Fernsehen

Warum dieser Berliner „Tatort“ besser als der Schnitt ist

Clans, Drogen und ein Polizistensohn, der auch mal ran will: Der Berliner Tatort zeigt die Hauptstadt als gewohnt raues Pflaster.

Willst Du wirklich Polizist werden? Kommissarin Nina Rubin (Meret Becker) und ihr geschockter Sohn Tolja (Jonas Hämmerle), der mit viel Glück einen Einsatz überlebt hat.

Willst Du wirklich Polizist werden? Kommissarin Nina Rubin (Meret Becker) und ihr geschockter Sohn Tolja (Jonas Hämmerle), der mit viel Glück einen Einsatz überlebt hat.

Foto: Stefan Erhard / RBB / dpa

Berlin. Es riecht nach Routine, und plötzlich liegt die junge Polizistin tot im Flur. Den Praktikanten hat die Schutzweste vor der tödlichen Wirkung von zwei Kugeln gerettet, der Streifen-Kollege liegt angeschossen in der Küche, ein Clan-Mitglied sitzt tot vor ein paar Drogen-Beuteln, und der Schütze ist auf der Flucht.

Wer hier wen kannte und warum hier manches merkwürdig anmutet, wird noch zum Thema werden. So oder so geht es mit voller Wucht rein in diesen Berliner „Tatort: Der gute Weg“, der sich viel vorgenommen hat.

So zerbröselt Berlin im „Tatort: Der gute Weg“

„Das ist nicht mehr unsere Stadt“, stöhnt der Revierchef (Rainer Reiners), als er seinen verletzten Polizeikollegen im Krankenhaus besucht. Und die Frage, wie dieses Berlin nicht nur in seinen finstersten Ecken langsam zerbröselt, beschäftigt Christoph Darnstädt (Drehbuch) und Christian von Castelberg (Regie) in diesem düsteren Krimi spürbar, für den Kameramann Björn Knechtel passend farbentleerte Bilder von der Straße findet.

Die Großstadt rafft zuerst jene dahin, die für Ordnung sorgen sollen. Wen wundert’s da, wenn zermürbte Polizisten auf Streife dem Nachwuchs eintrichtern, sich lieber einen anderen Job zu suchen: „Du musst ständig mit dem Schlimmsten rechnen.“

Der Praktikant (Jonas Hämmerle) will’s trotzdem wissen, und weil er der Sohn von Kriminalkommissarin Nina Rubin (Meret Becker) ist, nimmt die das Blutbad in einer Parterrewohnung persönlich. Das kleine Mutter-Sohn-Drama, das sich nun geradezu aufdrängt, wird unaufdringlich eingebaut und nicht überhöht, der angenehm unaufgeregte Erzählton gibt der Geschichte nach dem harten Einstieg Struktur und Kraft.


Der Streifenpolizist als desillusionierter Straßenkämpfer

Der junge Bursche, der die Glucken-Tour seiner sonst so schnoddrigen Mutter peinlich findet, sucht die Nähe ihres breitbeinigen Kollegen Karow (Mark Waschke). Der führt sich freilich wieder als Berufszyniker auf, wenn er sich gerade mal nicht bemüht, in Macho-Manier die Kollegin aus der Rechtsmedizin (Maryam Zaree) anzubaggern.

Mehr und mehr allerdings rückt der angeschossene Streifenpolizist Stracke in den Blickpunkt, den Darsteller Peter Trabner in einer starken Studie zur traurigen Gestalt eines desillusionierten Mannes veredelt, der zu retten versucht, was noch zu retten ist. Und sei es die Ehe mit seiner Frau (stark: Nina Vorbrodt), deren Verzweiflung über einen alten Schicksalsschlag und dessen Folgen eher im Stillen zu spüren ist.

Ein tragisches Erlebnis verband Stracke mit der erschossenen Kollegin, die ihn offensichtlich wie einen Ersatzvater betrachtete – auch diese Geschichte findet auf elegante Art ihren Weg ins Gesamtgeschehen. So werden die beiden Ermittler in dieser Gemengelage beinahe zu Randfiguren, ohne dass es dem Krimi schaden würde.

Der funktioniert insgesamt auch so gut, weil Christoph Darnstädt ausgesprochen geschickt seine Spuren verstreut, weil es zwischen all den kleinen menschlichen Tragödien immer noch ein paar Rätsel zu lösen gibt. Und das ist mehr, als man im Durchschnitts-Tatort erlebt. (Frank Preuß)

• Sonntag, 5. Mai, 20.15 Uhr, ARD