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„Hart aber fair“: Populisten-Talk war ein Schuss in den Ofen

Die Moderation schwach, das Gegenlager passiv: Bei „Hart aber fair“ zum Thema Trump und Johnson dominierten die Populismus-Versteher.

Bei „Hart aber fair“ hatten vor allem zwei Gäste das Sagen: der Republikaner Ralph Freund (l.) und der Politikwissenschaftler Christian Hacke (M.). Immerhin Norbert Röttgen (r.) gab hin und wieder Kontra.

Bei „Hart aber fair“ hatten vor allem zwei Gäste das Sagen: der Republikaner Ralph Freund (l.) und der Politikwissenschaftler Christian Hacke (M.). Immerhin Norbert Röttgen (r.) gab hin und wieder Kontra.

Foto: Screenshot / ARD MEDIATHEK

Berlin.  „Hart aber fair“ steht immer mal wieder in der Kritik. Zu viel AfD, zu viel Migration – der Talk von Frank Plasberg sah sich in der Vergangenheit häufiger dem Vorwurf ausgesetzt, auf populistische Themen und entsprechende Gäste zu setzen.

Alles übertrieben? Am Montagabend wurde diese Kritik ein Stück weit bestätigt. Dabei ging es eigentlich um ein relativ harmloses Thema: „Trump und Johnson unter Druck – Endspiel der Populisten?“ war die Sendung überschrieben.

„Hart aber fair“: Viel Sendezeit für Populismus-Relativierer

Man hätte nun eine seriöse Debatte über die beiden umstrittenen Staatsmänner erwarten können. Doch stattdessen bot die Runde mit dem Politikwissenschaftler Christian Hacke und dem Republikaner Ralph Freund zwei Gäste auf, die den Populismus mit allerlei windigen Argumenten relativierten oder sogar befürworteten.

Hacke etwa machte eine Unterscheidung zwischen „guten“ und „schlechten“ Populisten auf. Während erstere dem „politischen Establishment“ ihre Fehler vorhalten und so Verbesserung erzielen würden, seien letztere an der Zerstörung der Demokratie interessiert. Eine hanebüchene, gefährliche Relativierung, schließlich ist es das Wesen des Populismus à la Trump und Johnson, die Gesellschaft zum Zwecke der eigenen Macht immer weiter zu spalten – und damit letztlich der Demokratie zu schaden.

Als angebliches Paradebeispiel führte Hacke den früheren AfD-Politiker Bernd Lucke an. Das zeigte eine zweite Schwäche des Arguments, schließlich wurde aus der AfD von Lucke die AfD von Gauland, Weidel und Höcke. Die Grenzen des Populismus sind also fließend.

Den Republikaner in der Runde freut‘s

Einen solchen Gedanken wollte Hacke aber offensichtlich nicht zulassen. So ist zu erklären, dass er unwidersprochen ständig darauf hinweisen durfte, dass man doch Form und Inhalt bei Trump trennen müsse. Widerlicher Stil, aber durchaus vernünftige Inhalte, ließ der Politikwissenschaftler durchblicken. Noch so ein Unsinn, denn natürlich gehen Form und Inhalt in der Politik immer Hand in Hand.

Ralph Freund war als Vizepräsident der deutschen Übersee-Republikaner natürlich dennoch erfreut. „Der Stil ist rustikal, aber die Inhalte treffen den Nerv der Zeit“, sagte er. Ein mögliches Amtsenthebungsverfahren gegen Donald Trump? Angeblich aussichtslos.

Das Gegenlager: seltsam passiv

Dass die Debatte viel Zeit auf solch fragwürdigem Terrain verbrachte, wäre für sich genommen nicht mal schlimm. Mit einer einordnenden Moderation und einem kritischen Gegenlager hätte die Diskussion sogar fruchtbar sein können. Doch das passierte kaum.

Die Gegenseite – die ARD-Journalistin Jutta Annette Dittert und der britische Schriftsteller James Hawes – blieben seltsam passiv, obwohl ihnen Freund und Hacke jede Menge Angriffsmöglichkeiten bot. Nur der CDU-Politiker Norbert Röttgen wehrte sich ab und an, etwa als er feststellte, dass Trump von seinen Anhängern vor allem deshalb geliebt werde, weil er ein „Systemzerstörer“ sei.Die Karriere von Donald Trump

Die Moderation: schwach

Ebenso problematisch war allerdings, wie Frank Plasberg auftrat. Immer wieder erteilte er Hacke das Wort und ließ diesen seine Gedanken unwidersprochen in den Raum stellen. Garniert wurde das mit teils hohlen, relativierenden Anmerkungen („In Köln gibt es ja auch schon immer Geklüngel“ – zu Trumps Ukraine-Affäre) und hohlen Fragen („Was ist eigentlich mit denen, die nicht ins Schlachtengetümmel wollen, sondern in der Mitte stehen?“).

Das Fazit

Diese Ausgabe von „Hart aber fair“ war ein Schuss in den Ofen. Ja, es ist legitim, fragwürdigen Perspektiven eine Bühne zu geben. Nur müssen diese dann auch ädaquat konfrontiert werden.

Genau das gelang Frank Plasberg leider nur ein einziges Mal, dafür aber mit Bravour. In Amerika hätten viele Frauen ein anderes Rollenbild als in Europa, sagte der Republikaner Freund, als Plasberg auf Trumps frauenfeindliches Verhalten zu sprechen kommen wollte. Ob das denn Sprüche wie „Grab them by the pussy“ relativieren würde, wollte Plasberg sofort wissen. Freund: „Nein, das tut es nicht.“

Geht doch. Warum nicht öfter!?