Casting-Show

Warum Mark Forster eine Kandidatin wütend machen wollte

Anstupsen statt batteln: Bei „The Voice“ herrscht zwar das K.O.-System – trotzdem bleibt es nett. Ein Kandidat scheidet verletzt aus.

Von Ann-Kathrin Seidel
Sieht nach Wut aus, ist aber „Happy“. Monica Schmidt im Battle mit Samuele Di Mio.

Sieht nach Wut aus, ist aber „Happy“. Monica Schmidt im Battle mit Samuele Di Mio.

Foto: André Kowalski / SAT.1/ProSieben

Berlin.  „I love battle! Um weiterzukommen, musst du K.O.-Schläge liefern“, sagt Michael Patrick Kelly schon im Einspieler. Obwohl das nicht so wirklich das Gefühl ist, das die The Voice of Germany vermittelt. Der wohl am häufigsten gesagte Satz wird weniger ein „Das war ein harter Kampf“ als ein „Eigentlich darf man euch jetzt nicht trennen, aber ich muss leider“sein.

Das erste Battle des Abends ist so ein Dreamteam: Kinga Noémi Balla gegen Eun Che Rhee. Beide sind völlig aus dem Häuschen über ihre Songauswahl präsentiert bekommen: Gwen Stefani „What you waiting for“. Zumindest bis sie den Text sehen: Ziemlich viele Worte in ziemlich kurzer Zeit. Doch sobald der Text mal sitzt, scheint der Kopf frei für Rhythmus, Spaß und eine Tanzperformance, die - so Michi Beck und Smudo - „den ganzen Raum weggeblasen“ hat. Am Ende hängt es dann auch nur am „Tick mehr“, den Eun Che Kinga voraus hat - denn sie darf bleiben. Und bekommt von ihrer Kollegin noch den Tipp: „Sie soll nicht so viel Schmarrn machen!“

Emotionen, Emotionen, Emotionen

Mehr Konzentration braucht es auch bei Yvonne Catterfelds erstem Battle: Juliane Götz und Flavio Baltermia mit Sam Smiths „I‘m not the only one“. „Es ist beeindruckend, wenn jemand toll singt. Aber was wirklich einen wirklich berührt, ist, wenn jemand Emotionen dabei zeigt und selber auch was spürt.“ Die sind es dann auch, die Flavio mehr vermitteln kann als Juliane. „Aber ich würde euch gern beide behalten, deswegen hoffe ich auf einen Steal Deal.“ Die Bitte bleibt unerhört, Juliane muss leider nach Hause fahren.

Mark Fosters erstes Battle beginnt erst mal mit einer schlechten Nachricht: Mark Agpas fällt aus. Bei einer Explosion während der Arbeit wurde sein Ohr so schwer verletzt, dass er nicht antreten kann. Die tiefe Enttäuschung zeigt sich trotz Sonnenbrille - bis Mark Foster ihm eine Wildcard für die Battles im nächsten Jahr anbietet: „Nächstes Jahr, wir sehen uns wieder!“, zwinkert er in die Kamera.

Die Anstups-Methode von Mark Forster

Es bleiben also noch Kira Mesterheide und Debora Vater. Die beiden Rockröhren singen Michael Jacksons-Klassiker „Beat it“ als Rock-Version à la Fall Out Boy feat. John Mayer. „Das Lied braucht viel Wut“, erklärt Mark Foster. Seine Methode, Kira während des Singens mit dem Finger anzustupsen und damit wütend zu machen, hat aber nicht wirklich den gewünschten Effekt.

So richtig rotzig wird es auch beim Auftritt nicht. Während Debora die Aggression förmlich aus jeder Pore strömt, hat man bei Kira das Gefühl, sie kommt erst beim zweiten Refrain so richtig rein. Umso überraschender, dass Mark Forster sich für sie entscheidet.

Yvonne Catterfeld macht einen „Steal Deal“

Dann soll es um die ganz großen Gefühle gehen: Gaby Schwager singt mit Liam Blaney „Down by the Sally Gardens“. Und hier singt endlich mal ein Team, das sich auch so verhält wie man es von einem Battle erwartet, wünscht doch Liam kurz vorm Auftritt seiner Gesangspartnerin viel Glück und fügt hinzu: „Du wirst es brauchen!“

Den ersten und letzten Steal Deal gibt’s dann auch erst zur Mitte der Sendung: Nachdem Kathrin ‚Kaye-Rhee‘ Eftekhari im Battle mit Malin Lewis gewinnt, ist Malin schon fast wieder backstage als Yvonne Catterfeld den roten Buzzer drückt. Das sind die Momente der Sendung, wenn mal ein bisschen Leben und Kampfgeist auch unter der Jury durchblicken, die das Ganze spannender machen.

„Mit Cojones, aber auch cool“ ist dann auch der Rat von Sänger Aki Bosse, den Mark Foster extra zur Probe von „Alles ist jetzt“ mit Dominik Hartz und Lars Kamphausen eingeladen hat. Mehr Haltung zeigt dann Domninik, der eine Runde weiter kommt.

Überhaupt scheint der zweite Teil der Sendung etwas mehr von dem zu haben, wie man sich ein Battle vorstellt. Amanda Jacus verliert im Endeffekt zwar mit Lena Rotermund gegen Maria Pasqua Casti, hat aber wenigstens die richtige Einstellung: „Ich muss aufpassen, dass ich nicht so darauf achte, dass die anderen auch mitkommen, sondern dass ich strahlen kann.“

Die Teenager begeistern am meisten

Am schönsten strahlen dann die Jüngsten. Der 16-jährige James Smith Jr. und die 17-jährige Doriane Kamdem Mabou singen sich mit „Us“ wohl in jedes sehnsüchtige Herz. Hier hat man dann tatsächlich auch als Zuschauer das Bedürfnis, diese leidige Prozedur der Entscheidung doch einfach abzuschaffen. Die beiden sind dann zum Ende der Sendung noch mal ganz großes Kino und es bricht einem fast das Herz, dass wirklich niemand der anderen Juroren für Doriane den Steal Deal-Button drückt.

Die Stimmung ziehen Monica Schmidt und Samuele Di Dio mit ihrer knalligen Performance von „Happy“ dann wieder nach oben, bevor Penni Jo Blatterman vs. Jessica Schaffler mit einer berührenden Interpretation des Beatles-Klassikers „Yesterday“ die perfekte Atmosphäre schaffen, um glücklich und entspannt die nächsten Battles nicht erwarten zu können.