Fernsehen

ZDF-Krimi „Ostfriesenblut“ ist Quotensieger am TV-Samstag

In „Ostfriesenblut“ jagt Christiane Paul als Kommissarin Klaasen einen Serienmörder. Der Krimi überzeugte die Zuschauer am Samstag.

Klaasen (Christiane Paul) und Kollege Rupert (Barnaby Metschurat) untersuchen den Zusammenhang zwischen zwei Morden.

Klaasen (Christiane Paul) und Kollege Rupert (Barnaby Metschurat) untersuchen den Zusammenhang zwischen zwei Morden.

Foto: Sandra Hoever/ZDF / ZDF und Sandra Hoever

Berlin.  Schon die ungewöhnliche Anfangsszene zeigt, dass Regisseur Rick Ostermann keinen beliebigen Krimi drehen wollte. Man sieht den Rücken eines Mannes, zu hören ist allerdings die Stimme einer Frau. Als sie um ein Glas Wasser bittet, steht er auf.

Die Frau sitzt an einem Tisch, die Kamera fährt langsam auf sie zu. Der Mann stellt das Glas vor ihr ab, aber sie rührt sich nicht. Der Grund wird erst sichtbar, als die Kamera weiter fährt.

Ihre Handgelenke sind mit Paketklebeband an die Armlehnen des Stuhls gefesselt. Er sagt „Stell dich nicht so an“, und erst jetzt weiß sie, wer ihr Peiniger ist.

„Ostfriesenblut“ überzeugt auch bei den Quoten

Dieser Einstieg gibt einen guten Vorgeschmack auf den zweiten Film der im letzten Jahr gestarteten Krimireihe. Auch „Ostfriesenblut“ beruht auf einem Roman von Klaus Peter Wolf (Drehbuch: Nils-Morten Osburg). Im Vordergrund steht das psychologische Moment, Nervenkitzel ist eher Nebensache.

Der Einstieg könnte wohl auch dazu beigetragen haben, dass am Ende viele Zuschauer einschalteten. Im Schnitt sahen 6,48 Millionen Zuschauer den Krimi im ZDF. Das bedeutete einen Marktanteil von 20,9 Prozent am Samstagabend. Auf Platz zwei bei den Quoten folgte mit Abstand (5,45 Millionen, 18,8 Prozent Marktanteil) das ARD-Quiz „Wer weiß denn sowas XXL“.

Nach „Ostfriesenkiller“ (2017) und „Ostfriesenblut“ ist für das Frühjahr 2019 schon der nächste Teil der Reihe angesagt. Er kommt mit dem Titel „Ostfriesensünde“ ins Fernsehen.

Kinder-Folter in den 1970er-Jahren

Die Heldin, Kommissarin Ann Kathrin Klaasen (Christiane Paul), kommt ins Spiel, als sie vor ihrer Garage eine Leiche entdeckt – es handelt sich um die alte Frau aus der Anfangsszene. Klebeband verhindert, dass sich ihre Augenlider schließen können.

Kurz drauf wird die Leiche eines offenbar mit großer Wut erschlagenen Mannes gefunden. Da sein Mund voller Essensabfälle ist, ahnt Klaasen, dass der Mörder Zeichen setzen will.

Eine Spur führt geradewegs zurück in die 1970er-Jahre und in ein Kinderheim, dessen furchtbarer Leiter ein Anhänger der schwarzen Pädagogik war und Vergehen der Heimkinder auf eine Weise bestrafte, die heutzutage den Tatbestand der Folter erfüllen würde.

Der Täter kommt sympathisch daher

Auch wenn der Film die Ermittlungen der Kommissarin begleitet: „Ostfriesenblut“ ist kein Krimi nach dem klassischen „Wer war’s?“-Muster, denn der Täter steht von Anfang an fest. Gemeinerweise verkörpert Jörg Schüttauf den Mörder Hagemann sogar recht sympathisch, und seine Taten sind ohnehin nachvollziehbar, denn sie gelten jenen, die damals am Leid der Jungs beteiligt waren.

Die ermordete alte Frau war Assistentin eines Arztes, sie hätte den Kindern helfen können, hat es aber vorgezogen wegzuschauen, wenn ihr Chef die unübersehbaren Spuren der Prügelstrafe als Folgen eines Sturzes zur Kenntnis nahm: „Stell dich nicht so an.“ Der Film dokumentiert die erschütternden Heimerlebnisse mit Rückblenden, die ihre Wirkung nicht verfehlen.

Kommissarin hat eine Art sechsten Sinn

Darüber hinaus ist gerade das stille Kräftemessen zwischen der Kommissarin und dem Mörder sehenswert. Anrührend sind auch die oftmals unvermittelten Szenen mit Klaasen und ihrem verstorbenen Vater (Ernst Stötzner), der sich immer wieder mal zum Zwiegespräch einfindet.

Die intuitiven Momente, in denen die Ermittlerin dank einer Art sechstem Sinn bei Befragungen von Verdächtigen einen Blick auf die Wahrheit erhascht, hat Ostermann so beiläufig inszeniert, dass sie fast nicht auffallen. Auch diese Reduktion tut dem Film gut.

Fazit: Fiese Rachegeschichte in idyllischer Landschaft.

• Samstag, 29. Dezember, 20.15 Uhr, ZDF: „Ostfriesenblut“