Krimireihe

„Tatort“-Polizist im Wahn – Macht unsere Polizei krank?

Im neuen Köln-„Tatort“ verrennt sich ein erfahrener Polizist in seinen Wahnvorstellungen. Wie krank macht der Polizeidienst wirklich?

Polizist Frank Lorenz (Roeland Wiesnekker) entpuppte sich im „Tatort“ als Ermittler mit Wahnvorstellungen.

Polizist Frank Lorenz (Roeland Wiesnekker) entpuppte sich im „Tatort“ als Ermittler mit Wahnvorstellungen.

Foto: WDR / WDR/Martin Valentin Menke

Berlin.  Der neue „Tatort“ aus Köln war am Ende nicht nur Krimi, sondern auch Drama. Der Polizist Frank Lorenz (gespielt von Roeland Wiesnekker), den Freddy Schenk (Dietmar Bär) noch aus der Ausbildung kannte, entpuppte sich als psychisch aufgeriebener Ermittler mit Wahnvorstellungen.

Schon vor der Enthüllung seiner Krankheit am Ende des Films haderte er. „Wenn was passiert, traktieren sie uns mit Psychotherapeuten, anstatt dafür zu sorgen, dass wir genügend Personal haben oder anständig ausgerüstet sind. Ich hab’ schon wieder 100 Überstunden“, sagte Frank Lorenz an einer Stelle.

An anderer spinnt er sich zusammen, dass seine eigentlich schon tote Schwester zu ihm sagt: „Der Job macht dich schon seit Jahren kaputt.“

Frank Lorenz hatte sich im Polizeidienst aufgerieben, war dann durch einen Todesfall in der Familie völlig aus der Bahn geworfen worden.

Wir fragen nach: Wie viel Realität steckt im „Tatort“?

Wie viele Beamte werden im Polizeidienst psychisch krank?

Belastbare Zahlen gibt es zu diesem Thema nicht. Auch die Gewerkschaft der Polizei (GdP) konnte unserer Redaktion auf Anfrage keine Daten liefern.

Sie verweist jedoch auf den Personalmangel und die daraus resultierende Arbeitsintensität, die psychische Erkrankungen begünstigen kann. „Überall wird versucht, den Mangel teils durch Minimalbesetzungen zu kompensieren.“

Eine Studie der GdP aus dem März 2018, die sich mit der psychischen Belastung von Polizisten in Thüringen beschäftigte, zeichnet ein erschreckendes Bild: 94 Prozent der Thüringer Polizisten gaben an, sich psychisch und teils auch physisch stark belastet zu fühlen.

Gründe dafür waren nicht nur die hohe Arbeitsbelastung und der Schichtdienst, sondern auch die Konfrontation mit Verletzten und Toten sowie das Durchleben von Stresssituationen.

Viele kleinere Erhebungen und Einzel-Interviews erwecken den gleichen Eindruck.

Wie hoch ist die Rate der Krankmeldungen generell?

Aktuelle Zahlen für ganz Deutschland sucht man auch hier vergebens. Eine beunruhigende Meldung gab es allerdings kurz vor Weihnachten aus der Hauptstadt: Die rund 22.200 Polizisten und weiteren Mitarbeiter der Behörde kamen 2017 im Schnitt auf 49,4 Kalendertage mit Krankmeldung. Das sind genau sieben Wochen.

Die Zahlen gehen aus einer Antwort der Senatsfinanzverwaltung auf eine Anfrage eines FDP-Abgeordneten hervor.

Nimmt man ältere Zahlen der GdP für Berlin dazu, ergibt sich ein klarer Negativtrend: Laut Gewerkschaft war 2016 jeder Polizeibeamte 49,1 Kalendertage krankgemeldet. 2015 hatte der Wert noch bei 47,4 Tagen gelegen, im Jahr davor bei 44,4 Tagen.

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Wie hoch ist die Arbeitsbelastung bei der Polizei?

Nach Angaben der GdP haben deutsche Polizisten 2017 wie schon im Vorjahr rund 22 Millionen Überstunden gemacht. Die Zahl ist eine Schätzung. 2015 sollen es rund 20 Millionen Überstunden gewesen sein.

Allein bei der Bundespolizei stieg die Zahl 2017 nach laut Bundesinnenministerium auf knapp 2,4 Millionen Überstunden – im Schnitt 53,3 Stunden je Polizist. Im Vorjahr waren es zwei Millionen Überstunden gewesen.

Immer wieder wurde betont, die Zahlen seien auch wegen außergewöhnlicher Ereignisse wie dem G20-Gipfel und dem großen Flüchtlingszuzug zustande gekommen. Demnach müsste es 2018 ruhiger zugehen. Zahlen für das abgelaufene Jahr liegen allerdings noch nicht vor.

Gab es schon mal einen ähnlichen Fall wie den von Frank Lorenz im „Tatort“?

Dass ein Polizist aufgrund von Wahnvorstellungen eine Ermittlung beeinflusst hat, ist nicht bekannt. Allerdings mussten Beamte in Bayern im Juli 2014, ähnlich wie im „Tatort“, einen ihrer Kollegen erschießen.

Der Beamte hatte sich stundenlang auf seinem Grundstück in Asbach-Bäumenheim verschanzt. Beim Zugriff schoss der Mann zunächst auf einen Polizeihund und richtete seine Waffe danach auf Polizisten. Die Beamten konnten den 46-Jährigen nur noch mit einem Schuss stoppen.

Der Mann hatte zuvor mehrere Schüsse von sich gegeben, woraufhin Nachbarn die Polizei alarmiert hatten. Später wurde bekannt, dass er unter psychischen Problemen gelitten hatte und betrunken war.