Kritik

ARD-Komödie „Der Nesthocker“: Es kann nur einen geben

Im ARD-Fernsehfilm „Der Nesthocker“ streiten zwei Muttersöhnchen um eine Frau. Die Story ist stellenweise sehenswert – aber zu brav.

Blumenzüchterin Tina (Carin C. Tietze) zeigt Armin (Francis Fulton-Smith) ihren ganzen Stolz.

Blumenzüchterin Tina (Carin C. Tietze) zeigt Armin (Francis Fulton-Smith) ihren ganzen Stolz.

Foto: ARD Degeto/Kai Schulz / ARD Degeto/Willi Weber

Hamburg.  Eigentlich ist Bauzeichner Armin eine gute Partie. Der Endvierziger ist klug und dazu so warmherzig, dass er sich lieber um Kopf und Kragen redet, als irgendwen zu verletzen. Armins Problem ist, dass sich der Softie weder verkaufen noch wehren kann.

Wenn sein Machochef mal wieder Witze über den pummeligen Brillenträger reißt, dann haut Armin nicht etwa auf den Tisch – sondern schluckt den Ärger einfach runter. Das geht so lange, bis der Dauersingle der patenten Floristin Tina über den Weg läuft.

Dass diese Begegnung im Kino – beide sind alleine und sitzen zufällig nebeneinander – flugs zu einem Spaziergang im Mondschein und wenig später zu einer Romanze führt, gehört zu den unglaubwürdigen Aspekten des Komödchens „Der Nesthocker“: So liebenswert Armin (Francis Fulton-Smith) sein mag, er ist eben auch ein stammelnder, spießiger Schluffi.

Seitenscheitel, bis zum Kinn zugeknöpftes Hemd, blasses Gesicht und ein Zimmer bei Mutti (Peggy Lukac) – keiner, den Frauen nach wenigen Augenblicken fragen, ob man noch was trinken gehen wolle. Trotzdem macht Tina (Carin C. Tietze) genau das.

Stellenweise sehenswert

Stellenweise ist dieser Film sehenswert. Die Namen dahinter sind vielversprechend: Das Buch stammt von Claudius Pläging, Autor des aktuellen Kinofilms „Der Vorname“, die Regie führte Franziska Meyer Price, die für Qualitätsserien wie „Berlin, Berlin“ und „Doctor’s Diary“ steht. Auch die Bildgestaltung ist durchaus ambitioniert, etwa wenn eine Restaurantszene durch einen mehrfach geteilten Bildschirm („Split Screen“) an Tempo gewinnt.

Überhaupt ist die ganze Konstellation reizvoll: Der Filmtitel bezieht sich gar nicht auf Armin, sondern auf Tinas eifersüchtigen Sohn Henrik (Florentin Will). Der ist ein Möchtegern-Künstler, lebt mit 27 noch bei der Mama und entpuppt sich als perfider Kotzbrocken, der den neuen Mann an Muttis Seite wegzumobben versucht.

Etwa indem er das Klo verstopft und Armin die Peinlichkeit in die Schuhe schiebt. Wie sich Henrik vom einen zum anderen Moment in einen gruseligen Nebenbuhler verwandelt, hat großen Reiz.

Braves Duell der Konkurrenten

Angesichts dieser Voraussetzungen ist es schade, dass das Duell der beiden Muttersöhnchen arg brav bleibt. Man hätte der Inszenierung mehr Biss gewünscht. Manche Szenen sind genretypische Versatzstücke.

Da trifft Armin zu Hause auf seine ausgehungerte Stiefcousine Klara (Laura Lo Zito), die den Dickie verführen will – und ausgerechnet in dem Moment steht Tina in der Tür, sieht die fremde Frau in aufreizender Wäsche und rauscht enttäuscht ab. Natürlich wird trotzdem alles gut. Am Ende streicht Tina Armin genauso durchs Haar, wie es seine Mutter tut. Armin quittiert das mit einem kurzen, aber sehr zärtlichen Blick.

Für die Liebe ist es nie zu spät – kurz vor Weihnachten ist das eine nicht ganz neue, aber schöne Botschaft. Insgesamt ein etwas biederer, aber sympathischer Unterhaltungsfilm, der sich an klassischen Hollywood-Weihnachtskomödien orientiert.

„Der Nesthocker“
Freitag 14. Dezember, 20.15 Uhr, ARD