ARD-Krimi

Warum der „Tatort: Maleficus“ unfreiwillig komisch ist

Der neue Odenthal-„Tatort“ wird mit fortschreitender Handlung immer unrealistischer. Am Ende kann man den Film kaum noch ernst nehmen.

Ist eine Welt, in der Verbrechen via künstlicher Intelligenz ausradiert wird, wirklich vorstellbar? Lena Odenthal (Ulrike Folkerts) hat Zweifel gegenüber den Thesen von Prof. Bordauer (Sebastian Bezzel).

Ist eine Welt, in der Verbrechen via künstlicher Intelligenz ausradiert wird, wirklich vorstellbar? Lena Odenthal (Ulrike Folkerts) hat Zweifel gegenüber den Thesen von Prof. Bordauer (Sebastian Bezzel).

Foto: Handout / SWR/Sabine Hackenberg

Essen. Ein leerer Rollstuhl steht am Ufer des Rheins, allein es fehlt der Besitzer. Der Mann von der Spurensicherung glaubt zunächst an einen Selbstmord, doch dafür findet sich keine Spur. „Hier stimmt was nicht“, kombiniert die herbeigeeilte Kommissarin Lena Odenthal (Ulrike Folkerts). Ein Satz, der unfreiwillig komisch wirkt aus dem Mund einer versierten Ermittlerin. Aber von solchen Plattitüden („Was muss da passiert sein?“) gibt es nicht wenige in diesem 69. Odenthal-„Tatort“ namens „Maleficius“. Der Regisseur und Drehbuchautor Tom Bohn mag eine Menge Ideen haben, ausgefeilte Dialoge sind eher nicht sein Ding.

Was die Konstruktion des Plots angeht, fühlt man sich anfangs noch gut aufgehoben. Die Identität des verschwundenen Rollstuhlfahrers Lukas Pirchner führt zu einer Autowerkstatt, in der Ali Kaymaz (immer auf Speed: Gregor Bloéb) Autos frisieren lässt. Zudem veranstaltet er illegale Rennen. Pirchner verdankt einem dieser Rennen seine Lähmung, wollte sich aber angeblich mit seinem Schicksal nicht abfinden.

Gerade schließen Odenthal und ihre Kollegin Johanna Stern (Lisa Bitter) einen Suizid aus, da serviert man ihnen einen echten Mord. Die Tote war Assistenzärztin in der Hirnforschung von Professor Bordauer (Sebastian Bezzel). Dort also, so weiß man inzwischen, wo wohl auch der verschwundene Pirchner sich Heilung versprochen hatte.

Sebastian Bezzels Rolle wirkt unglaubwürdig

Der allmähliche Absturz dieses Krimis beginnt mit der Erscheinung des allmächtigen Professors, der schon ganz nahe am Nobelpreis gewesen sein soll, der aber wegen gewisser Experimente ausgeschlossen wurde. Wenn man ihn hört, dann behandelt er in seinem Institut sicher nicht nur Lähmungen. Offen träumt er vor Odenthal von der Verschmelzung des menschlichen Gehirns mit künstlicher Intelligenz. Sebastian Bezzel spielt diesen Arzt als schlaksiges Genie, das vollkommen von sich eingenommen ist. Es ist schwer, den Schauspieler in dieser Rolle glaubhaft zu finden.

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Das liegt nicht einmal so sehr daran, dass er selbst lange Zeit beim Tatort am Bodensee tätig war. Es ist vielmehr die Komik, die er als bayrischer Dorfpolizist Eberhofer mit sich herumträgt. Vielleicht sollte man alles, was nun kommt, nur noch komisch finden. Die Vorzimmerdame etwa, die mit der Pistole umgehen kann, als seien wir in einem Bond-Film. Einen verrückten „Mad Scientist“, wie aus einem schlechten B-Movie. Und irgendwie auch noch so etwas wie einen verirrten „Robocop“. Man muss allerdings fürchten, dass dies alles ernst gemeint ist.

Eines jedoch hat der Regisseur geschafft: Mit dem Öl und dem Sprit der illegalen Tourenwagen und der klinisch weißen Welt der Wissenschaft treffen sich hier zwei Gegensätze, die sonst nie zusammengekommen wären. Ulrike Folkerts wird auch diese Episode überstehen, um noch 2019 mit ihrem 70. Tatort weiterzumachen. Bewertung: zwei von fünf Sternen.

  • „Tatort: Maleficus“, ARD, Sonntag, 8. September, 20.15 Uhr