TV-Krimi

„Tatort“: Warum Luzern endet und wie die Schweiz weitermacht

Das Luzern-Team des „Tatorts“ wird vom SRF in Rente geschickt. Warum es nicht mehr ermittelt und wie es in der Schweiz weitergeht.

"Tatort": Das sind fünf spannende Fakten

Das sind 5 spannende "Tatort"-Fakten

Beschreibung anzeigen

Berlin. Sie hatten einen schweren Start – und ihre „Tatort“-Folgen sind nicht unbedingt die mit der größtmöglichen Aufmerksamkeit. Wenn Liz Ritschard (Delia Mayer) und Reto Flückiger (Stefan Gubser) in Luzern ermitteln, ist das treue Publikum der TV-Krimi-Reihe zwar auch dabei. Aber bei weitem nicht in rekordverdächtiger Zahl.

Entsprechend wird der Abschiedsschmerz vieler Zuschauer wohl auch erträglich sein. Das Schweizer Ermittler-Duo hatte mit „Der Elefant im Raum“ seinen letzten Auftritt. Damit ist Luzern als „Tatort“-Standort vorerst Geschichte.

„Tatort“ am Ende: Warum wurde Luzern eingestellt?

Schlicht und einfach: Die Quoten waren bei weitem nicht so berauschend, wie man das von den deutschen Folgen gewohnt ist. So ganz hat das Team den Fehlstart nie auffangen können – die erste Folge, „Wunschdenken“, sollte im April 2011 laufen. Allerdings fand der Sender sie zu schlecht. Es ging zurück in den Schnittraum, vier Monate später durfte das Team dann doch ran.

Luzerner „Tatort“ – wie schlecht waren die Quoten denn?

Unterschiedlich. Allerdings schaffte es der „Tatort“ aus Luzern nie in die Quotenhöhen beliebter deutscher Ermittler. Die Folge „Die Musik stirbt zuletzt“ schaffte es im August 2018 gar nur auf 4,79 Millionen, ein Negativrekord der vergangenen Jahre. Da half es auch nicht, dass es ein spannendes Experiment war – und die Folge in Echtzeit und ohne Schnitte stattfand.

Im Anschluss berauschten auch die Ergebnisse von „Friss oder stirb“ (Dezember 2018, 6,49 Millionen Zuschauer) und „Ausgezählt“ – ein Fehlschlag auf ganzer Linie im Juni 2019 mit sieben Millionen Zuschauern – nicht wirklich.

Schlechter liefen zuletzt nicht viele Folgen – Til Schweigers Kino-Experiment, schon da ein Flop, lockte etwa nur 5,34 Millionen Menschen vor den Bildschirm.

Was sagten die „Tatort“-Darsteller Gubser und Mayer zu dem Ende?

Gubser hatte der „NZZ“ erzählt, der Abschied sei ihm schwergefallen. „Ich muss dazu sagen, dieser Kommissar war tatsächlich eine Traumrolle, ich habe als Kind schon davon geträumt, einmal einen Kommissar zu spielen.“ Als ihm gesagt wurde, dass Luzern beendet wird, „bin ich zunächst in ein tiefes Loch gefallen.“

Kollegin Mayer sprach mit der „Schweizer Illustrierten“: „Fast acht Jahre sind eine lange Zeit und mein Austritt war seit Längerem geplant“, sagte sie. Dem neuen Team aus der Schweiz wünsche sie „frischen Wind für den Neustart.

Was wissen wir zu dem neuen Schweizer „Tatort“?

Es geht nach Zürich. Anna Pieri Zuercher und Carol Schuler sind die neuen Kommissarinnen. Schuler verkörpert die Fallanalytikerin Tessa Ott. An ihrer Seite ermittelt Zuercher als Isabelle Grandjean – während ihre Kollegin aus gutem Haus stammt, wuchs sie in einer Arbeiterfamilie auf. Wurde dann Juristin, arbeitete in Den Haag am Staatsgerichtshof und seit fünf Jahren in Zürich.

Warum gibt es 2020 nur eine Zürich-Folge vom „Tatort“?

Einen Termin für die erste Folge gibt es, allerdings vorab schon schlechte Presse Richtung SWR. Denn: 2020 soll es nur eine Folge aus der Schweiz geben. Der zuständige Sender SRF begründete das mit Sparzwang. Die Werbeeinnahmen gingen zurück. 2021 sei aber alles wieder wie gewohnt, es sind zwei Folgen geplant.

Die Boulevardzeitung „Blick“ kritisierte die Entscheidung als überhastet. Man könne kein neues Team etablieren, wenn die Zuschauer es so selten sehen.

Vergangene Woche ging es im Tukur-„Tatort“ um Kannibalismus – wenn Menschen Menschen essen. Der vorangegangene Luzern-“Tatort“ warf eine ganz andere Frage auf: Eingesperrt – rettet Urin vorm Verdursten? (ses)