„Um Himmels Willen“

Janina Hartwig: „Der Erfolg der Serie ist ein großes Glück“

Janina Hartwig ist als Schwester Hanna in „Um Himmels Willen“ zurück. Im Interview spricht sie über Disziplin und das Älterwerden.

Schauspielerin Janina Hartwig wurde in Berlin geboren und ist Mutter von zwei Kindern.

Schauspielerin Janina Hartwig wurde in Berlin geboren und ist Mutter von zwei Kindern.

Foto: Ralf Heinrich / picture alliance

18 Staffeln in 17 Jahren, 13 davon mit Janina Hartwig in der Hauptrolle der Schwester Hanna: Die ARD-Serie „Um Himmels Willen“ ist ein echter Dauerbrenner. Bis zu 7,5 Millionen Zuschauer schalten ein, wenn sich die Bewohnerinnen des Klosters Kaltenthal wieder mit Bürgermeister Wolfgang Wöller (Fritz Wepper) in die Haare bekommen. Zum Start der neuen Folgen (ab 26. März, 20.15 Uhr) spricht die Schauspielerin über Disziplin während der Dreharbeiten, ihr Leben als Mutter eines pubertierenden Sohnes und die Gelassenheit mit 50 plus.

Frau Hartwig, die erste Folge beginnt gleich mit einem Mega-Stum, der Blitz schlägt ins Kloster ein. Da wurde offenbar die Windmaschine kräftig angeworfen...

Ja, die Windmaschine hat einen ordentlichen Sturm gezaubert und in der Post-Produktion kam dann noch der Regen und der Blitz dazu. Im Film sieht das wirklich sehr echt aus, fast als würde die Welt untergehen (lacht).

Es ist jetzt die 18. Staffel, Sie sind seit 13 Jahren dabei. Hätten Sie sich das je vorstellen können?

Nein, dass wir so lange so erfolgreich mit der Serie sein würden, das konnte man nicht ahnen. Das ist ein riesengroßes Glück, und ich bin dafür sehr dankbar. Die Rolle der Schwester Hanna ist noch immer eine Herausforderung für mich. Im Frühjahr geht es schon wieder weiter. Dann beginnen wir, die 19. Staffel zu drehen.

Wie wichtig ist Ihnen die finanzielle Sicherheit, die eine Serie bietet?

Die ist schon wichtig, weil ich dadurch natürlich eine gewisse Unabhängigkeit habe. Wenn man Kinder hat, braucht man schon eine gewisse Sicherheit. Aber es ist keine Selbstverständlichkeit. Ich kenne viele Kolleginnen in meinem Alter. Das sind tolle Schauspielerinnen, die sich aber umorientieren mussten, weil die Rollenangebote einfach nicht ausreichen, um davon leben zu können.

Wie diszipliniert sind Sie, um an jedem Drehtag fit und frisch zu sein?

Ich versuche, diszipliniert zu sein. In Drehphasen gehe ich früh schlafen, vermeide Alkohol, selten Events. Da stehen ja morgens 40 Leute am Set, die ihre Arbeit machen müssen. Das wäre eine Unverschämtheit, wenn ich meinen Text nicht könnte und alle auf mich warten müssten. Durch mein Kostüm, also die Haube, die ich trage, und mit nur ganz wenig Make-up, sieht man ja nur mein Gesicht. Und klar würde man da sofort sehen, wenn ich die Nacht durchgezecht hätte. Ich liebe es, auch mal zu feiern und mir die Nächte um die Ohren zu schlagen – aber nur, wenn ich am anderen Tag frei habe.

In einer Folge geht es auch um das Thema Mobbing. Wurden Sie bei Ihren Kindern in der Schule damit konfrontiert?

Gott sei Dank haben meine Kinder das nicht erlebt. Mein Sohn ist jetzt fast 15 und hat eine tolle Klassengemeinschaft. Ich versuche, viel mit ihm zu reden und seine Welt zu verstehen. Und natürlich sprechen wir auch über den Umgang mit den sozialen Medien, das ist wichtig heutzutage.

Ihre beiden Kinder sind 17 Jahre auseinander. Ist es anstrengender, mit 57 Jahren einen pubertierenden Sohn zu haben?

Klar hat man als jüngere Frau mehr Kraft und ist belastbarer. Ich habe aber gelernt, Vertrauen zu haben, das hat mich mein spätes Muttersein gelehrt. Die Kinder müssen eigene Erfahrungen sammeln, um zu eigenständigen Persönlichkeiten heran zu reifen. Mir ist wichtig, dass ich ihm Werte wie Empathie, Zuverlässigkeit, Offenheit und ein stabiles Selbstbewusstsein mit auf seinen Weg gebe. Er weiß, dass ich als Mutter immer für ihn da bin.

Hält Sie das fit oder kommen Sie manchmal auch an Ihre Grenzen?

Das hält mich auf jeden Fall fit. Ich lerne viel darüber, was bei den jungen Leuten gerade so angesagt ist. Mein Sohn boxt, Fußball ist nämlich out. Boxen ist eine gute Sportart, es erfordert schnelles Denken, eine schnelle Reaktion, Fairness. Und wer sich außerhalb des Rings draußen prügelt, ist sofort raus. Ich kenne mich inzwischen auch mit YouTube aus und lerne jeden Tag neue Dinge (lacht).

Sie sind jetzt in Ihren 50ern. Was finden Sie positiv am Älterwerden?

Ich bin jetzt 57 Jahre alt und es ist eine ganze Menge Lebenserfahrung, die ich gesammelt habe. Inzwischen sehe ich viele Dinge gelassener. Es ist aber auch ein neues Lebensgefühl da. Ich muss akzeptieren, dass ich öfter mal an meine körperlichen Grenzen komme – und das, obwohl ich viel Sport mache. Ich gehe laufen, mache Yoga, gehe ins Fitnessstudio. Trotzdem merke ich, dass ich jetzt mehr Ruhephasen brauche.

Gönnen Sie sich diese Ruhepausen?

Ich mache jedes Jahr 14 Tage Ayurveda. Das ist meine ganz persönliche Auszeit, die ich mir gönne. Zuletzt war ich in Sri Lanka. Ich habe eine sogenannte Panchakarma-Kur gemacht zum Entgiften. Dazu gehören auch gute Ernährung und Massagen – und eben ganz viel Ruhe. Danach fühle ich mich wirklich rundum gestärkt und kann meine Arbeit tun und somit auch wieder besser für die Kinder da sein.

Apropos Kinder. Würden Sie sich freuen, wenn Ihre Tochter Sie sie zur Großmutter machen würde?

Ich liebe Kinder, klar würde ich mich freuen, Großmutter zu werden! Ich kann gut mit Kindern umgehen. Wäre ich nicht Schauspielerin geworden, hätte ich einen Beruf ergriffen, in dem ich mit Kindern zu tun gehabt hätte. Vielleicht wäre ich Erzieherin geworden, das hätte mir sicher auch Spaß gemacht.

Wie gehen Sie mit Niederlagen um in Ihrem Leben?

Ich denke, fast alles im Leben hat seinen Sinn. Auch wenn man ihn im Moment des Schmerzes und der Niederlage nicht erkennen kann. Meine Devise ist: aufstehen, Krönchen richten, weiter gehen. Ich habe zum Glück einen wunderbaren Freundeskreis, der mir hilft, wenn ich nicht weiter weiß. Manchmal relativieren sich Probleme auch. Mir hilft dabei das Reisen sehr gut.

Inwiefern?

Durch das Reisen blicke ich über meinen eigenen Tellerrand hinaus. Ich war vor kurzem für ein Projekt in Sierra Leone, einem der ärmsten Länder der Welt. Da gibt es ganz andere Probleme und es geht um das tägliche Überleben. Oder gerade erst war ich in Israel, weil mich das Land schon so lange interessiert. Auch da habe ich gesehen, womit sich die Leute täglich befassen müssen. Dagegen relativieren sich meine Probleme dann doch immer wieder und ich werde dankbar und demütig.

In den neuen Folgen von „Um Himmels Willen“ geht es auch immer wieder um die Liebe. Lohnt es sich, für die Liebe zu kämpfen, so aussichtslos sie auch scheint?

Es lohnt sich immer für die Dinge zu kämpfen, die man liebt – auch um die Liebe!

Wann sollte man aufgeben zu kämpfen?

Wenn es um die eigene Würde geht, dann lasse ich es.