Fernsehen

Arte-Serie „Die Wege des Herrn“ – Oh Gott, Herr Pfarrer

„Die Wege des Herrn“: Starke Arte-Serie über einen Geistlichen auf Abwegen. Von ähnlicher Qualität wie „Borgen“: Spannend und reizvoll.

Von Anne Diekhoff
Es könnte alles so einfach sein: Pfarrer und Vater Johannes (Lars Mikkelsen, Mitte) beim Essen mit Sohn Christian (Simon Sears, l.), Ehefrau Elisabeth (Ann Eleonora Jørgensen, 2. v. l.), Sohn August (Morten Hee Andersen) und Schwiegertochter Emilie (Fanny Louise Bernth).

Es könnte alles so einfach sein: Pfarrer und Vater Johannes (Lars Mikkelsen, Mitte) beim Essen mit Sohn Christian (Simon Sears, l.), Ehefrau Elisabeth (Ann Eleonora Jørgensen, 2. v. l.), Sohn August (Morten Hee Andersen) und Schwiegertochter Emilie (Fanny Louise Bernth).

Foto: Tine Harden/ARTE / © Tine Harden

Selbstbewusst und sicher geht Johannes Krogh (Lars Mikkelsen) durch seine Welt. Er tröstet Zweifler, lässt sich von Journalisten schmeicheln und von seiner Gemeinde hofieren. Bis er wider Erwarten doch nicht zum Bischof gewählt wird, weil er als Bewerber umstrittene Aussagen über die Haltung der Kirche zum Islam gemacht hat. Das scheinbar perfekte Leben des Pfarrers bricht sofort auseinander.

„Johannes ist leider wieder in einem schwarzen Loch. Und auf einer seiner Touren“, sagt seine Frau Elisabeth (Ann Eleonora Jørgensen) dem Team des Pfarrhauses. Die kennen das schon. „Quartalssäufer“ nennen sie ihn. Von diesem Geistlichen und seiner Welt erzählt die hervorragende dänische Serie „Die Wege des Herrn“, deren erste drei Folgen heute Abend auf Arte gezeigt werden.

Eine Geschichte mit reichlich Vater-Sohn-Konflikten

Seit 250 Jahren werden die Menschen in der Familie Krogh Pfarrer. Auch August (Morten Hee Andersen), Johannes’ Sohn, ist mit seinen gerade mal 28 Jahren schon eine vielversprechende Nummer in der Kirche. Er hat das Charisma vom Vater geerbt, mit dem die beiden die Menschen anziehen – auch heute noch, in einer Zeit, in der, wie sein Vater sagt, „Atheisten die Kirche mobben“.

Johannes, der Pfarrer am Abgrund, ist eine besonders berührende Figur. In seinem Kampf mit sich selbst, mit seinem Glauben – und mit seinen Söhnen. Das Verhältnis zu ihnen ist auf unterschiedliche Weise getrübt. Der Ältere, Christian, hat im Leben bislang vieles angefangen, aber wenig erfolgreich abgeschlossen – er steht vor ihm als Versager da. Glückskind August, der aus Abenteuerlust Militärpfarrer wird, hingegen als Streber. Das lässt der Patriarch in seinen dunklen Momenten durchblicken.

Kein Wunder, dass das so gut erzählt ist, denn Adam Price hat’s erfunden. Der dänische Drehbuchautor wurde schon für die international erfolgreiche Serie „Borgen – Gefährliche Seilschaften“ über den Politzirkus ausgezeichnet und vom Publikum verehrt.

Die Themen bewegen auch Nicht-Christen

Er zeichnet hier erneut ein Gesellschaftsporträt, aber diesmal anhand der ganz grundsätzlichen Fragen des Lebens. Und wo könnten sie besser verhandelt werden als in einer Geschichte um eine Pfarrersfamilie? „Ich weiß, dass der moderne Mensch den Glauben noch braucht“, ruft Johannes in einer für ihn triumphalen Spontanpredigt als Bischofskandidat. Er sagt: „Die Musik des Zufalls, die Poesie des Augenblicks, die Sehnsucht nach einem geliebten Menschen: Das große Mysterium des Lebens – all das geht einher mit Gott.“ Man muss nicht mit ihm einig sein, um das interessant zu finden. Die Themen, die ihn bewegen, bewegen auch Nicht-Christen.

Für die Figuren gibt es reichlich Konfliktpotenzial – als Christen in der säkularen Gesellschaft von heute, als Mitglied einer schwierigen Familie, als Pfarrer unter Soldaten im Krieg. Vor diesen Hintergründen werden, menschlich klug, ihre Geschichten erzählt. Fortsetzung an den nächsten beiden Donnerstagen.

Fazit: Von ähnlicher Qualität wie „Borgen“: Spannend, reizvoll gefilmt, gut gespielt.

• Donnerstag, 29. November, Arte, 20.15 Uhr

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