Romanze

ZDF-„Herzkino“ übertreibt es diesmal mit dem Kitsch

Die Vorlage der Bestseller-Autorin Cecelia Ahern sollte das „Herzkino“-Niveau heben. Doch es bleibt schnulzig – und dazu noch steif.

Der verstorbene Mark (Jens Atzorn, l.) fragt sich, warum Claire (Jessica Ginkel, r.) ihn nicht loslassen kann und ihn immer wieder zurückholt, indem sie an seinem Porträt arbeitet.

Der verstorbene Mark (Jens Atzorn, l.) fragt sich, warum Claire (Jessica Ginkel, r.) ihn nicht loslassen kann und ihn immer wieder zurückholt, indem sie an seinem Porträt arbeitet.

Foto: ZDF/Patrick Redmond / ZDF und Patrick Redmond

Berlin.  Satte Wiesen, ein tiefes Blau des Meeres – das ZDF-„Herzkino“ am Sonntagabend beruhigt den Puls wie eine gute Tasse Yogitee. Die Zuschauer wissen, was kommt: nicht kalte Gewalt wie zeitgleich beim „Tatort“ in der ARD. Beim „Herzkino“ geht es um Gefühle, die nicht wehtun.

Wie ein elektrischer Kamin so tut, als würden die Flammen lodern, so tun die Verliebten auch nur so, als ob die Leidenschaft mit ihnen durchginge. Auch dieses Mal. Nur dass jetzt auch noch ein eigentlich längst Toter die Hauptrolle spielt.

Jens Atzorn ist schon „Herzkino“-Spezialist

Wir befinden uns in einem Film, für den die Erfolgsautorin Cecelia Ahern Motive geliefert hat. Und wer den Megaseller „P.S. Ich liebe Dich“ kennt, in dem die junge Witwe Briefe mit Lebensanweisungen von ihrem Verstorbenen erhält, weiß in etwa, was er erwarten darf.

Auch in „Dich zu lieben“ steht Mark, ein junger Mann, der eigentlich beim Autounfall umgekommen ist, ständig neben Claire und sagt, was zu tun ist. Weichgezeichnet, dieser Untote, gespielt von Jens Atzorn. Er ist schon längst ein „Herzkino“-Spezialist, hat optisch durchaus Charisma, bleibt jedoch in seinen Liebhaberrollen meist blass. Eine Farbe, die zu dieser Rolle bestens passt: Als Geist macht er sich gut.

Ahern arbeitet oft mit übersinnlichen Motiven

Zu oberflächlich, zu schablonenhaft – so etwa lauten die Vorwürfe gegen Filme von Rosamunde Pilcher oder Katie Fforde, die ansonsten auf dem „Herzkino“-Platz laufen. Autorin Ahern sollte das Niveau anheben. Stattdessen sehen wir nun nicht nur eine Schnulze, sondern eine Schnulze, die auch noch mit übersinnlichen Motiven angereichert ist.

Ahern, Tochter von Bertie Ahern, der elf Jahre lang irischer Ministerpräsident war, liebt es, ihre Romane mit märchenhaften Momenten zu versehen. 25 Millionen Bücher hat sie in alle Welt verkauft. Nach ihrem Erfolgsrezept gefragt, antwortet sie gern: „Ich mische gern Dunkelheit und Licht, Trauer und Humor.“

Nichtssagende Sätze, die größer wirken wollen

Von Humor allerdings ist nur wenig zu spüren. Im Gegenteil. Die Dialoge wirken weitgehend gekünstelt und steif. „Musst du nicht los zu deinen Bankern?“, fragt Claire (Jessica Ginkel). Dieser Satz, am Meer gesagt, bleibt lange in der Luft hängen, als hätte er eine weitreichende Bedeutung.

Da setzt die Autorin also eine Künstlerin in den Mittelpunkt der Geschichte und macht ihr die Heldinnenrolle mit schlechten Bemerkungen kaputt. Auf die Frage, was sie gerne malen würde, sagt Claire: „Ich würde gerne große Bilder malen.“

„Herzkino“ kann mit Hollywood-Vorlagen nicht mithalten

Dass sich selbst der Tote noch mit einem Widersacher herumquälen muss, führt zu manch schöner Wendung. Wobei es schon ein bisschen wehtut, Kai Schumacher (besser bekannt als recht origineller „Kommissar Heldt“) zu erleben, wie er mit großem Blick Liebesworte säuselt.

Dass man immer noch weiter guckt, liegt an der Grundfrage: Ist Liebe denn nun stärker als der Tod? In Hollywoodfilmen wie „Ghost – Nachricht von Sam“ sagt man gerne Ja. Im „Herzkino“ dagegen möchte man nur, dass dieser Mark endlich Ruhe gibt.

Fazit: Kitsch pur – muss nicht schlecht sein. Hier aber ist er einfach viel zu süß.

• Sonntag, 25. November, 20.15 Uhr, ZDF