass ich wüsste. Sagen Sie mir ein Thema, was sich länger als zwei Tage hält. Ein gewisser US-Präsident? Bei dem ändern sich die Schlagzeilen doch ständig. Beim Brexit konnten Sie die Uhr danach stellen, dass man kurz vor dem 31. Oktober noch etwas aus der Tüte zieht und bis Januar verschiebt. Und, und, und. Diese ganzen Aufgeregtheiten lösen sich irgendwann von selbst auf.

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Und der vielzitierte Rechtsruck?

Schmidt: Den nehme ich nicht wahr. In meiner Umgebung nicht und bei mir sowieso nicht. Und die Interpretation von Wahlergebnissen ist nicht meine Aufgabe. Das einzige Thema, das meiner Meinung nach nicht richtig behandelt wird, ist der demografische Wandel. Wenn die Babyboomer in Rente gehen, ist die Frage, wie das alles auf dem Niveau finanziert werden soll. Dieses Thema wird in Zukunft richtig groß, und da stelle ich mich mental ein bisschen drauf ein. Aber ansonsten sehe ich alles mit einer mediterranen Entspanntheit.

Teilt eigentlich Ihre Lebensgefährtin Ihre entspannte Einstellung?

Schmidt: Ich kann Ihnen gerne eine Fantasieantwort geben, wie immer. Ich gehöre nicht zu denen, die sagen, ich spreche nicht über mein Privatleben. Vielmehr lüge ich der freien Presse die Hucke voll. Und Sie können schreiben, was Sie wollen.

Und Sie verlieren Ihre Gelassenheit auch wirklich nie?

Schmidt: In meiner Wahrnehmung nicht. Es gibt für mich keinen Grund, mich in irgendeiner Art aufzuregen. Es ist mein Leben natürlich noch deutlich entspannter geworden, weil ich niemand gegenüber mehr für etwas verantwortlich bin und keine Produktionsfirma mehr habe. Ich stehe jeden Morgen auf, trinke einen Kaffee, gucke aus dem Fenster und sage: „Wird ein schöner Tag.“ Und manchmal auch am Abend: „War ein schöner Tag.“

„Der magische Bus“, 1. Dezember, 20.15 Uhr, ZDF