ARD-Krimireihe

„Tatort“ aus Luzern: Abschied von diesem Krimi fällt leicht

Der letzte Schweizer „Tatort“ vor dem Wechsel zu neuen Kommissaren in Zürich enttäuscht. Schwaches Drehbuch, schlechte Synchronisation.

Kein Raum, kein Elefant. Kommissar Reto Flückiger (re.) in seinem letzten Fall mit seltsamen Titel.

Kein Raum, kein Elefant. Kommissar Reto Flückiger (re.) in seinem letzten Fall mit seltsamen Titel.

Foto: Ho / ARD Degeto/SRF/Daniel Winkler

Essen.  Mit dem 18. Fall, dessen verquerer Titel „Der Elefant im Raum“ sich nie auch nur ansatzweise erschließt, verabschiedet sich der „Tatort“ Luzern von der Krimi-Landkarte. 2020 schickt das Schweizer Fernsehen SRF ein neues Ermittlerteam in Zürich an die Ermittlerfront. Den Zürichern kann man nur Glück wünschen – und zum Start vor allem ein besseres Drehbuch als das, mit dem hier der Abschied von Flückiger und seiner Kollegin Liz Ritschard (Delia Mayer) leicht gemacht wird.

„Global denken, lokal handeln“ und „mehr Gemeinsamkeit wagen“: Dass ausgerechnet der skrupellose Regierungsrat Planker (Andrea Zogg) solche Sprüche von sich gibt, strapaziert Reto Flückigers (Stefan Gubser) Duldsamkeit. Der Kommissar bedauert schon, seine Freundin zu dieser Raddampfer-Fahrt begleitet zu haben, auf der Luzerns Elite aus Wirtschaft, Politik und Society sich und das 100-jährige Bestehen der Industrie- und Handelsvereinigung Luzern feiert. Doch der Vierwaldstätter See ruht nicht mehr lange still und starr.

„Tatort“ aus Luzern: Kapitän tot, Passagier vermisst

Erst lässt Planker den unbequemen grünen Kantonsrat Bernhard Ineichen mit unsanfter Gewalt aus dem Saal entfernen. Dann feuert ein finsterer Kapuzenträger mit einer Signalpistole in die Feierrunde. Lichtblitze, berstende Scheiben, Rauch, gellende Schreie. Panik bricht aus. Als sich die Lage beruhigt, ist der Kapitän tot. Und ein Passagier, Ineichen, ist verschwunden. War er der Täter? Oder wurde er selbst Opfer des Anschlags?

Flückiger und seine Kollegin Liz Ritschard (Delia Mayer) finden heraus, dass der Kantonsrat einiges an möglicherweise brisantem Material zusammengetragen hatte: über das Schweizer Bankenwesen, über Fake News und über ein großes Schweizer Rüstungsunternehmen, das vermutlich in illegale Waffengeschäfte verwickelt ist und ausgerechnet von Plankerts nicht minder skrupellos-korruptem Sohn geleitet wird.

Action allein reicht einfach nicht

Dann taucht auch noch der zwielichtige Betreiber des alternativen Nachrichtenportals „Veritas News“ auf. Der selbstherrliche Frédérik Roux (Fabian Krüger) hält offenbar wichtige Informationen bewusst zurück, ergeht sich stattdessen mit dem Hinweis auf Pressefreiheit in den wildesten Spekulationen und diskreditiert die Beamten, wo immer es geht. Sogar auf Flückigers Chef Mattmann fällt ein Schatten.

Action, von der es hinreichend gibt, allein reicht einfach nicht, wenn jeder Einfall, jeder Handlungsverlauf, jede „Systemkritik“ prompt ins Oberflächliche, ins Plakative abgleitet. Wenn die Ausgestaltung einer Idee, etwa beim Planker-Strang, sich in Klischeebildern erschöpft oder in der viel zu grellen, rundum unglaubwürdigen Karikatur eines abgrundtief böswilligen Fake News-Produzenten mündet.

Der erschreckend schlecht nachsynchronisierte Film (Hochdeutsch statt Schweizer Dialekt) behauptet, statt zu begründen. Bis zur recht trivialen Auflösung, zu der es noch einmal eine feurige Explosion gibt. Dann ruht der Vierwaldstätter See wieder still und starr.

• ARD, Sonntag, 27. Oktober, 20.15 Uhr