Fernsehen

Bauhaus-Serie: Viel Schicksal, viel Kunst, viel Aufbruch

Arte startet Lars Kraumes Bauhaus-Serie „Die neue Zeit“. Sie ist mit August Diehl und Anna Maria Mühe stark besetzt – und sehenswert.

Im Zentrum stehen die Auseinandersetzungen zwischen Walter Gropius (August Diehl) und Dörte Helm (Anna Maria Mühe).

Im Zentrum stehen die Auseinandersetzungen zwischen Walter Gropius (August Diehl) und Dörte Helm (Anna Maria Mühe).

Foto: ANKE NEUGEBAUER / dpa

„Alle erinnern sich an das Bauhaus nur in Schwarzweiß“, stellt Walter Gropius die Dinge sehr viel später richtig. „Aber Farbe war überaus wichtig für uns.“

Der Architekt, in zwei Zeitebenen dargestellt von August Diehl, lebt zu diesem Zeitpunkt bereits in Massachusetts, wo er der ihm gut bekannten Journalistin Stine Branderup (Trine Dyrholm) ein umfangreiches Interview gewährt.

Der Regisseur Lars Kraume nimmt Gropius beim Wort. Für seinen umfangreichen Mehrteiler „Die neue Zeit“ über die Anfänge des Bauhauses 1919 in Weimar wechselt Kameramann Jens Harant immer wieder die Farbgebung.

270 Minuten, die breit ausgreifen

Anfang dieses Jahres hatte die ARD mit dem Film „Lotte am Bauhaus“ bereits auf das Jubiläum dieser außerordentlichen Kunstschule hingewiesen. Damals war das ein Einzelstück über das Schicksal einer fiktiven Frau, in dem auch schon die prekäre Situation der Frauen an dieser Schule thematisiert wurde.

Die 270 Serienminuten von Kraumes Großprojekt jedoch können sehr viel breiter ausgreifen. Die Serie beginnt mit der Begeisterung der ersten Bauhausschüler, die angetreten waren, die Welt mit ihrer Kunst neu zu gestalten.

Eine Euphorie, die angesichts der mannigfaltigen Schwierigkeiten des Bauhauses später auch gedämpft wurde.

Rangeleien zwischen Walter Gropius und Dörte Helm

Eine Serie braucht Protagonisten, von denen es hier nicht gerade mangelt. Im Zentrum aber stehen die ständigen Rangeleien zwischen Gropius und der jungen Dörte Helm (Anna Maria Mühe), die wie alle anderen Charaktere authentisch ist.

Sie ist dem großbürgerlichen Elternhaus entronnen, um am Bauhaus ihre Talente für Malerei und Gestaltung zu schärfen. Doch ihre Vorstellung vom künstlerischen Glück prallt immer wieder gegen Mauern.

Vor allem aber die Tatsache, dass plötzlich alle Frauen erst einmal in der Weberei arbeiten müssen, bringt sie zur Weißglut.

Unterhalb der Gürtellinie

Das Interview erweist sich bei all dem Geschehen im Bauhaus als kundiger Führer. Hier hat Gropius das Wort, hier kann er in Rückblenden seine Sicht erläutern.

Allerdings begibt sich das Drehbuch gelegentlich auch weiter, dringt ein in familiäre Dramen. Was etwa Alma Mahler (Birgit Minichmayr) ihrem Noch-Ehemann Gropius an den Kopf wirft, bewegt sich deutlich unterhalb der Gürtellinie.

Kraume, der auch im Kino erfolgreich ist, bietet für sein Prestige-Objekt eine Schauspielergarde von seltener Opulenz auf. Kein namhafter Lehrer am Bauhaus, der hier nicht seinen Auftritt und seinen Darsteller hat. Viel Schicksal, viel Kunst, viel Aufbruchsstimmung: „Die neue Zeit“ ist ein aufregendes Stück Zeitgeschichte, das den Zuschauer mit hineinsaugt.