ARD-Krimireihe

Rätsel um toten Minister ist Vorlage für „Tatort“ aus Wien

Waffen-Deals und eine ermordete Reporterin beschäftigen das Wiener „Tatort“-Team. Heraus gekommen ist ein kluger und spannender Krimi.

Was verbirgt sich im schönen Wolfgangsee? Die Wiener „Tatort“-Kommissare Bibi Fellner (Adele Neuhauser) und Moritz Eisner (Harald Krassnitzer) ermitteln in der Idylle.

Was verbirgt sich im schönen Wolfgangsee? Die Wiener „Tatort“-Kommissare Bibi Fellner (Adele Neuhauser) und Moritz Eisner (Harald Krassnitzer) ermitteln in der Idylle.

Foto: ARD Degeto/ORF/Cult Film/Petro Domenigg

Essen.  Was haben die Österreicher doch für eine großartige Landschaft. „Im Salzkammergut, da kann man gut lustig sein“, heißt es nicht umsonst in der Operetten-Seligkeit. Und dann ist da auch noch das Weiße Rössl am Wolfgangsee. „Unglaublich schön muss es sein, in dieser Gegend Urlaub zu machen“, schwärmt die Kommissarin Bibi Felner (Adele Neuhauser). „Und unheimlich teuer,“ raunzt ihr Kollege Moritz Eisner (Harald Krassnitzer). Aber beide kommen ohnehin nicht wegen der Idylle her, sondern mal wieder wegen einer Leiche. Und das auch noch bei strömendem Regen.

„Wahre Lügen“ ist bereits der siebte Österreich-„Tatort“ von Regisseur Thomas Roth (auch Buch), der dabei die Krimifarbe seiner Inszenierungen immer gern verändert. Das heißt in diesem Fall, dass vom Wiener Schmäh kaum noch etwas übrig bleibt, nicht nur wegen der weiten Distanz zur Hauptstadt, sondern vor allem wegen der Thematik.

Die Tote – lange schon im Wasser des Wolfgangsees gelegen – war eine Journalistin aus Hamburg, die offenbar besonders interessiert war an einem alten Fall aus der österreichischen Politik. Laut ihrer Lebenspartnerin Sybille (Emily Cox) ging es dabei um den Tod eines Ministers und um illegale Waffengeschäfte.

Realer ungeklärter Fall als Grundlage

Roth hat sich da unter neuem Namen ein real existierendes ­Ereignis von 1981 zu eigen gemacht, das in Österreich damals hohe Wellen geschlagen hat und noch immer ungeklärt scheint. Damals hatte man Karl Lütgendorf, den Verteidigungsminister der Alpenrepu­blik, tot in seinem Auto vorgefunden.

Die offizielle Verlautbarung sprach von einem Suizid, weil der Tote mit einem Revolverschuss in den Mund vorgefunden wurde. Tatsächlich aber gibt es bis heute hartnäckige Gerüchte, dass Lütgendorf bei einem Jagdausflug ermordet wurde.

Für seinen fiktiven Thriller benutzt der Regisseur hier ein Mord-Tableau, das den Zweiflern tatsächlich recht geben würde. Man schaut Eisner und „der Bibi“ eigentlich immer gern dabei zu, wenn und wie sie ihre Fälle lösen. Hier aber muss man fast schon Mitleid haben mit den beiden.

Ihre Ermittlungen mögen zwar immer tiefer in den politischen Sumpf führen. Einen Gebrauch davon dürfen sie jedoch nicht machen. Selbst dann nicht, als ein alter Kollege (Peter Matic) verspricht, ihnen brisante Dokumente zu liefern.

Oberste Sicherheitsbeamtin hat kein Interesse an Aufarbeitung

Denn auch dieser Mann wird kurz vor der Übergabe tot in seinem Auto vorgefunden. Suizid, wen wundert es. „Wenn wir den Stein ins Rollen bringen“, war ­Eisner anfangs noch optimistisch, „rollen da jede Menge hohe Köpfe.“

Da hat er noch nicht die oberste Sicherheitsbeamtin der Regierung gekannt, an der alles abprallt und die kein Interesse zeigt an der Aufarbeitung eines unbequemen alten Falles.

Zwei Ermittler, die gegen die Bürokratie und deren Machenschaften ankämpfen, das hat es immer schon gegeben. Aber selten so schmerzhaft wie hier, in diesem klug und spannend gebauten Krimi.

Fazit: Komplex, klug und tiefgründig.

• Sonntag, 13. Januar, 20.15 Uhr, ARD: „Tatort“