ARD-Krimi

„Tatort – Falscher Hase“ – Was genau sind Seltene Erden?

In der Tatort-Folge „Falscher Hase“ geht es um sogenannte Seltene Erden. Was verbirgt sich hinter dem Stoff und wo wird er eingesetzt?

Lukas „Sahni“ Sander (Ronald Kukulies), Uwe Ohlberger (Godehard Giese) und Rick (Friedrich Mücke) in einer Szene des Tatorts „Falscher Hase“ (von links nach rechts).

Lukas „Sahni“ Sander (Ronald Kukulies), Uwe Ohlberger (Godehard Giese) und Rick (Friedrich Mücke) in einer Szene des Tatorts „Falscher Hase“ (von links nach rechts).

Foto: Bettina Müller / dpa

Berlin. Wenn Sie diesen Text lesen, benutzen Sie seltene Erden. Kleine Mengen sind davon in Ihrem Laptop oder Ihrem Smartphone verbaut. Seltene… was? Das mag sich auch der ein oder andere „Tatort“-Zuschauer gefragt haben.

In der Folge „Falscher Hase“ dreht sich alles um die sogenannten Seltenen Erden. Der Frankfurter Retro-Tatort – eine Mischung aus Krimi und Komödie – erzählt die Geschichte von Hajo und Biggi Lohmann, Inhaber der Solar Technology GmbH. Einfache Leute mit kleinkrimineller Energie. Als das Ehepaar mit ihrer Firma pleite zu gehen droht, inszeniert es einen Überfall, um auf diese Weise die Versicherungssumme einzustreichen. Die angeblich gestohlene Ware: seltene Erden.

Für die Zuschauer bleiben diese bloß ein Begriff. Warum braucht eine Solartechnologie-Firma wie die der Lohmanns solche Stoffe? Und was können diese Seltenen Erden eigentlich? Ein Faktencheck.

Was sind Seltene Erden?

17 chemische Elemente im Periodensystem werden Seltene Erden genannt. Dazu gehört die Gruppe der Lanthanoide und die Elemente Scandium, Yttrium und Lanthan. Molekularbiologin Franziska Lederer vom Helmholtz-Institut Freiberg für Ressourcentechnologie weiß: „Es handelt sich um silbrig glänzende, relativ weiche und in der Luft leicht brennbare Metalle, die an der Luft schnell anlaufen und matt werden.“

Wo begegnen uns Seltene Erden im Alltag?

In Smartphones, Laptops, Autos, in Magneten von Windrädern, Motoren und Elektroantrieben, in Katalysatoren, in Batterien, Brennstoffzellen, Poliermittel, in Energiesparlampen, in LED, in Keramik. Die Liste der Anwendungsgebiete ist lang.

Wären die Seltenen Erden als Rohstoffe nicht mehr verfügbar, so würden viele Dinge gar nicht mehr zu produzieren sein. „Sie sind essenzielle ´Vitamine´ für die Entwicklung neuer Technologien, besonders grüner Technologien“, sagt Franziska Lederer. Sie verringerten den Energieverbrauch und würden bei der Herstellung neuer Energieträger helfen.

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Im Tatort ist es eine Solartechnologie-Firma, die Seltene Erden nutzt. Laut Lederer spielen diese hier aber bisher eher eine untergeordnete Rolle. Es gebe jedoch Forschung dazu, wie man mithilfe der Seltenen Erden die Lichtausbeute bei Photovoltaikanlagen verbessern könne.

Sind Seltene Erden selten?

Nein, ganz und gar nicht. Allerdings gebe es nur wenig Gesteinsformationen, wo diese Erden abgebaut werden können und wo sie auch hinreichend konzentriert sind. Die größten Vorkommen finde man in China, sagt Franziska Lederer. Etwa 97 Prozent der Seltenen Erden würden dort gefördert. Allerdings verfüge China nur über ein Drittel der Ressourcen.

Vorräte befänden sich auch in zahlreichen anderen Ländern – von den USA, über Brasilien, Indien und Australien. „Auch in Deutschland gibt es Seltene Erden, zum Beispiel in Storkwitz in Sachsen. Die Vorkommen sind aber zu gering, als dass sich der Abbau lohnen würde“, sagt Franziska Lederer.

Das Ehepaar Lohmann versucht für die vermeintlich gestohlenen Seltenen Erden eine hohe Versicherungssumme einzustreichen. Sind Seltene Erden also wertvoll und teuer?

Nicht so günstig wie Mehl und Zucker, im Vergleich zu Gold sind Seltene Erden aber wirklich nicht teuer. Während laut Lederer Gold etwa 49.620 US-Dollar pro Kilo koste, liege der Preis für Terbium (eine der wertvolleren Seltenen Erden) nur bei 583 US-Dollar pro Kilo. Da die Anschaffung nicht so teuer ist, lohne sich auch ein Recycling der Seltenen Erden derzeit nicht besonders. Darauf aber zielt die aktuelle Forschung von Franziska Lederer und ihrem Team ab.

Recycling Seltener Erden – wie und warum?

Seltene Erden würden bisher wenig bis gar nicht recycelt. Dabei gebe es einige Gründe dafür: „Die reichen Rohstoffquellen verarmen allmählich. Gleichzeitig wird beim Abbau der Seltenen Erden die Umwelt extrem belastet und die Gesundheit der Menschen, die diese Arbeiten machen, stark gefährdet“, sagt Lederer.

Zudem sei die Abhängigkeit von China groß. Mit dem Recycling könne sie verringert werden. „Wann immer China sich nicht gut behandelt fühlt, droht es mit dem Stopp der Exporte, was viele unserer Industriezweige lahmlegt“: Jens Gutzmer, Direktor des Helmholtz-Instituts Freiberg für Ressourcentechnolgie erinnert sich an einen Konflikt zwischen Japan und China 2010/2011, als die Preise plötzlich in die Höhe schossen.

China habe sich damals geweigert, nach Japan zu liefern. Das habe dazu geführt, dass der japanische Automobilhersteller Toyota kurzfristig die Produktion einstellen musste. Panik herrschte daraufhin auch im restlichen Teil der Welt, was zu diesem Preisanstieg führte.

Das Problem beim Recycling: Seltene Erden kämen häufig nur in kleinen Mengen vor – etwa in ausrangierten Elektronikgeräten. Größere Mengen seien in Energiesparlampen zu finden. Mit den klassischen Recyclingmethoden ließen sich die Seltenen Erden nicht gewinnen, sagt Franziska Lederer. Deshalb sei nun die Forschung und damit ihr Team gefragt.