ZDF-Krimi

Matthias Matschke war nie besser als in „Getrieben“

Der düstere ZDF-Krimi „Getrieben“ wirkt ein wenig überfrachtet. Eine Glanzleistung von Matthias Matschke macht ihn jedoch sehenswert.

Stefan Grewe (Matthias Matschke, l.) wird in „Getrieben“ von Kara Bischoff (Petra Schmidt-Schaller, r.) therapiert.

Stefan Grewe (Matthias Matschke, l.) wird in „Getrieben“ von Kara Bischoff (Petra Schmidt-Schaller, r.) therapiert.

Foto: ZDF und Hardy Spitz

Essen. Der Kapuzenmann im dunklen Fahrzeug, der einer Studentin folgt, verheißt nichts Gutes. Tatsächlich wird die junge Frau am nächsten Tag ermordet aufgefunden. Der Täter ist nachts mithilfe eines Hubwagens in die Wohnung eingedrungen. Der merkwürdig hergerichtete Tatort stellt LKA-Kommissarin Sibylle Deininger (Ulrike C. Tscharre) vor Rätsel, die Ermittlungen laufen zäh an.

Es ist ein beklemmendes Szenario, dass sich zu Beginn des ZDF-Krimis „Getrieben“ aufspannt.

Die Erkenntnis, dass die Ermordete ihr Studium als Teilzeit-Prostituierte finanzierte, führt in eine Sackgasse. Dann finden die Ermittler heraus, dass vor Jahren eine Frau in Rostock nach dem fast exakt gleichen Modus Operandi überfallen wurde.

Das Opfer hat damals den Angriff überlebt, wohnt heute nur ein paar Blocks vom aktuellen Tatort in Berlin entfernt. Hilfe suchend wendet sich Sibylle Deininger an die Psychotherapeutin Kara Bischoff (Pe­tra Schmidt-Schaller).

Maris Pfeiffer inszeniert düsteren ZDF-Krimi

Düster ist der Erzählton, düster wie die Abgründe der Seele sind selbst bei Tageslicht die Bilder des Thrillers (Regie: Maris Pfeiffer), der sich von diesem Moment an endgültig in zwei Handlungssträngen entwickelt. Zur mühsamen Suche nach dem psychopathischen Killer kommt die unvermeidliche Beziehungsgeschichte, auf die das Drehbuch kaum weniger Sorgfalt verwendet.

Das Problem bei der Zusammenarbeit ist die gemeinsame Geschichte: Die beiden Frauen waren einmal ein Paar. Kara Bischoff hat, warum auch immer, Polizeidienst und Lebensgefährtin verlassen und versucht es nun mehr schlecht als recht mit Männern.

Sibylle Deininger, die die Trennung nie überwunden hat und umso mehr am gemeinsamen Hund hängt, hat ein halbherziges „Ding“ mit einer jungen Kollegin laufen. Klar, dass die beiden im Zuge der Ermittlungen, bei denen ein weiterer alter Mord entdeckt wird und ein neuer geschieht, wieder zusammenfinden.

Liebesgeschichte gerät in „Getrieben“ zur reinen Kulisse

Wie Ulrike C. Tscharre und Petra Schmidt-Schaller dieses „getriebene“ Paar spielen, leise, zurückhaltend und gerade deshalb so intensiv und glaubwürdig, das täuscht lange Zeit darüber hinweg, dass die Lovestory für die Aufklärung des Falles letztlich von geringer bis keiner Bedeutung ist.

Dann schlägt die große Stunde von Matthias Matschke, den man wohl nie besser gesehen hat und der den Film fast im Alleingang trägt. Sein traumatisierter Kfz-Meister Grewe, auf den irgendwann ein Verdacht fällt, ist die beklemmende Studie eines von Wahnvorstellungen gequälten Mannes, der seine Angstgefühle und unterdrückten Erinnerungen nicht verbalisieren kann und stattdessen zum Buntstift greifen muss.

Dann malt und kritzelt er mit hektisch-nervöser Hand immer neue Details auf eine kindhafte Zeichnung, deren rätselhafte Bildaussage die Ermittler zunächst nicht entschlüsseln können.

Fazit: Ein etwas überfrachteter Psychothriller, der allein schon wegen Matthias Matschke das Zuschauen lohnt.

• ZDF, Montag, 25. Februar, 20.15 Uhr