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Warum der Streamingdienst Netflix dringend mehr Geld braucht

Immer mehr Filmstudios planen eigene Streamingdienste und werden so zur Konkurrenz zu Netflix. So will das Unternehmen gegensteuern.

Netflix kämpft mit der Konkurrenz.

Netflix kämpft mit der Konkurrenz.

Foto: Matt Rourke / dpa

Berlin.  Im amerikanischen Heimatmarkt von Netflix ist die Sache relativ einfach: Hier ist die Streamingplattform aus dem kalifornischen Los Gatos unangefochtener Marktführer. Bereits 2017 hatten 43 Prozent aller US-Haushalte Netflix abonniert. Die Preiserhöhung, die der Dienst für den amerikanischen Markt Anfang des Jahres verkündete, dürfte problemlos durchzusetzen sein.

Das sieht in Deutschland, wo 2017 laut dem Marktforschungsinstitut Goldmedia überhaupt nur 18 Prozent der Haushalte einen Streamingdienst abonniert hatten und wo der Marktführer Amazon und nicht Netflix heißt, schon ganz anders aus.

Folglich haben die Kalifornier bei ihrer am Donnerstag verkündeten Preiserhöhung für den deutschen Markt den Einsteigertarif von monatlich 7,99 Euro unangetastet gelassen. Derselbe Tarif wurde in den USA von 7,99­ auf 8,99 Dollar angehoben.

In Deutschland steigt nur der Preis für das Basis-Abo, das Bilder im HD-Standard und die Nutzung von zwei Geräten beinhaltet, von 10,99 auf 11,99 Euro sowie für das Premium-Abo – mit Ultra-HD auf bis zu vier Geräten – von 13,99 auf 15,99 Euro. Mehr geht im preissensiblen deutschen Markt nicht.

• Hintergrund: Darum sind Pläne für ein deutsches Netflix fromme Wünsche

Dabei ist Netflix auf Preiserhöhungen dringend angewiesen. Denn nahezu alle Hollywood-Studios planen eigene Streamingdienste. Das ist für Netflix ein Problem, weil die Studios das Unternehmen bisher mit ihren Produktionen beliefern. Zwar wird Netflix vor allem wegen exklusiver Eigenproduktionen wie „House of Cards“ oder „Narcos“ abonniert. Aber was dort am meisten gesehen wird, ist Hollywood-Ware wie „Big Bang Theory“ oder „How I Met Your Mother“. Es ist absehbar, dass Netflix solche Serien durch Eigenproduktionen ersetzen muss. Deshalb wird die Plattform ihren Etat für Inhalte 2019 voraussichtlich auf zwölf Milliarden Dollar steigern – eine Verdoppelung innerhalb von nur zwei Jahren.

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Die „B.Z.“ beendet ab Mai ihren Frühandruck. Das bestätigte ein Verlagssprecher auf Anfrage. Der Nachtverkauf in Gaststätten wurde bereits zum Jahresbeginn gestoppt. Dem Vernehmen nach wird durch den einheitlichen Drucktermin um 22.15 Uhr ein sechsstelliger Betrag eingespart.

(Kai-Hinrich Renner)

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