TV-Film

„Tatort“ aus Stuttgart: Noch nie war so wenig Krimi

Im Stuttgarter „Tatort“ führt eine Spur in einem Mordfall die Kommissare Lannert und Bootz ins Mittelalter. Der Film ist wenig Krimi.

Vor den Toren Stuttgarts wurde die Leiche eines jungen Mannes gefunden. Thorsten Lannert (Richy Müller, 2.v.re.) und Sebastian Bootz (Felix Klare, li.) sichern Spuren.

Vor den Toren Stuttgarts wurde die Leiche eines jungen Mannes gefunden. Thorsten Lannert (Richy Müller, 2.v.re.) und Sebastian Bootz (Felix Klare, li.) sichern Spuren.

Foto: Handout / SWR/Benoît Lindner

Essen. Mühsam schleppen die Polizeibeamten ihre Ausrüstung durch den Düsterwald auf ein abgelegenes Bergplateau. Dort oben, vor den Toren Stuttgarts, haben Jugendliche bei einem Geocaching-Spiel eine Leiche entdeckt. Der nackte Tote liegt sorgfältig arrangiert in einem weißen Kreis, neben ihm magische Utensilien, auf seiner Brust sind geheimnisvolle Zeichen eingeritzt.

„Tatort“-Regisseur Piotr J. Lewandowski lässt die Szenen am Fundort in lauter kurz aufblitzende Mini-Impressionen zerhacken und macht so zusätzlich klar, was offensichtlich ist: Hier geht es nicht mit rechten Dingen zu.

„Tatort“ aus Stuttgart: Eine bedeutungsschwere Spur

Viel spricht dafür, dass der seit Tagen vermisste Geschichts-Student Marcel Richter Opfer eines okkulten Rituals wurde. Doch weder Mutter (Victoria Trauttmansdorff) noch Kommilitonin Diana Jäger (Saskia Rosendahl) wollen von einer Verbindung zu okkulten Kreisen wissen.

Eine bedeutungsschwer von Ratten und Kakerlaken gesäumte Spur führt die Kommissare Lannert (Richy Müller) und Bootz (Felix Klare) zu dem Privatgelehrten Luxinger (André M. Hennicke), der sich selbst als Hexenmeister sieht.

Er will in einer „magischen Schau“ gesehen haben, dass Marcel ihm ein altes Buch voller Geheimwissen gestohlen hat, und hat den Studenten daraufhin mit einem Schadenszauber belegt. Doch Verfluchen führt normalerweise nicht zum Tod und ist in Deutschland auch kein Straftatbestand. Ganz ohne Ergebnis bleibt der Besuch beim Hexer dennoch nicht: Bootz, der Skeptiker, riecht plötzlich Schwefel, und Lannert hat in der Folge seltsame Visionen.

Nie war ein „Tatort“ weniger Krimi

Dem „Tatort“-Zuschauer sind in der Vergangenheit schon die merkwürdigsten Drehbücher vorgesetzt worden. Doch was Autor Michael Glasauer in seiner Alchimistenküche zusammengebraut hat, dürfte allem die Krone aufsetzen. Nie war ein „Tatort“ weniger Krimi. „Hüter der Schwelle“ erweist sich als schwer verdauliche Mischung aus Regionallegende, Fantasy und Mystery, aufgekocht in der dünnen Brühe der Scheinphilosophie.

Auf der Suche nach dem ominösen Schwarzen Buch, dessen Geschichte bis ins 17. Jahrhundert zurückreicht, wird das Hexeneinmaleins munter durchdekliniert. Offenbar wirkt das unselige Treiben eines fanatischen Hexenjägers im Jahr 1662 immer noch nach, schlechtes Karma von einst hat die Jahrhunderte anscheinend überdauert. Und so geben sich die Ermittler dem Sog des Okkulten hin.

Bootz sucht das „weiße Licht“ in einer anderen Dimension und erfährt im Selbstversuch, wie es ist, wenn sich der Geist vom Körper trennt; Lannert hofft derweil, mittels Magie Erleuchtung in Luxingers (Lux = lateinisch für Licht) Hexenkreis zu finden. Satansmessen gibt es nicht, aber zumindest eine Dämonenaustreibung darf nicht fehlen.

Die Vorliebe der Regie für nachtdunkle, gern in unirdisches Dunkelblau getauchte Bilder macht die Sache kaum besser. Was spannend und gruselig wirken soll, ist oft einfach nur grausig. Dazu passt die Auflösung. Die ist, man kann es nicht anders sagen, ausgesprochen okkult.

• Sonntag, 29. September, um 20.15 Uhr in der ARD