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„Maischberger“: Politikwissenschaftler pfeift Meuthen zurück

Bei „Maischberger“ gingen einem Politikwissenschaftler die Fragen an AfD-Chef Meuthen nicht weit genug. Er kaperte die Moderation.

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Berlin. Bei „maischberger. die woche“ ging es am Mittwochabend um den kommenden AfD-Parteitag sowie den wohl größten Kunstraub der vergangenen Jahre. Der Ausgang beider Themen ist ungewiss. Werden die Einbrecher des Grünen Gewölbes in Dresden gefasst? Kommt es wieder einmal zum Eklat beim AfD-Parteitag? Sandra Maischberger wollte darauf Antworten finden. Doch stattdessen übernahm ein Gast die Moderation und versuchte AfD-Chef Jörg Meuthen kritische Fragen zu stellen. Doch das gelang überhaupt nicht.

Am kommenden Samstag trifft sich die AfD zum Bundesparteitag in Braunschweig. In den vergangenen Jahren ging es bei den Treffen regelmäßig zur Sache. Auch diesmal dreht sich der Parteitag in erster Linie um Personalfragen, die Posten der beiden Co-Vorsitzenden stehen zur Wahl. Und zumindest die Wahl zu einem der beiden Posten könnte für einen weiteren Rechtsruck der AfD sorgen.

„maischberger. die woche“ – das waren die Gäste:

  • Jörg Meuthen (AfD), Co-Parteivorsitzender
  • Heide Rezepa-Zabel, Kunstsachverständige
  • Sandra Navidi, Finanzexpertin
  • Jan Fleischhauer, „Focus“-Kolumnist
  • Albrecht von Lucke, Politikwissenschaftler

Jörg Meuthen, der sich zur Wiederwahl stellt, dürfte wohl weiterhin im Amt bleiben. Moderatorin Sandra Maischberger wollte von ihm wissen, ob er auch mit rassistischen oder völkischen Parteikollegen das Amt zusammenübernehmen würde. Denn danach sieht es momentan mit Blick auf die Bewerber aus. Seine widersprüchliche Aussage nahm Maischberger mit zweifelnder Miene auf, aber wollte sich darin offenbar auch nicht allzu sehr vertiefen. Stattdessen konnte sich Meuthen als Vertreter freiheitlicher Werte präsentieren.

Das wiederum sorgte bei Politikwissenschaftler Albrecht von Lucke für einigen Unmut. Als Meuthen eigentlich schon die Sendung verlassen hatte, rief er ihn zurück, um ihm einige kritische Fragen zu stellen. Vor lauter Reden und hastig vorgetragener Kritik vergaß er dabei aber, eben diese Fragen zu stellen – für Meuthen ein einfaches Spiel, das er locker weglächeln konnte. Chance vertan.

Meuthens waghalsige Thesen

Dabei waren es waghalsige Thesen, die Meuthen zuvor tatsächlich in den Raum werfen konnte. „Rechtsradikalismus wird in unserer Partei nicht geduldet“, begegnete er auf eine Frage von Maischberger zum Einfluss des völkisch-nationalen „Flügels“ in der Partei.

Und er ging noch weiter, machte seine persönliche Karriere von der Entwicklung der AfD abhängig: „Wenn sich meine Partei in eine antisemitische, rassistische Ecke entwickelt, ist das nicht mehr meine Partei“, sagte Meuthen. Doch ob er das selbst ernst meint, dürfte mehr als fraglich sein – bekanntlich ist die AfD bereits wegen dieser Tendenzen im Blick des Verfassungsschutzes.

Die Prophezeiung

Immerhin herrschte in der Runde eine überraschende Einigkeit über den Ausgang des Mitgliederentscheids zum SPD-Vorsitz: Ohne kleinsten Zweifel wurde Finanzminister Olaf Scholz schon als neuer Vorsitzender der Sozialdemokraten analysiert. Albrecht von Lucke gab Scholz Tipps für die nächsten Monate. Dabei lagen im ersten Wahlgang das Team Scholz/Geywitz nur minimal vor Saskia Esken und Norbert Walter-Bojans.

Das Fazit

„maischberger. die woche“ entwickelt sich immer mehr zum platten Fernsehstammtisch. Das lag in dieser Sendung sicherlich auch an den drei männlichen Gästen, die ihre Meinung bekanntlich selten zurückhaltend präsentieren. Da half auch kein Exkurs zur „barocken Prachtentfaltung des 18. Jahrhunderts“, wie ihn Kunstexpertin Heide Rezepa-Zabel noch schnell am Ende der Sendung angesichts des Werts der gestohlenen Diamanten in Dresden referierte.

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Die Sendung hastete vom einen zum nächsten Thema, blieb dann doch wieder irgendwo hängen, um aber zügig wieder ein neues Thema aufzuwerfen. Das mag kurzweilig sein – lässt die Zuschauer aber ratlos zurück.