Karneval

WDR schneidet streitende Frau aus Karnevals-Show mit Stelter

Bei der Aufzeichnung einer Karnevals-Show erntete Bernd Stelter Kritik einer Zuschauerin. Die Szene wird in der TV-Version nicht zu sehen sein.

Eine Zuschauerin störte sich an einem Witz von Bernd Stelter über Annegret Kramp-Karrenbauer. (Archivfoto)

Eine Zuschauerin störte sich an einem Witz von Bernd Stelter über Annegret Kramp-Karrenbauer. (Archivfoto)

Foto: Horst Galuschka / imago/Horst Galuschka

Köln Über Humor kann man trefflich streiten. Eine Frau hat sich diese Weisheit bei einer Karnevalssitzung am Freitag zu Herzen genommen und die Bühne während eines Auftritts von Bernd Stelter gestürmt. Die Frau störte sich an einem Witz des 57-jährigen Komikers über die CDU-Vorsitzende Annegret Kramp-Karrenbauer.

Der Vorfall geschah am Freitagabend bei der Aufzeichnung einer Fernsehsitzung in Köln, wie eine Sprecherin des Festkomitees Kölner Karneval sagte. Wachleute hätten die Frau nach draußen gebracht. Der WDR veröffentlichte auf Twitter ein Video des Vorfalls, die in der TV-Ausstrahlung nicht zu sehen sein wird.

Video zeigt, wie Frau Bernd Stelter zur Rede stellt

In dem Video ist zu sehen, wie Bernd Stelter sich über den Doppelnamen der CDU-Chefin auslässt und wie sich danach eine Frau vor ihm aufbaut. „Fragt mal irgendjemand, was für einen Scheißnamen ein Mann hat, den die Frau annimmt?“, spricht sie Stelter hörbar an. Der Komiker wirkt leicht überrascht, sagt dann aber: „Wir machen hier ganz einfach Karneval und was ich mache, sind Witze“.

Das Wichtigste zum Witz von Bernd Stelter über Annegret Kramp-Karrenbauer:

• Bei einer Karnevalsstitzung hat sich Stelter über den Namen Kramp-Karrenbauer lustig gemacht

• Eine Zuschauerin fand das nicht lustig und stürmte auf die Bühne

• Stelter reagierte perplex, verteidigte sich damit, dass das nun mal Karneval sei

• Der WDR hat die Sitzung aufgezeichnet, wird die Szene aber nicht im TV zeigen

WDR zeigt Auseinandersetzung von Stelter und Zuschauerin nicht

Am Mittwoch wurde bekannt, dass der WDR die Szene im Fernsehen nicht zeigen will. Am Rosenmontag wird unter anderem Stelters Auftritt bei „Karneval in Köln“ im Ersten (ab 20.15 Uhr) zu sehen sein – ein Zusammenschnitt zweier jeweils sechsstündiger Aufzeichnungen von Kölner Karnevalssitzungen. Die Auseinandersetzung mit der Zuschauerin soll aber rausgeschnitten werden, so der Sender.

„Die in den Medien diskutierte Störung der Rede Bernd Stelters durch eine Zuschauerin erstreckte sich mit Unterbrechungen über mehrere Minuten und ist in vielen Teilen akustisch in der Aufzeichnung nicht hörbar und teilweise unverständlich“, teilte der WDR zu den Gründen der Entscheidung mit.

Während Stelters Auftritt werde es für die Fernsehzuschauer einen Hinweis in einem Laufband geben, der auf eine Videotextseite mit Zusatzinformationen zu der Aufzeichnung verweise.

Stelter verteidigt den Witz mit eigenem Namensstreit

Wie es zu der Auseinandersetzung kam? Die „Kölnische Rundschau“ zitierte die Frau nach dem Vorfall mit dem Satz: „Ich habe selbst einen Doppelnamen und muss das nicht über mich ergehen lassen.“

Stelter hatte nach eigenen Angaben einen Witz gemacht, in dem es zunächst um seine eigene Heirat ging. Der Mädchenname seiner Frau sei Rumpen – und ein möglicher Doppelname daher Rumpen-Stelter. „Der Standesbeamte hat da gesagt: Nee. Sie wollen keinen Doppelnamen“, sagte Stelter am Samstag der Deutschen Presse-Agentur. „Deswegen habe ich gesagt: Hätte nicht ein Standesbeamter Frau Kramp-Karrenbauer warnen können?“

Nach Angaben des Festkomitees fing die Frau zunächst an zu pfeifen. Stelter habe sie daraufhin gebeten, das zu unterlassen. Dann sei sie aber auf die Bühne gekommen, um sich dort zu beschweren.

Eine solche Situation sei ihm in 30 Jahren Karneval noch nie passiert, sagte Stelter. Es habe sich doch nur um einen Spaß gehandelt. „Ich hab' sicherlich 'ne Menge politisch relevante Sachen in der Rede - nur das gehört nicht dazu“, sagte er. Den Witz will er auch künftig machen. „Das Ganze nennt man Narrenfreiheit.“

Die Frau hat nun nach eigenen Worten Einladungen von wildfremden Leuten nach Düsseldorf erhalten - in die Konkurrenz-Karnevalshochburg. „Alle übers Internet“, sagte sie der Deutschen Presse-Agentur. Zuvor hatte sie auch negative Kommentare sowohl im Internet als auch per Brief erhalten: „Lass dich in Köln nicht mehr blicken.“

Twitter lacht über #Steltergate

Auf Twitter diskutierten Nutzer nach Bekanntwerden des Vorfalls. Dabei weitete sich der Auftritt der Zuschauerin zum #Steltergate aus, wie Autor und Moderator Micky Beisenherz schrieb. In den meisten Beiträgen ging es vor allem um die Frage, ob Witze über Namen nun wirklich das größte Problem des Karnevals seien. Viel mehr würden immer wieder ausländerfeindliche oder andere diskriminierende Witze auf Karnevalsbühnen vorgetragen.

Micky Beisenherz ist Autor für die RTL-Show „Ich bin ein Star – Holt mich hier raus“ (Dschungelcamp) und ist Moderator. Im WDR hat er in Vertretung für Bettina Böttinger den „Kölner Treff“ moderiert.

Auch der Kabarettist Florian Schroeder greift das #Steltergate auf, findet den Vorfall aber – nicht ganz ernst gemeint – aus einem anderen Grund interessant. So sei es bemerkenswert, dass bei einer solchen Sitzung überhaupt noch Menschen in der Lage seien, dem Inhalt der Texte zu folgen. Schroeder spielt damit auf den nicht gerade geringen Alkoholkonsum im Karneval an:


Jan Böhmermann teilte einen Tweet, in dem es hieß: „Suche noch jemanden, der heute bei mir auf die Bühne kommt, wenn ich über Doppelnamen rede.“

Sexismus und Rassismus: Was darf der Karneval?

Nach dem „Steltergate“ ist bundesweit eine Debatte darüber entbrannt, was Witze im Karneval dürfen. Wie es im „Tagesspiegel“ heißt, habe die Zuschauerin mit ihrer Kritik an Bernd Stelter den Alltagssexismus im Karneval offengelegt. Die Zeitung schreibt auch, dass Annegret Kramp-Karrenbauer bei ihrer Hochzeit im Jahr 1984 nur eine Möglichkeit gehabt habe, ihren Familiennamen zu behalten, wenn der Mann nicht den Frauennamen übernahm: den Doppelnamen. Die Möglichkeit, den eigenen Nachnamen bei einer Hochzeit zu behalten, habe es erst später gegeben.

Neben Sexismus werfen viele Beobachter Karnevalisten auch Rassismus vor. So wie es auch Micky Beisenherz ironisch andeutet, sind „Blackfacing“ oder stereotypische Darstellungen von Ausländern noch immer gängig – aber höchst fragwürdig. Den öffentlich-rechtlichen Sender standen deswegen auch schon in der Kritik. Darum wurde „Verstehen Sie Spaß?“ Rassismus vorgeworfen. (dpa/ac/ba/jb)

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