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Markus Lanz: Ökonom legt sich mit Kabarettisten an

Thema? Egal. Hauptsache, die Gäste bei Markus Lanz zanken sich. Wenn es um das Thema Auto geht, ist Streit ohnehin programmiert.

Markus Lanz

Markus Lanz

Foto: Markus Hertrich / ZDF und Markus Hertrich

Berlin. Das E-Auto wird zum Streitthema bei Markus Lanz: Am Donnerstag ist ein Wirtschaftswissenschaftler heftig mit einem Kabarettist aneinandergeraten. Dabei kann man fast froh sein, dass es das Auto gibt. Sonst wäre man bei „Lanz“ zwischen Zoll und Handelswegen eingeschlafen. Aber dann kam endlich einer, es war der Wirtschaftsexperte Hans-Werner Sinn, der auf das E-Auto eindrosch. Und ein Kabarettist gab ihm Saures.

Der Heilsbringer E-Auto eine schlimmere Dreckschleuder als der Diesel? Grund, dass Kabarettist Florian Schröder vor Entrüstung auf den Putz haute. Sollen doch alle Autos abgeschafft werden! Sein Blutdruck schien von Minute zu Minute zu steigen.

Markus Lanz: E-Auto als Buhmobil

Putzig: Der Mann war eigentlich deshalb eingeladen, seine These zu veräußern: Die Menschen seien heute leichter reizbar als früher. Schöne Pointe: Er konnte sich als Prototypen gleich selbst beglückwünschen.

Hans-Werner Sinn, der Ökonom und E-Auto-Infragesteller, hatte mit einer Studie der Uni München bereits in den letzten Tagen für Aufsehen gesorgt: E-Autos hätten eine schlechtere CO2-Bilanz als Diesel, behauptet er. Komisch, dass Lanz ihn erst ewig über Handel, über Häfen und Expansion hat reden und reden lassen, statt direkt auf das Lieblingsthema der Deutschen zu kommen: Auto! Auto geht doch immer.

Endlich konnte Lanz auch wieder mitreden. Vorher war es ihm doch zu abstrakt. Ja-ja, hm-hm. Mehr kam nicht wirklich mit bei diesen Wirtschaftsthemen. Aber das E-Auto als Buhmobil, da blühte der Moderator wieder auf. Hielt dagegen, sagte, dass die Studie doch von alten Zahlen ausgehe. Und damit doch vielleicht Unfug sei.

Da schmunzelte der Wissenschaftler, redete das Ganze schön, bis schlussendlich keiner – auch Lanz nicht – nichts mehr verstand: Komplizierte Formeln fliegen hin und her. Ein typisches Beispiel, dass Reden auch nicht immer hilft.


Beim Thema Auto steigt der Puls

Lanz kann nicht glauben, dass das E-Auto ab 2020, wenn die Atomkraftwerke abgeschaltet sind und fossile Energie verwendet werden müssten, aus dem schönen E-Traumauto eine noch größere Dreckschleuder werden soll.

Das ist das Signal für den Auftritt von Kabarettist Florian Schröder, der später ja noch naseweis über die Reizbarkeit der Menschen (bezogen auf Meckerer in seinem Kabarettistenprogramm) dozieren wollte. Jetzt gibt er schon mal vorab den Gut-Menschen: Er, Schröder, habe kein Auto! Und auch keinen Führerschein. Er fahre Bahn! Und er finde es seltsam, dass einem überalteten Verkehrsmittel wie dem Auto so viel Sendezeit eingeräumt werde.

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Das war wie Öl im Getriebe für den Ökonom, der seine Drehzahl erhöhte: „Sie können doch nicht einfach das Auto abschaffen wollen!“ „Dooch!“ „Sie wollen das nicht den Menschen überlassen? Sie, der noch nie Auto gefahren ist!“ Der Bahnfahrer konterte: „Das ist doch ein ganz billiges Populismusargument.“

Gäste bei Lanz wurden zum echten Comedypaar

Und Markus Lanz war endlich, endlich zufrieden. Zoff in der Bude. Das lenkt auch immer ein bisschen davon ab, dass die Gäste wahllos zusammengestellt wirkten.

Glück also, dass Herr Sinn und Herr Schröder zum echten Comedypaar wurden. Schon als es um den Handel und die Zölle ging, und Sinn dann bei China landete, lieferten sich die beiden Szenen wie einst Dick und Doof.

Dass China ein Punktesystem für angemessenes oder unangemessenes Sozialverhalten auflegt, führte Schröder aus und geriet in bester Selbstinszenierung in Rage. „Wer bei Rot über die Ampel geht, erhält Minuspunkte. Wer eine alte Dame über die Straße führt, Pluspunkte. Und wenn die Minuspunkte ein gewisses Maß erreicht haben, dann wird die Kreditkarte gesperrt.“

Markus Lanz – Hauptsache, die Gäste zanken sich

Sinn lehnt sich lächelnd zurück und setzt mit fast meditativer Miene seinen Kommentar ab: „Das hat etwas mit dem Buddhismus zu tun“, sagt er. „Das Punktesystem steht für das Karma.“ Aha.

Schröder, der Reizbarkeitsdozierer, sprüht vor Erregung. Das Punktesystem auf den Buddhismus zu beziehen, sei eine komplette Pervertierung. Eine Frechheit geradezu! Am Ende ist es einem auch egal, Buddhismus, Diesel – Hauptsache, die beiden zanken sich bitte noch weiter.

Ist jedenfalls unterhaltsamer als das Leben der Ameisen. Nichts gegen die Ameisenforscherin, deren Arbeitsgebiet Lanz ja „soooo faszinierend“ fand. Gar nichts. Aber gegen Dick und Doof – keine Chance. (Petra Koruhn)

Markus Lanz in der Mediathek anschauen

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