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Illner: Klima-Aktivistin knöpft sich CDU-General Ziemiak vor

Bei Maybrit Illner ging es um die neue Protestlust der Jugend. Eine Studentin ließ den 33-jährigen CDU-General Ziemiak alt aussehen.

Skandale und Gäste-Rankings: Diese fünf Dinge muss man über Polit-Talkshows wissen

Ob "Anne Will", "Hart aber Fair", “Maybrit Illner“ oder “Maischberger“: Polit-Talkshows prägen unsere politischen Debatten. Fünf Dinge, die man über dieseTalkshows wissen muss.

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Berlin. Das hat sich Paul Ziemiak bei Maybrit Illner wohl so gedacht. Dass es schon reichen würde, der „Fridays for Future“-Bewegung die Ernsthaftigkeit abzusprechen, da sie der Politik nicht exakt sagt, wie denn nun das Klima gerettet werden kann. Dass das Thema damit schon fast wieder durch sei. „Ihr müsst bitte noch einen Schritt weitergehen“, belehrte Ziemiak seine Sitznachbarin, die Studentin Carla Reemtsma aus Münster.

Doch die junge Frau zeigte am Donnerstagabend bei Maybrit Illner, dass es den jungen Menschen, die freitags Uni oder Schule sausen lassen, sehr ernst ist. Dass sie sich nicht so leicht abspeisen lassen. „Ihr habt doch einen riesigen Beraterstab!“, hielt sie Ziemiak unter Applaus entgegen. „Wieso erwartet ihr von Schülerinnen und Schülern, dass sie euch erklären, wie ihr die Klimaziele einhaltet, die ihr selbst unterzeichnet habt?“.

Auch bei anderen Themen konnte Ziemiak nicht gerade überzeugen. Auf Twitter sorgte sein Aufritt für Kritik und bissige Kommentare.

Maybitt Illner: Das waren die Gäste zum Thema „Jugend demonstriert – Politik ignoriert“

Paul Ziemiak, CDU-Generalsekretär

Felix von der Laden, Youtuber

Carla Reetmsa, „Fridays for Future“

Stefan Aust, Journalist

Eckart von Hirschhausen, „Scientists for Future“

Ziemiak zur Klimapolitik bei Illner – Haltung wie ein Urgestein

Ziemiak, der an anderer Stelle erklärte, nicht im Kapitalismus zu leben, sondern in der sozialen Marktwirtschaft, sah an diesem Abend alles andere als gut aus. „Jugend demonstriert – Politik ignoriert?“ lautete das Thema bei Maybrit Illner. Und der Generalsekretär, selbst erst 33 Jahre alt, klang wie jemand, der schon seit Jahrzehnten Politik macht. Und der nur noch wenig Verständnis für den Frust der Jugend aufbringen mag.

Ziemiak lud die Studentin Reemtsma und ihre Mitstreiter ins Konrad-Adenauer-Haus nach Berlin ein. Dort könne man über das Thema ja sprechen. Die Umwelt-Aktivisten hätten so auch mal die Gelegenheit, Jugendvertretern jener Unternehmen zu treffen, die wegen strenger Klima-Gesetze schon bald vor dem Aus stehen könnten. „Das tut euch auch mal gut“, meinte er.

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Studentin: Deutschland muss seine eigenen Ziele einhalten

Doch Carla Reemtsma ließ sich von den altklugen Äußerungen des CDU-Generals nicht beeindrucken. Es war interessant zu sehen, wie sich die Studentin schlug. Schon am Montag bei „Hart aber fair“ zeigte die 22-jährige Luisa Neubauer – das Gesicht der deutschen „Fridays for Future“-Bewegung“ – dass sie vor großen Namen keine Angst hat. „Welt“-Chefredakteur Ulf Poschardt und VW-Boss Herbert Diess bot sie da überzeugend Paroli.

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Auch Illners Gast Reemtsma sagte frei heraus, was sie denkt. „Wir berufen uns auf das Pariser Klimaschutzabkommen. Es kann nicht sein, dass ein Land wie Deutschland es nicht schafft, seine eigenen Ziele einzuhalten“, sagte sie. Deswegen seien die Proteste notwendig – gerade während der Schulzeit. An Selbstbewusstsein mangelte es der Politikstudentin jedenfalls nicht.

Kabarettist von Hirschhausen bei Illner: „Die Idee von Wachstum ist krank“

Fairerweise muss man aber sagen: Reemtsma stand in Illners Runde nicht alleine da. Die Klima-Aktivisten bzw. deren Sympathisanten waren in der Mehrzahl. Unterstützung erhielt sie von Eckart von Hirschhausen. Der Mediziner und Kabarettist unterstützt die Proteste der Schüler und Studierenden. „Der Planet hat Grenzen.

Die Idee von Wachstum, Wachstum, Wachstum ist krank“, sagte er. Von Hirschhausens These, wonach Deutschland schon heute komplett auf Atom, Kohle und Gas verzichten könne, stieß bei „Welt“-Herausgeber Stefan Aust und CDU-General Paul Ziemiak erwartungsgemäß auf Ablehnung.

YouTube macht bei Maybrit Illner gute Figur

Und dann war da noch Felix von der Laden. Da Maybrit Illner das Thema Protest weiter fasste, nicht nur über Umwelt, sondern auch Netzthemen sprechen wollte, passte der YouTube-Blogger gut in die Runde. Noch ein junger Mensch. Und noch jemand, der für ein Thema brennt – die Freiheit im Internet.

Upload-Filter als Instrument der Zensur?

Erst kürzlich gingen gegen die umstrittene EU-Urheberrechtsreform Zehntausende auf die Straße. In der Kritik stehen vor allem sogenannte Upload-Filter, also Software, die schon beim Hochladen prüft, ob Material gegen Urheberrecht verstößt. Auch Felix von der Laden sieht darin vor allem ein Instrument der Zensur. So werde Meinungsfreiheit im Netz beschränkt.

Die von Paul Ziemiak vorgetragene Idee, wonach nur Dateien mit einer digitalen Signatur – etwa Filme – von Plattformen wie YouTube auf Urheberrechtsverstöße kontrolliert werden sollen, bezeichnete von der Laden als „Scheißlösung“. Kleinere Plattformen könnten das nicht leisten, YouTube sei nicht das ganze Internet.

Ziemiak kommt bei Illner nur noch kaum zu Wort

Von der Laden redete sich so sehr in Rage, dass selbst CDU-General Ziemiak kaum noch zu Wort kam. „Wollen Sie überhaupt hören, was ich zu sagen habe?“, fragte der den YouTuber irgendwann entnervt. Es sah zumindest in diesem Moment nicht so aus.

Am Ende war es Eckart von Hirschhausen, der die beiden Stränge der Sendung zusammenführte. Das Internet, sagte er, sei der viertgrößte Stromverbraucher. Jede Google-Suche bläst CO2 in die Luft. Die Jugendlichen werden mit ihrem Protest auch dieses Problem nicht lösen. Aber sie können zumindest weiter den Finger in die Wunde legen.

So reagieren Nutzer auf den Ziemiak-Auftitt bei Illner

Auch auf Twitter sorgte der Auftritt CDU-Generalsekretärs für Erheiterung. Eine Auswahl der Kommentare:

• „Grill den Ziemiak... @maybritillner ist heute ein Format ganz nach meinem Geschmack.“

• „Ein furchtbar nerviger Mensch.“

• „#Ziemiak kritisiert, dass #Barley so abgestimmt hat, wie seine eigene Partei es penetrant propagiert hat, und ist damit so glaubwürdig wie ein Veganer mit Schlachtplatte auf dem Teller. #Artikel13

„Maybrit Illner“ in der Mediathek

Sie haben die Sendung von Maybrit Illner“ nicht gesehen?

Sehen Sie hier diese Ausgabe von „Maybrit Illner“ in der ZDF-Mediathek.